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Die Türme des Euro

Der Neubau der Europäischen Zentralbank wächst stetig und liegt im Zeitplan. Der Platz wird aber nicht für alle reichen.

© dpa

Von Rolf Obertreis

Frankfurt/Main. Zumindest die Banken in Frankfurt haben Präsident Mario Draghi und seine Kollegen in der Europäischen Zentralbank (EZB) ab Ende nächsten Jahres fest im Blick, wenn sie nach dem Umzug aus dem Eurotower in den Neubau der EZB im Osten der Stadt gen Westen auf das Bankenzentrum blicken. Zumal sie dann im 41. Stock in gut 160 Meter Höhe in einem rund 400 Quadratmeter großen Raum zusammensitzen, um über die Geldpolitik in der Eurozone zu beraten – am ersten und dritten Donnerstag eines jeden Monats. Der runde Tisch für den künftigen Ratssaal ist schon bestellt.

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Verglast ist der Raum mittlerweile genauso wie die gesamten beiden jeweils 185 Meter hohen, leicht schief gegeneinander stehenden Hochhäuser. „Ende des Jahres sind die Türme mit ihren acht Verbindungsplattformen und zwölf Brücken, die sanierte Großmarkthalle und der Querriegel, der als Eingangsbereich die Halle mit den beiden Türmen verbindet, fertig. Dann kommen auch die Kräne weg.“ Projektleiter Thomas Rinderspacher präsentiert an diesem sonnigen Herbsttag sichtlich stolz „sein“ Bauwerk auf dem Gelände der ehemaligen Frankfurter Großmarkthalle.

Feinarbeiten im Plan

„Die Grobarbeiten sind abgeschlossen, jetzt laufen die Feinarbeiten. Es läuft alles mehr oder weniger im Plan“, sagt er, auch wenn das Atrium zwischen den beiden Türmen vor lauter Gerüsten kaum zu erkennen ist. Und im künftigen Ratssaal noch der nackte Beton dominiert und nur die Kabinen der Dolmetscher wirklich deutlich zu erkennen sind. Aber in den Etagen darunter sieht es gut ein Jahr vor dem geplanten Umzug zum Teil schon so aus, als könnten die ersten Zentralbanker morgen schon einziehen.

Jede Abteilung der EZB hat die Raumaufteilung ihrer Etage schon vor Jahren vorgegeben. Großzügige freie Flächen wechseln sich ab mit Büros für einen oder mehrere Banker, 14 Quadratmeter hat das kleinste Einzelbüro. Nicht nur die Außenwand ist voll verglast, auch die Wand zum Flur. Öffnen lassen sich die Fenster nicht; für frische Luft zieht man ein Fensterelement heraus wie einen Apothekerschrank.

Der graue Teppichboden ist verlegt, genauso die Verkabelung für Strom, Telefon und Computer, an den Decken hängen Lampen. Aber noch könnte hier niemand telefonieren, das Licht einschalten, E-Mails verschicken oder sich im Internet einen Überblick über die Lage an den Finanzmärkten verschaffen. Noch müssen Rechenzentrum und Technik installiert werden. „Anfang nächsten Jahres können wir wohl mit einem Probelauf beginnen“, schätzt Rinderspacher, der seit 15 Jahren mit dem Projekt befasst ist und jeden Winkel des Gebäudes wie seine eigene Hosentasche kennt. Ob er an diesem Tag die Fußbodenheizung in der Großmarkthalle erläutert, die mit Abwärme aus dem unter dem Dach angesiedelten Rechenzentrum gespeist wird, oder berichtet, dass künftig 14 Aufzüge die Notenbanker vom Atrium bis in die 41. Etage bringen – stets leuchten die Augen des Projektleiters. Aus ebenjenem Atrium wird EZB-Präsident Draghi den Journalisten künftig Zinsentscheidungen und die Geldpolitik seines Hauses erläutern.

Noch ein Neubau als Option

2.300 Arbeitsplätze – mit einer möglichen Erweiterung auf 2 800 – werden in den Türmen geschaffen. 1.600 sind direkt bei der EZB angestellt, dazu kommen Mitarbeiter der nationalen Notenbanken und weitere Berater. Platz für die ab Ende nächsten Jahres bei der Notenbank angesiedelten rund 1.000 Mitarbeiter der europäischen Bankenaufsicht gibt es im Neubau allerdings nicht. „Dass die EZB diese Aufgabe übernehmen würde, war bei der Planung des Neubaus nicht abzusehen“, sagt Rinderspacher. Dabei wäre durchaus noch Platz auf dem Gelände direkt am Main.

Ein weiterer Neubau wäre eine Option, sagt der Projektleiter. Aber es würde mindestens vier Jahre dauern, bis die Aufseher einziehen könnten. Rund 1,2 Milliarden Euro wird die EZB für die neue Zentrale am Ende zahlen. „An den Kosten hat sich nichts geändert“, versichert Rinderspacher und macht damit auch seinem Ärger über Berichte Luft, dass die Kosten explodiert seien. Sie seien gleichwohl um 300 Millionen höher als erwartet – „wegen allgemeiner Preissteigerungen und weil die Sanierung der 1928 erbauten Großmarkthalle aufwendiger war als erwartet“. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Vorgabe der Stadt war, die Halle weitgehend zu erhalten und Klinkerfassade samt den Fenstern im Originalzustand zu belassen.