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Die Tiger sind los

Mit einer Extra-Show zum 60. Geburtstag gastiert Ostdeutschlands größter Zirkus im Kreis. Bis morgen spielt Probst imRiesapark.

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Von Peter Anderson

Der zottelige Kopf schaut misstrauisch zum Himmel. Dicke Tropfen fallen an diesem Vormittag aus den schweren Wolken. Das Kamel schüttelt sich. Schwupps ist es wieder im trockenen und warmen Zirkuswagen verschwunden. Den Arbeitern draußen bleibt dagegen keine Wahl. In wenigen Stunden müssen das Zirkuszelt und die Tierschau stehen. Gestern Abend gab Zirkus Probst seine erste Vorstellung im Riesapark. Am Donnerstag zieht der größte ostdeutsche Zirkus weiter nach Großenhain. Das Familienunternehmen feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag.

Vom Presslufthammer geweckt

„An den Aufbautagen brauchen wir früh keinen Wecker“, sagt Kathrin Strehmel, die bei Probst die Pressearbeit macht. „Kurz nach Sechs haben heute Morgen die Presslufthämmer losgeknallt.“ Sie werden gebraucht, um die schweren Heringe 80 Zentimeter tief in den Boden neben dem Riesapark zu rammen. Die Stahlnägel sollen das riesige Chapiteau auch bei Orkanstärke am Boden halten. „Weichen Boden können wir nicht gebrauchen“, so Kathrin Strehmel.

Weit in den grauen Vormittagshimmel hinein ist das Zelt inzwischen gewachsen. Von vier Gitter-Masten getragen, schwebt die blaue Kuppel in der Höhe. Durch die Rondell-Stangen reicht der Blick bis ins Herz des Zirkus. „Zuerst wird die Manege festgelegt“, erklärt Kathrin Strehmel. Von dort wächst der Zirkus in die Breite. Damit die Arbeiter sich nicht gegenseitig auf die Füße treten, ist das Zirkusrund in vier Sektoren unterteilt. „Jede der vier Mannschaften hat beim Aufbau der Sitzreihen ihr eigenes System, auf das sie schwört“, sagt Kathrin Strehmel. Laute Kommandos auf Deutsch, in Rumänisch und Polnisch hallen durch den Raum. Durchorganisiert wie in einem Ameisenhaufen und doch für den Laien undurchschaubar wächst das Amphitheater. Alle fassen mit an. Keiner steht abseits und vergräbt die Hände in den Hosentaschen. Die Musiker des Live-Orchesters verschrauben die schweren Gerüststangen für ihre Bühne. „Da können sie sicher sein, dass nichts wackelt, wenn ein kräftiger Tusch gespielt wird“, scherzt Kathrin Strehmel. Am Nachmittag setzen die Artisten das i-Tüpfelchen auf den Rohbau. „Die Clowns montieren die Sperrsitze. Die Truppe Alexandros ist zum Reintragen der Stühle eingeteilt.“ Zirkusleute sind Alleskönner. Wer am Abend in Gold betresster Livree im Rampenlicht stehen möchte, muss sich zuvor im Blaumann bewähren.

Zwischen den herumwuselnden Zeltbauern taucht regelmäßig der Blondschopf von Elektriker Oliver Frömmer auf. Von den beiden zirkuseigenen Diesel-Aggregaten zieht er Strippen zur Lichtanlage, zur Tontechnik, zu den Wohnwagen und wo sonst Strom benötigt wird. 4 500 Liter Kraftstoff verbraucht der Zirkus pro Woche, wenn auf dem Standplatz kein Stadtstrom anliegt.

Am Abend zahm wie Lämmer

Fast unbeachtet hat sich unterdessen hinter dem Zelt die Falltür des Tiger-Wagens gehoben. Mit verträumtem Blick tappsen die riesigen Tiere heraus. „Wie kleine Hauskatzen. Die könnten schlafen, schlafen, schlafen“, sagt Kathrin Strehmel und blinzelt einen der Kater an. Der zwinkert zurück und zeigt beim Gähnen vier scharfe gelbe Hauer. Tiger-Mama Raika darf mit der zehn Monate alten Rani als erstes in das neue Freigehege. Der stabile Käfig entstand den Winter über im Staßfurter Stammquartier des Zirkus. Ungestüm tollen Mutter und Kind durch ihr kleines Reich und lassen beim Spielen die Gitter erzittern. Am Abend werden sie sich in den Händen von Dompteur Rüdiger Probst in folgsame Lämmer verwandeln.

Vorstellungen am Riesapark:Dienstag

15 und 18.30 Uhr, Mittwoch nur 17 Uhr. Kartenverkauf ab 10 Uhr am Zirkusplatz. Tierschau täglich ab 10 Uhr.