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Die Blockade gegen den umstrittenen Boulevard Kesselsdorfer Straße im Stadtrat bröckelt. Die neueste Studie der Stadtverwaltung hatte die autofreie Lösung für die geplante Zentralhaltestelle erneut als beste Variante bestätigt.

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Von B. Klemm & D. Klein

Die Blockade gegen den umstrittenen Boulevard Kesselsdorfer Straße im Stadtrat bröckelt. Die neueste Studie der Stadtverwaltung hatte die autofreie Lösung für die geplante Zentralhaltestelle erneut als beste Variante bestätigt. Im gemeinsamen Verkehrsforum von Entwicklungsforum und Sächsischer Zeitung am Montagabend bekannten sich neben den Grünen, den Linken und der SPD erstmals auch die Bürgerfraktion klar zum Boulevard. „Er hat Vor- und Nachteile. Aber wir können ihm jetzt zustimmen“, sagte Rüdiger Liebold von der Bürgerfraktion. Bei der Abstimmung im Februar hatte seine Fraktion zusammen mit FDP, DSU und CDU sowie die Teilen der Linksfraktion.PDS den Bau noch mehrheitlich verhindert. Damit hätte der Boulevard im aktuellen Stadtrat erstmals eine Mehrheit. Aber nun wird über den Bau wohl erst nach der Wahl entschieden.

Bewegung in der CDU

Auch die CDU stellt sich nicht mehr grundsätzlich gegen die autofreie Lösung. „Der Boulevard ist eine der Bevölkerung zumutbare Lösung“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Klaus-Dieter Rentsch, vor rund 170 Gästen beim Verkehrsforum im Haus der Presse. Er verwies allerdings darauf, dass er die ebenfalls zur Abstimmung stehende Variante mit einer stadteinwärtigen Autospur favorisiere. Seine Fraktion habe sich noch keine abschließende Meinung gebildet. Der Dresdner FDP-Fraktionschef Jan Mücke bleibt weiter bei einem klaren Nein. „Überall wollen wir Schleichverkehr verhindern, nur dort sollen die Autos durch die Wohngebiete über die Wernerstraße und Reisewitzer Straße geschickt werden. Ich kann darin keinen Vorteil erkennen“, sagte er. Die DSU, die derzeit mit der FDP eine Stadtratsfraktion bildet, weicht von der Haltung der FDP inzwischen auch ab. „Ich kenne die Debatte als politischer Neuling nur aus der Zeitung. Aber ich denke unter Abwägung aller Vor- und Nachteile, kann man dem Boulevard auch zustimmen“, sagte der Loschwitzer DSU-Spitzenkandidat Michael Hebeis.

Bau sollte endlich starten

„Wir haben für fast 200 Millionen Euro eine neue Bundesstraße 173 als Entlastung der Kesselsdorfer Straße gebaut, um diese als Ortsteilzentrum aufzuwerten“, sagte Grünen-Stadtrat, Stephan Kühn. Er nannte eine 15 Jahre dauernde Diskussion über 150 autofreie Meter absurd. Der Neustädter Spitzenkandidat der Freien Bürger, Walter Kaplan, sieht die Entlastung erreicht. „Die Gutachtenflut hätte man sich sparen können.“ Der Linke André Schollbach warf der CDU „Gutachteritis“ vor. „Zehn Gutachten für 145631 Euro sagen alle: Der Boulevard muss kommen.“ Dem stimmte auch Axel-Bergmann (SPD) zu. „Wir hätten schon längst beschließen, ja sogar schon bauen können.“