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Die Top 50 der miesesten Görlitzer Straßen

Das Rathaus hat eine Prioritätenliste für die Sanierung aufgestellt. Abgearbeitet werden kann aber nur ein Teil davon.

© SZ

Von Ingo Kramer

Die gute Nachricht vorweg: Elf Straßen will die Stadtverwaltung in den nächsten Jahren nach und nach sanieren, weil sie in einem sehr schlechten Zustand sind. Dazu kommen noch vier Gehwege und zwei Brücken. Die schlechte Nachricht ist freilich, dass damit nur die Spitze des Eisberges abgetragen werden kann. Das Rathaus hat sich nämlich die Mühe gemacht, akribisch aufzuschlüsseln, welche Straßen aus welchen Gründen wirklich gemacht werden müssten. Dabei entstanden ist eine Prioritätenliste. Sie umfasst 50 Straßen, acht Gehwege und neun Brücken. Die SZ fasst an dieser Stelle exklusiv die wichtigsten Inhalte der Prioritätenliste zusammen.

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Nach welchen Kriterien wurde die Prioritätenliste erstellt?

Die Stadt hat zunächst die sieben Fakten Verkehrsbedeutung, Bauzustand, Lebensdauer, Einfluss Dritter (wie Stadtwerke), Bürgerwahrnehmung, Bedeutung für die Stadtentwicklung und Bedeutung für private Investitionen genommen und jeweils null bis fünf Punkte vergeben. Straßen, die insgesamt die meisten Punkte erhalten haben, stehen ganz oben auf der Liste. Dann gibt es noch eine Detailwertung, bei der unter anderem die aktuellen Instandhaltungskosten erfasst sind. Und am Ende folgen drei Spalten zum Geld: Was kostet der Straßenbau ungefähr, wie hoch wäre der mögliche Fördermittelanteil und wie hoch der Ausbauanteil für die Anlieger.

Welche Straßen stehen auf der Liste ganz oben?

Die Stadt hat die Straßen in drei Kriterien eingeteilt. Bei den Staatsstraßen hat die Bahnhof- zwischen Salomonstraße und Brautwiesenplatz die höchste Priorität, es folgt die Weinhübler Straße in Kunnerwitz, die in zwei Abschnitte unterteilt wird. Bei den Kreisstraßen liegt die Friedersdorfer Straße vorn, gefolgt von der Rothenburger- zwischen Schlesischer- und Klingewalde sowie der Dorfstraße in Schlauroth. Bei den Gemeindestraßen schließlich stehen die Reichert-, die Schützen- zwischen Postplatz und Bismarck- sowie die Querstraße auf den vorderen Plätzen. Bei den Gehwegen haben der obere Teil der Promenaden-, die Kunnerwitzer- sowie die Friedrich-Naumann-Straße in Rauschwalde oberste Priorität. Bei den Brücken landen Blockhaus, Leschwitzer Straße und Steinbrücke Hagenwerder auf den Plätzen eins bis drei.

Welche Straßen sind im schlechtesten Zustand?

Gleich 16 Straßen haben beim Bauzustand die Note ungenügend erhalten. Das bedeutet: Die Straße ist im eigentlichen Sinn nicht mehr vorhanden. Betroffen sind Quer- und Rosenstraße, Teile des Schlauro-ther Weges, Am Wasserwerk, Am Hirschwinkel, Paul-Taubadel-Straße, Gladiolen-, Dahlien- und Nelkenweg komplett, beim Tulpenweg nur der hintere Teil, Grün-, Franz-Künzer- und Teile der Erich-Oppenheimer-Straße, Am Schafberg, Walther-Rathenau-Straße zwischen Wiesenweg und Geschwister-Scholl-Straße sowie die Kleine Seite in Schlauroth. Doch obwohl alle diese Straßen in einem sehr schlechten Zustand sind, haben sie nicht alle die gleiche Priorität. So hat zum Beispiel die Querstraße auch in vielen anderen Kriterien ganz schlecht abgeschnitten, die Kleine Seite hingegen nicht. Letztere landet deshalb in der Prioritätenliste ganz unten.

Welche Straßen werden von den Bürgern am meisten kritisiert?

