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Bautzen

Die Top 7 der Raser

Es ist unglaublich, was sich einige Autofahrer im Landkreis Bautzen leisten - vor allem auf bestimmten Straßen.

Kein Blitzer im Landkreis Bautzen ertappt mehr Temposünder als die Anlage in Plotzen. Am Abend des 18. November 2018 wurde hier der Rekord-Raser gefilmt.
Kein Blitzer im Landkreis Bautzen ertappt mehr Temposünder als die Anlage in Plotzen. Am Abend des 18. November 2018 wurde hier der Rekord-Raser gefilmt. © Uwe Soeder

Bautzen. Tausende Autofahrer pro Jahr sind im Landkreis Bautzen schneller unterwegs, als die Polizei erlaubt. Nur ein Teil von ihnen wird geblitzt und zur Rechenschaft gezogen. Während die Mehrzahl wenige Kilometer pro Stunde über dem Tempolimit liegen, gibt es auch krasse Ausnahmen. Zum Beispiel in Plotzen zwischen Bautzen und Löbau. Erlaubt ist hier Tempo 50, der unrühmliche Spitzenreiter am Blitzer brachte es auf 174 Sachen. Aber auch anderenorts zwischen Ottendorf-Okrilla, Spreetal und Sohland (Spree) sind unglaubliche Geschwindigkeiten angesagt. Das geht aus aktuellen Zahlen der Polizei und der für die Bußgelder zuständigen Behörden, des Landratsamtes und der Landesdirektion Sachsen hervor.

Laut den Behörden und ihren Zahlen fällt die Raserei auf einigen Straßen besonders auf. Dazu gehören die Autobahn, die Bundesstraße 97 durch die Laußnitzer Heide sowie die Staatsstraße 94 zwischen Kamenz und der Autobahnauffahrt Burkau. Hier sind die Top sieben der Temposünder der jüngsten Monate:

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Platz 1: 124 Kilometer pro Stunde mehr als erlaubt in Plotzen

Kein Blitzer im Landkreis Bautzen leuchtet so oft auf wie der an der Bundesstraße 6 in Plotzen. In der Hitliste folgen übrigens die Geräte in Putzkau, Maukendorf, Rascha und Göda. Würde sich die Helligkeit nach der gemessenen Geschwindigkeit richten, müsste der Blitzer in Plotzen am 10. November 2018 um 22.22 Uhr besonders grell geleuchtet haben. Denn da jagte ein Mann mit seinem Pkw mit sage und schreibe 174 Kilometern pro Stunde durch den Ort – 124 „Sachen“ mehr als erlaubt. Der eilige Autofahrer wurde daraufhin um zwei Punkte in Flensburg reicher, um 680 Euro ärmer und konnte während eines dreimonatigen Fahrverbots mal wieder ganz langsam die Straßenverkehrsordnung lesen.

Platz 2: Mit 108 „Sachen“ zu viel in der Laußnitzer Heide

Am 8. Januar 2018 hatte das Landratsamt seinen mobilen Blitzer an der Bundesstraße 97 mitten in der Laußnitzer Heide postiert. Eine kurvenarme Strecke, wo der Fuß fast von selbst das Gaspedal durchdrückt. Kein Autofahrer gab der Versuchung so sehr nach wie ein Mann um 14.11 Uhr an besagtem Montag. Bei Tempo 178 schlug der Blitzer an – erlaubt sind an dieser Stelle 70 Kilometer pro Stunde. Die Quittung: 600 Euro Geldbuße, drei Monate Fahrverbot und zwei Punkte beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg.

Platz 3: Mit 183 durch die 100er-Zone auf der Autobahn bei Bautzen

Am 24. Februar dieses Jahres jagte um 10.55 Uhr ein Pkw mit Wiesbadener Kennzeichen über die Autobahn von Dresden in Richtung Polen. Am Kilometer 52,5 zwischen den Anschlussstellen Bautzen-West und Bautzen-Ost raste der Mann mit Tempo 183 an einem mobilen Blitzer vorbei. Erlaubt sind hier 100 Kilometer pro Stunde. Die Landesdirektion Sachsen als für die Autobahn zuständige Behörde schickte dem Mann einen Bußgeldbescheid über 620 Euro, außerdem erhielt auch er zwei Punkte in Flensburg und musste drei Monate lang mit seinem Pkw nicht nur die Autobahn, sondern jede Straße meiden.

Platz 4: Und wieder Tatort Autobahn – 174 statt 100 bei Burkau

Ganz eilig nach Hause wollte ein Pole am 27. Februar dieses Jahres, einem Mittwoch. Dabei fuhr er um 17.14 Uhr nahe der Autobahn-Anschlussstelle Burkau gleich mal um 74 „Sachen“ zu schnell. Ein mobiler Blitzer filmte den Mann in einer 100er Zone mit Tempo 174. Ob und welche Sanktionen den schnellen Polen ereilten, teilte die Landesdirektion Sachsen nicht mit. Aber laut der Internetseite bussgeldrechner.com gelten für ausländische Temposünder die gleichen Rechte und Pflichten wie für deutsche – in Deutschland. Das heißt: Wurde gegen den Mann beispielsweise ein Fahrverbot verhängt, darf er sich nicht westlich der Neiße hinters Lenkrad setzen. In seinem Heimatland darf er es.

Platz 5: 63 Kilometer pro Stunde mehr auf der Bundesstraße 156 in Lieske

Im Norden des Kreises Bautzen, auf der Bundesstraße 156 in Lieske, raste am Nachmittag des 16. August dieses Jahres ein Pkw mit Tempo 113 am mobilen Blitzer der Polizei vorbei. Erlaubt sind hier 50 Kilometer pro Stunde. Seine Eile bezahlt der Mann mit 440 Euro Bußgeld, zwei Punkten in Flensburg und zwei Monaten Fahrverbot.

Platz 6: 70 erlaubt, aber 128 gefahren auf der Staatsstraße bei Nebelschütz

Die gut ausgebaute Staatsstraße 94 zwischen Bernsdorf und der Autobahn-Anschlussstelle Burkau verlockt zur Tempohatz. Trotzdem ist sie natürlich auch hier nicht erlaubt, weshalb ein Autofahrer 240 Euro zahlen und zwei Flensburg-Punkte kassieren musste. Außerdem durfte er einen Monat lang nicht fahren. Der Grund: Er raste am 18. Februar 2019 vormittags mit Tempo 128 auf der Staatsstraße 94 am Abzweig Nebelschütz durch die 70er-Zone.

Platz 7: 32 „Sachen“ Zuschlag auf der B 97 bei Bernsdorf

Am Vormittag des 20. März dieses Jahres blitzte die mobile Anlage der Polizei auf der Bundesstraße 97 zwischen Hoyerswerda und Bernsdorf. Der Spitzenreiter hatte statt erlaubten 100 gleich mal 132 „Sachen“ drauf, was ihm ein Bußgeld von 80 Euro und einen Punkt in Flensburg einbrachte.

Jede Statistik hat ihre Tücken – so auch diese, betont die Polizeidirektion Görlitz. Denn: In einer Tempo-30-Zone in Ortschaften gibt es möglicherweise mehr Geschwindigkeitsüberschreitungen als außerorts. Dort aber fallen sie wegen des höheren Tempos mehr ins Gewicht.

© SZ-Grafik