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Leben und Stil

Wird 2019 wieder ein Spitzen-Jahrgang?

Der Regen fehlte auch in diesem Jahr. Was das für die Winzer und ihre Weine bedeutet, erklärt Silvio Nitzsche in seiner Kolumne. 

Silvio Nitzsche ist Sommelier und betreibt in Dresden die WeinKulturBar.
Silvio Nitzsche ist Sommelier und betreibt in Dresden die WeinKulturBar. © SZ

Von Silvio Nitzsche 

Pralle Sonne, pralle Trauben. Super Sommer, tolle Weine: Nach dem sehr warmen Jahrgang 2018 zucken nun auch schon beim noch gar nicht gelesenen 2019er die Ersten mit riesigen Prognosen. Aber natürlich ist nicht alles Gold, was in der Sonne glänzt.

Eine ausgeprägte Sonnen- hat auch immer ihre Schattenseite. Natürlich denken wir zuerst an den fehlenden Regen. Wobei dieser andere Agrarkulturen mehr belastet als den Weinbau. Die Reben wurzeln oft sehr tief und kommen dort an Wasserreserven, die sie durchaus auch durch trockene Episoden des Jahres bringen können. Nicht zuletzt haben viele Winzer die Überzeugung, dass Qualität von „quälen“ käme, also eine gelegentliche Fastenkur für die Rebstöcke nicht von Nachteil ist.

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Dennoch macht sich zu wenig Wasser bemerkbar. Den Trockenstress, den die Pflanzen durchleben, den kann man sehen. Die Wasserstress-Symptome am Rebstock sind schlaffe oder welke Ranken und später auch Blätter. Bei akutem Wasserstress kann es zur Chlorose, dem Vergilben der Blätter, und Nekrose, dem Verdorren der Blätter, kommen. Tritt der Wassermangel zu Beginn der Wachstumsperiode auf, führt dies zu kleinen Beeren. Und ab einer gewissen Gradation des Wassermangels stellt die Pflanze jegliches Wachstum ein.

Neben einem recht geringen Ertrag und somit Einbußen für den Winzer spiegelt sich eine solche Strapaze auch im Geschmack wider. Der Fehlton ist ein untypischer Alterungston, kurz UTA genannt. Den kann man schmecken und/aber auch verwechseln. So wird beispielsweise oft ein Böckser als UTA angesprochen oder umgekehrt eine UTA als Böckser. Doch woran erkennt man diesen Weinfehler? Einen Mangel an Fruchtaromen, wie zum Beispiel Zitrone und Apfel, ist der erste Indikator. Stattdessen finden sich ein strenges, süßes Blumenaroma und ein Akazienblütenton wie im entsprechenden Honig sowie grüne Bohne und nasse Wolle. Nach kurzer Standzeit im Glas kommt es zu einer Verstärkung der negativen Noten.

Hier ist viel Handarbeit nötig: Die Sonne hat der Ruländer-Traube mächtig zugesetzt. 
Hier ist viel Handarbeit nötig: Die Sonne hat der Ruländer-Traube mächtig zugesetzt.  © Rolf Haid/dpa

So ein Jahr ohne Wasser ist schlimm, aber nicht das Schlimmste. Gravierender ist die Situation, die nicht wenige Winzer in diesem Jahr durchleben. Inmitten des Jahres haben sie die Entscheidung getroffen, ihre Rebstöcke zu entlauben, weil der Wuchs extrem stark war. Nachdem die Reben „nackig“ waren, stagnierte das Blattwachstum wegen der Trockenheit –und die Trauben waren den gesamten Sommer der prallen Sonne bedingungslos ausgeliefert. Die Folge: Trauben mit Sonnenbrand. Dass das nicht gut ist, kann sich jeder denken. Genauso wie die Hilflosigkeit vieler Winzer – Sonnenöl ist hier leider keine Option.

Eine anfänglich verbrannte bräunliche Traubenschale kann man im Keller natürlich noch korrigieren. Aber Trauben, die immer weiter einbrennen und irgendwann richtig verschrumpelt aussehen, sind nicht mehr verwendbar. Ganz im Gegenteil. Sie müssen einzeln in mühevoller Kleinarbeit bei der Handlese herausgepickt werden. Wenn nicht, hinterlassen sie in der gesamten Charge einen dermaßen penetranten Bitterton, dass der Wein später nahezu unerträglich wird. Ein Aufwand, der schier nicht zu bezahlen ist.

Bleibt natürlich die Frage, was die Produzenten mit den Vollerntern und möglich wenig Aufwand und günstigen Preisen machen. Nun ja, da gibt es Mittelchen im Labor und Wege. Irgendwoher muss der Preis ja kommen.

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