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Die Tempolimit-Falle in Freital-Hainsberg

Verkehr. Dass eine klare Regelung zu Tempolimits nicht mehr gilt, sorgt beivielen Autofahrern im Kreis für Stirnrunzeln.

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Von Domokos Szabó

Sabine Schenk fährt täglich mit dem Auto von Hainsberg nach Tharandt. Dass sie dabei regelmäßig gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt, war der Freitalerin noch nicht bewusst. Doch ein Artikel in der SZ ließ sie dieser Tage aufhorchen. Zur Erinnerung: Es ging dort um den Fall eines Autofahrers, der in Niederfrauendorf geblitzt wurde, weil er sich angeblich nicht an das Tempolimit von 30 km/h hielt.

Doch der Delinquent konnte nur mit dem Kopf schütteln: Das entsprechende Schild stand vor der Kreuzung, hinter der er in die Radarfalle tappte. Die Kreuzung jedoch müsste die Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben haben, schlussfolgerte der Mann aus Radebeul. Ein Irrtum, der ihn voraussichtlich 15 Euro Strafe kosten wird.

Die Regelung, wonach eine Kreuzung Tempolimits aufhebt, gilt schon seit 15 Jahren nicht mehr. Autofahrer müssen langsamer fahren, bis ein entsprechendes Zeichen die Beschränkung außer Kraft setzt oder korrigiert. Auch der nächste Orts ein- bzw. -ausgang hebt Tempolimits auf, erläutert die Leiterin des Kreisordnungsamtes, Margitta Gärtner. Dies allerdings lässt die Freitaler Autofahrerin Sabine Schenk verzweifeln. „Vor der Eisenbahnunterführung in Hainsberg steht ein Schild Tempo 30. Demzufolge müssen alle Kraftfahrer bis zum Ortsausgang Freital 30 fahren.“ Das ist noch eine relativ kurze Strecke. Allerdings: „Das gleiche gilt auch in umgekehrte Richtung“, sagt Schenk. „Vor der genannten Unterführung in Richtung Freital steht ebenfalls das Schild Tempo 30, und alle Kraftfahrer müssen wohl bis zum Eisenhammer (Dresdner Ortseingang – Anm. der Red.) dieses Tempo durchhalten.“

Auch der Bannewitzer Autofahrer Manfred Müller ist fassungslos. „Das kann nicht sein“, sagt er mit Blick auf den Niederfrauendorfer Fall. „Sie müssen lernen, die Straßen ordentlich zu beschildern.“ Müller wurde auf der Windbergstraße in seiner Heimatgemeinde zur Kasse gebeten. Er fuhr von einer Nebenstraße auf die Magistrale und beschleunigte auf über 50 km/h. Damit hätte er allenfalls ein Verwarngeld bekommen können, denn ein Tempo-30-Schild stand auf diesem Abschnitt der Windbergstraße nicht.

Kulanz nur bei Auswärtigen

Die Polizei jedoch sah gleich einen Fall für Flensburg, sagt Müller. Schließlich steht am Anfang der Windbergstraße ein 30er Schild, was Müller als Anwohner wissen müsste. Bei einem Auswärtigen hätten also die Ordnungshüter weggeschaut …

Sylvia Ebert von der Verkehrslenkung des Landratsamtes weiß um den Ärger der Autofahrer. „Wer in der DDR den Führerschein gemacht hat, hält das für blöd geregelt“, sagt sie. Immerhin kann sie das Problem in Freital entkräften, indem sie eine weitere Regelung in Erinnerung ruft: Auch wenn die Vorfahrtsstraße abbiegt, hebt das die Geschwindigkeitsbeschränkung auf.

Genau das ist nämlich vor und nach der Hainsberger Eisenbahnunterführung der Fall. Und um es den Autofahrern zumindest leichter zu machen, sollen die Verkehrsbehörden laut einer Vorschrift Tempolimit-Schilder wiederholen, wenn an einer Stelle eine größere Straße einmündet.

Dennoch muss das motorisierte Volk auf der Hut sein. Allein im vergangenen Jahr schlugen die Ordnungshüter 8 784 Mal mit mobilen Blitzern zu, wie die Regierung kürzlich auf eine FDP-Landtagsanfrage mitteilte.