Unter dem Kriterium „Bürgerwahrnehmung“ hat das Tiefbauamt unter anderem berücksichtigt, zu welchen Straßen es die meisten Beschwerden und Anregungen gibt. Interessanterweise hat keine der 16 Straßen mit dem schlechtesten Bauzustand in der Bürgerwahrnehmung eine hohe Punktzahl erreicht. Die meisten Görlitzer stören sich stattdessen an zwei ganz anderen Straßen: Der Rothenburger- zwischen Schlesischer Straße und Klingewalde sowie der Zittauer- und Sattigstraße zwischen Biesnitzer Straße und Jakobstunnel.

Welche Bauarbeiten werden für die Stadt so richtig teuer?

Die Top drei der teuersten Straßenbauten sind allesamt Kreisstraßen. Mit weitem Abstand vorn liegt die Rothenburger Landstraße in Ludwigsdorf. Wird sie von der Autobahnbrücke bis zum Abzweig Krauscha saniert, kostet das fast fünf Millionen Euro. Abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei liegen die Schlaurother Dorfstraße mit knapp 1,5 Millionen und die Rothenburger- zwischen Schlesischer Straße und Klingewalde mit knapp 1,3 Millionen Euro. In allen drei Fällen kann die Stadt auf 80 Prozent Fördermittel hoffen. Die Blockhausbrücke landet mit gut 1,2 Millionen Euro auf Platz vier, allerdings rechnet die Stadt dafür mit 90 Prozent Fördermitteln.

Welche Straßen sollen in den nächsten Jahren tatsächlich gebaut werden?

Insgesamt elf Straßen hat die Stadt in ihrer Liste grau hinterlegt. Das heißt: Diese elf sind Teil des Haushaltes oder zumindest des Finanzplanes. Das heißt nicht in jedem Fall, dass sie demnächst ausgebaut werden. Aber was einmal im Finanzplan steht, hat zumindest Chancen, in den nächsten fünf Jahren tatsächlich umgesetzt zu werden. Für folgende elf Straßen besteht Hoffnung: Bahnhof- zwischen Salomonstraße und Brautwiesenplatz, Rothenburger- zwischen Schlesischer Straße und Klingewalde, Reichert-, Schützenstraße zwischen Postplatz und Bismarck-, Quer-, Elisabeth-, Konsul-, Jochmann- sowie Struve- zwischen Bismarck- und Joliot-Curie-Straße, Klosterplatz und Demianiplatz (alter Busbahnhof). Dazu kommen vier Gehwege in der Friedrich-Naumann-, Stauffenberg- und Albert-Blau-Straße sowie auf dem Boulevard in Königshufen, weiterhin die beiden Brücken am Blockhaus und an der Leschwitzer Straße. Offen bleibt die Frage, warum die Straßen, die tatsächlich ausgebaut werden sollen, nicht immer die sind, die in der Prioritätenliste oben stehen. Dazu wollte das Rathaus am Freitag keine Antwort geben.

Wie begründet die Stadt die getroffene Auswahl der elf Straßen?

Fünf von elf stehen in der Prioritätenliste ganz weit oben: Bahnhof-, Rothenburger- Reichert-, Schützen- und Querstraße. Bei der Elisabethstraße ist von einer „hohen städtebaulichen Priorität als Gesamtmaßnahme von Straße und Platz“ die Rede. Der Klosterplatz genießt ebenfalls eine „hohe städtebauliche Priorität“, vor allem wegen seiner Lage mitten in der Altstadt. Keine konkrete Begründung liefert die Stadt für den alten Busbahnhof am Demianiplatz sowie Konsul-, Jochmann- und Struvestraße.

Wo steht schon jetzt der konkrete Baubeginn fest?

Tiefbauamtsleiter Torsten Tschage hat vor einer Woche bekannt gegeben, dass die Bahnhofstraße ab Frühling nächsten Jahres ausgebaut wird. Das Gleiche hofft er für die Rothenburger- zwischen Schlesischer Straße und Klingewalde. Beide Bauten werden in Abschnitte unterteilt, also im nächsten Jahr noch nicht vollendet. Schneller geht es nur beim Demianiplatz. Hier sollen die Arbeiten schon diesen Frühling beginnen, direkt nach der Frostperiode. Die Stadt rechnet mit einer Bauzeit von einem Jahr.