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Die Teufelseier von Korbitz

Die kugligen Steingebilde aus Jaspis sind 290 Millionen Jahre alt und eine geologische Rarität in der Welt.

Von Dieter Hanke

Imposant sehen sie aus, die sogenannten Teufelseier von Meißen-Korbitz. Von zwei Zentimeter bis zwei Meter Durchmesser sind die Kugeln aus Jaspis groß. Die kreisförmigen Maserungen mit den rot-bräunlichen und gelblichen Farbnuancen prägen diesen Schmuckstein. „Ein beeindruckendes Werk der Natur“, sagt der Scharfenberger Bergbauexperte und Mineraloge Holger Sickmann. Gefunden hat der 47-Jährige mehrere dieser seltenen kugligen Gebilde aus eisenoxidhaltigem Quarz vor Jahren im Bachlauf der Ochsendrehe in Meißen-Korbitz. Sie stammen vom dortigen Steinbruch „Teufelszehe“ aus dem 18. Jahrhundert, auf dem sich heute Kleingärten befinden. „Diese Steineier sind an die 290 Millionen Jahre alt und eingebettet im vulkanischen Porphyr als Verkieselungen. Im Laufe der Zeit verwitterte das Felsgestein und die härteren Kugeln kamen zum Vorschein“, sagt Sickmann. Auch wurden beim Abbau des Gesteins in diesem Steinbruch solche Teufelseier entdeckt, die auch als „Tygerstein“ von Meißen -Korbitz in der Fachliteratur erwähnt werden. In Porphyr-Bruchsteinmauern, zum Beispiel an der einstigen Jutespinnerei in Meißen, sind sie enthalten oder wurden auch als Sockel verwendet. „Nach überlieferten Sagen rührt ihr Name daher, dass in diesen Eiern Fabelwesen wie kleine Teufelchen ausgebrütet worden sein sollen“, bemerkt der Scharfenberger Experte.

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In den USA heißen sie Donnereier

Von außen wirken die Steineier recht unscheinbar. Meist nur Experten können sie ausfindig machen. Wenn die Eier etwas angeschlagen sind, lässt sich ihr schönes Aussehen erahnen. Mit einer Diamantblatt-Säge hat Sickmann seine Exponate zerteilt, dann geschliffen und mit einem Spezialpulver poliert. „Da wird ihre ganze Pracht sichtbar“, sagt der Scharfenberger. Sie seien sehr glatt und rissfrei.

Die Teufelseier sind ausgesprochene geologische Raritäten. „Die Funde in Meißen-Korbitz sind einmalig in Europa“, so Sickmann. Nur im Elbland am Kuhberg bei Wachtnitz wurden noch einige Funde auf Feldern entdeckt. Sonst kommen die sogenannten Teufelseier nur noch im Südwesten der USA vor. Sie werden hier von Indianern als Donnereier bezeichnet, die nach einem Blitzeinschlag entstanden sind.

Holger Sickmanns Vater hatte seinem Sohn vor Jahren die Fundstellen im Tal der Ochsendrehe in Meißen-Korbitz verraten. Auch andere Mineraliensammler wie zum Beispiel Gunther Mäser aus Semmelsberg haben Exponate in ihrem Besitz. Im Heimatmuseum im Rothschönberger Schloss ist ein ungeschliffenes großes Teufelsei zu sehen, ebenso mehrere kleinere geschliffene Exponate. Im Grünen Gewölbe in Dresden besteht u. a. ein Sockel einer Figur aus diesem Schmuckstein Jaspis.