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Die Traumwohnung gibt's jetzt in Görlitz auch digital

F.T. Immobilien bietet im Internet 3-D-Wohnungsbesichtigungen an - mit Erfolg. An der Neiße ist das Unternehmen damit Vorreiter.

Von Ingo Kramer
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Elisa Ritter aus der Vermietung und Marko Zoerner vom Serviceteam von F.T. Immobilien stehen mit Kamera und Tablet in einer Wohnung auf der Görlitzer Struvestraße. Mit der Technik erstellen die beiden virtuelle Wohnungsrundgänge.
Elisa Ritter aus der Vermietung und Marko Zoerner vom Serviceteam von F.T. Immobilien stehen mit Kamera und Tablet in einer Wohnung auf der Görlitzer Struvestraße. Mit der Technik erstellen die beiden virtuelle Wohnungsrundgänge. © Nikolai Schmidt

Die Kamera hat alles im Blick: Sie steht in der Mitte des Raumes und dreht sich um 360 Grad. Bedient wird sie über ein Tablet – von einem Mitarbeiter im Nachbarraum. „Wir stellen die Kamera in jedem Raum an mindestens zwei Positionen, um jeden Winkel aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen“, sagt Elisa Ritter. Bei der Görlitzer Firma F.T. Immobilien ist sie für Vermietung und Vermittlung zuständig. Die Kamera nutzt sie gemeinsam mit Marko Zoerner vom Serviceteam, der sich um Abnahmen und Übergaben kümmert.

Bisher sechs Wohnungen in 3-D

Die Bilder sind seit Kurzem auf der Internetseite von F.T. Immobilien zu sehen. Mittlerweile sechs verschiedene Wohnungen kann man dort in aller Ruhe in 3-D besichtigen – ganz unkompliziert am heimischen Rechner oder auch auf dem Smartphone oder auf dem Tablet. Von der Wohnungstür bis raus auf den Balkon kann man spazieren und dabei alles ganz genau inspizieren. Und damit ein Gefühl für die Wohnung bekommen – also ob sie wirklich infrage kommt oder eher nicht. „In den ersten vier Wochen hatten wir auf diese Weise schon 2.140 virtuelle Wohnungsbesichtigungen“, sagt Geschäftsführer Frank Tews.

Das sei eine enorme Zahl: „Normalerweise haben wir im gesamten Jahr etwa 700 bis 800 Besichtigungen.“ Doch Tews ist natürlich klar: Im Internet klicken sich auch Menschen durch eine Wohnung, die gar nicht auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind. Deshalb ist eine andere Zahl aussagekräftiger: Von den sechs Wohnungen, die bisher auf einem virtuellen Rundgang besichtigt werden können, sind vier mittlerweile vermietet. „So viele wären es ansonsten sicher nicht in dieser kurzen Zeit gewesen“, sagt Tews.

Beide Seiten sparen Zeit

Für eine Wohnung in Kodersdorf, ergänzt Elisa Ritter, habe sich ein junger Mann gemeldet, für den schon nach der Internet-Besichtigung feststand, dass er die Wohnung nimmt: „Er wollte sie eigentlich nur noch einmal zur Bestätigung persönlich sehen.“ Auf der anderen Seite gab es auch Interessenten, die eine Wohnung auf der Biesnitzer Straße besichtigen wollten. Die haben sich die Wohnung dann aber doch zuvor mal im Internet angeschaut und dort schon festgestellt, dass diese Räume für sie nicht infrage kommen. Doch auch das sei in Ordnung. „In dem Fall hat es sowohl uns als auch den Interessenten Zeit gespart“, sagt Elisa Ritter. Inzwischen sei aber auch diese Wohnung vermietet.

In Görlitz ist Frank Tews mit den digitalen Wohnungsbesichtigungen ein Vorreiter: „Meines Wissens bietet das hier sonst noch niemand an.“ Tews hat seit vorigem Jahr mit einem Zuschuss der Europäischen Union und des Freistaates Sachsen einen sogenannten InnoManager zur Entwicklung eines betrieblichen Innovationsmanagements eingestellt und damit eine neue Stelle geschaffen. „Da geht es auch um Prozessoptimierung“, sagt Tews.

Schlüsselausgabe jetzt ohne Quittung

Aufgaben gebe es viele, beispielsweise läuft die Schlüsselausgabe an Handwerker jetzt mit Kundenkarte und Barcode-Scanner statt Papier und Quittung. „Damit ist für uns viel schneller nachvollziehbar, wenn zum Beispiel ein Schlüssel seit drei Wochen weg ist“, sagt Tews. Als nächstes soll es um digitale Dokumentenverwaltung und digitale Betriebskostenabrechnungen gehen. Zu tun gebe es also noch genug.

Die Sache mit der Kamera war ursprünglich vor allem für das Bauservice-Team geplant, sagt Tews: „Wir wollten bei Bauarbeiten den Vorher-Nachher-Zustand dokumentieren und Aufmaße machen.“ Das sei schon länger geplant gewesen, um einige Vorgänge beim Renovieren von Wohnungen zu beschleunigen. „Beim Test haben wir dann festgestellt, dass die Kamera noch viel mehr kann“, sagt er. Selbst der Blick aus dem Fenster sei kein Problem. Und dann kam Corona – und damit sank plötzlich die Nachfrage von Mietinteressenten nach Besichtigungsterminen.

Rund 4.500 Euro in die Technik investiert

Das war der Startschuss, um Wohnungen zu filmen und auf die Internetseite zu stellen. Für eine Zwei- bis Dreiraumwohnung dauert das eine halbe Stunde, sagt Elisa Ritter: „Eine Fotodokumentation braucht genauso lange.“ Der Effekt ist freilich nicht der gleiche. Für die Kamera, das zugehörige Tablet und die Software hat Tews insgesamt rund 4.500 Euro investiert. Ob sich das rechnet? „Ich denke schon“, sagt er. Er habe jedenfalls die Zeitersparnis hochgerechnet: „Wir vermieten auch Wohnungen in Kodersdorf oder Zittau“, sagt er: „Wenn wir da nicht immer hinfahren müssen, spart das viel Zeit ein.“

Nun überlegt er, die Kamera noch viel mehr zu nutzen. Zuerst sollen alle eigenen Wohnungen gefilmt werden, wenn sie leer sind und zur Vermietung stehen. Als nächstes will Tews das auch anderen Vermietern anbieten, vor allem kleineren Einzel-Eigentümern. Gegen eine Vermietungsprovision würde er auch deren Wohnungen auf seine Internetseite stellen. Wer Interesse hat, kann sich bei Tews melden.

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