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Die Todeskurve vor Lenz

Die Bergkuppe zwischen Zschauitz und Lenz ist gefährlich. Ausweichen ist hier so gut wie unmöglich.

Am Tag nach dem tödlichen Autounfall zwischen Zschauitz und Lenz zeigen nur noch die Markierungen den Unfallhergang. Die leichte Kurve am Berg ist tückisch, trotzdem überholt hier mancher ohne die geringste Einsicht.
Am Tag nach dem tödlichen Autounfall zwischen Zschauitz und Lenz zeigen nur noch die Markierungen den Unfallhergang. Die leichte Kurve am Berg ist tückisch, trotzdem überholt hier mancher ohne die geringste Einsicht. ©  Anne Hübschmann

Lenz. Wolfgang Macher sitzt auf der Bank vor seinem Haus und schüttelt den Kopf. „Ich habe es nur knallen hören und dann diesen minutenlangen Hupton, als ob jemand auf dem Lenkrad gelegen hat. Das war das Schlimmste“, erzählt er. Nein, hingegangen sind er und seine Frau Monika später nicht, die Retter waren auch schon da. 

Machers wohnen an der gefährlichsten Kurve im Großenhainer Land: An der leichten Bergkuppe zwischen Zschauitz und Lenz, wo am Sonntagnachmittag zwei Menschen bei einem furchtbaren Unfall starben und zwei weitere Autofahrer verletzt wurden. Die Biegung sieht harmlos aus, aber die S 81 ist hier förmlich zwischen den Leitplanken eingequetscht. Zumindest unmittelbar in der Kurve.

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Wer hier aus seiner Bahn gerät, hat keine Chance. Auch Ausweichen ist auf der Bergkuppe aussichtslos. Genau das ist offenbar am Sonntag passiert. Ein 80-jähriger Großenhainer war mit seiner Frau (79) in Richtung Dresden unterwegs, als er offenbar in der Kurve auf die Gegenfahrbahn geriet. 

Nicht plötzlich, wie die Pressestelle der Polizeidirektion Dresden auf Anfrage sagen konnte. Das konnte die Unfalluntersuchung bereits nachweisen. Doch was der Auslöser dafür war und wie der just in diesem Moment entgegen kommende Golf fuhr, da erhofft sich auch die Polizei noch einmal Hinweise von Zeugen. Was sich dann innerhalb von Sekunden abspielte, war jedenfalls dramatisch.

Bei dem schweren Unfall am Sonntag kamen zwei Menschen ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. 
Bei dem schweren Unfall am Sonntag kamen zwei Menschen ums Leben, zwei weitere wurden verletzt.  © Roland Halkasch

Der BMW streifte zunächst den VW Golf, dessen Fahrer, ein 24-Jähriger, zum Glück nur leicht verletzt wurde, obwohl er in Machers Zaun geschleudert wurde. Doch durch diesen Aufprall erwischt der BMW noch einmal frontal einen Skoda Octavia. Die 34-jährige Skodafahrerin wurde schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. 

Für das ältere Ehepaar kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie verstarben beide sofort an der Unfallstelle. Was bleibt, ist Fassungslosigkeit, dass wieder an dieser Bergkuppe ein schwerer Unfall passiert ist. Auch Großenhains Revierleiterin Sandra Geithner war gestern noch sprachlos, denn offiziell, das heißt, rein statistisch, ist die S 81 an der Stelle kein Unfallschwerpunkt.

Doch jeder Einheimische weiß, wie brenzlig es dort werden kann. Für Radfahrer allemal, überholen doch viele Autofahrer am Berg, ohne hinter die Kurve sehen zu können. Mancher setzt gar zum Spurt an einer Kolonne vorbei an, so wie eine 26-jährige Skodafahrerin am 29. Januar dieses Jahres. 

Sie fuhr an mehreren Autos und sogar einem Sattelzug vorbei – und in einen entgegen kommenden VW Passat hinein. Obwohl sie auch noch den Sattelzug touchierte, blieben alle – auch der 44-jährige VW-Fahrer – unverletzt. Der Vorfall endete mit einer Anzeige wegen Gefährdung im öffentlichen Straßenverkehr. Er hätte auch leicht tödlich enden können. 

Auch Radfahrer sind weiter in Lebensgefahr: Zwar ist ein Vorentwurf für den Radweg Zschauitz und Lenz genehmigt. Großenhain hat unterschrieben und gibt 34.700 Euro dazu. Insgesamt sind Kosten von 811.000 Euro veranschlagt. Davon 75.000 Euro Grunderwerb. Neben dem eigentlichen Radweg entlang der S 81, baut der Freistaat auch eine Entwässerung sowie die Offenlegung des Mühlgrabens. Allerdings prüft die Landesdirektion Sachsen immer noch, ob für das Vorhaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen muss, so Isabel Siebert, Sprecherin beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Die ist aufwendig und damit langwierig. 

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