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Die Tücken eines Windlichts

Zu zweit lässt sich vieles leichter schaffen. Das merkten Hortkinder beim Projekt zum Welt-Ergotherapietag.

© es gelten meine agb.

Von Constanze Knappe

Mit einem Draht bindet Niklas das Moos um ein leeres Marmeladenglas. Der Viertklässler hat es zuvor mit Kastanien und Eicheln dekoriert. Nach einigen Versuchen hält das Moos endlich. Mit der helfenden Hand eines anderen Kindes hätte das sicher beim ersten Mal geklappt. Aber Niklas ist sein Bastelpartner abhanden gekommen. Davon lässt sich der Junge nicht abschrecken und probiert bis alles sitzt. „Niklas hat eine kreative Ader“, lobt Birgit Wendt, die Leiterin des Kinderhauses „Kunterbunt“ in Pulsnitz.

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Für 21 Hortkinder ist am Freitag nicht einfach eine Bastelstunde angesetzt. Unter Anleitung von Ergotherapeuten des Helios Therapiezentrums am Schwedenstein in Pulsnitz fertigen sie ein Windlicht. Die leitende Ergotherapeutin der Klinik, Juliette Weber, hat die Kinder in Zweiergruppen eingeteilt. Teamwork, wie es neudeutsch heißt, ist angesagt. „Im Alltag haben viele Kinder das Gefühl, alles allein können zu müssen. Bei unserem Projekt sollen sie merken, dass dem Menschen Grenzen gesetzt sind, dass es gar nicht schlimm ist, jemanden um Hilfe zu bitten“, erklärt Juliette Weber. Absichtlich habe sie den Kindern deshalb eine schwierige Aufgabe gestellt, die von den meisten allein gar nicht zu bewältigen ist, so die 33-Jährige.

Während Niklas aus kleinen Hölzchen und einer Eichel ein Tier zusammensteckt, sind andere Kinder noch mit der Auswahl des Materials beschäftigt. Das bietet die Natur: Moos, Blätter, Tannenzweige, Eicheln, Kastanien. Auch Marcs Bastelpartner hat ihn allein sitzenlassen. Der Erstklässler, der kurz zuvor für seine Nachbarin Jasmin die Kastanien durchbohrte, hat seine auf einen grünen Draht gefädelt. Das Basteln macht ihm Spaß. Um den Draht am Glas festzubinden, braucht er aber Hilfe. Niklas springt ein. Kate sucht derweil nach einem roten Schleifenband. Für einen Farbtupfer will sie noch rote Beeren ins Moos stecken. Wem sie ihr Windlicht schenken wird, weiß die 8-Jährige noch nicht. Sie ist ein Kurkind, besucht für die Dauer des Aufenthalts in der Schwedensteinklinik das Kinderhaus „Kunterbunt“ und hat dort auch eine Freundin gefunden.

Anlass für den Projektnachmittag war der Welt-Ergotherapietag, der Ende Oktober in 69 Ländern der Erde begangen wird. Abgeleitet vom griechischen Wort Ergo für Werk, Arbeit, Handeln ist es Ziel der Ergotherapie, Patienten nach Unfall oder Krankheit wieder zu einer größtmöglichen Selbstständigkeit zu verhelfen. In Deutschland sind 35 000 Ergotherapeuten im Berufsverband organisiert. Sie arbeiten in Kliniken, Reha-Einrichtungen und freien Praxen. Bei vielfältigen Veranstaltungen um den Aktionstag herum wollen sie der Öffentlichkeit bewusstmachen, was Ergotherapie für die Gesellschaft leistet.

Juliette Weber und ihre Kollegin Tina Mager, die auch an der Gesundheitsfach-schule in Großröhrsdorf unterrichtet, entschieden sich für den Projektnachmittag im „Kunterbunt“. Unter dem diesjährigen Motto „Was der Mensch alles kann“ vermittelten sie den Kindern spielerisch, dass man viel mehr schafft, wenn man es zusammen angeht. Seit längerer Zeit besteht zwischen Pulsnitzer Kitas und der Klinik Schwedenstein eine Kooperation, in deren Rahmen Kinder von Kurpatienten betreut werden. So wie Kate aus Torgau im „Kunterbunt“. In dem Kinderhaus war Juliette Weber schon zweimal zum Töpfern. „Für die Kinder ist das eine Abwechslung, wenn jemand anderes sie beim Basteln anleitet. Die Erzieherinnen können derweil die Kinder beobachten, wie sie im Team arbeiten und einander helfen. Die Projekte fördern Feinmotorik, geistige und soziale Kompetenz der Kinder“, erklärt Birgit Wendt. Gern nehmen die Erzieherinnen dabei so manchen Tipp der Ergotherapeuten auf.

Nach anderthalb Stunden sind die meisten Kinder mit dem Windlicht fertig. Mit nach Hause nehmen sie es an dem Tag aber noch nicht, stattdessen eine von ihnen mit Naturmaterial beklebte Karte. Sie sollen ihren Eltern erst einmal erzählen, was sie an diesem Nachmittag geschafft haben.