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Die Turmfalken sind ausgeflogen

Natur. Auf dem Dom hat auch in diesem Jahrwieder ein Pärchen Falkenerfolgreich gebrütet.

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Sie umkreisen Kirchtürme und Domspitzen, sind an ihren hohen Schreien zu erkennen: die Falken. Auf fast allen Kirchen und im Meißner Dom nisten die unter Naturschutz stehenden Vögel. Jedes Jahr haben im Meißner Dom zwei Pärchen erfolgreich gebrütet. Diesmal hat Dombaumeister Günter Donath allerdings nur ein Pärchen gesehen. Derzeit sind die Vögel offenbar ausgeflogen. „Ich denke, dass sie auch in diesem Jahr gebrütet haben. Als wir die Wetterfahne auf die Kapelle gesetzt haben, waren die Vögel jedenfalls noch da“, sagt der Dombaumeister.

Falke stirbt in Frankreich

„Die Brut ist abgeschlossen, die Jungvögel fliegen jetzt aus“, sagt der Naturschützer und Hobby-Ornithologe Bernd Hartung. Normalerweise seien Falken Standvögel, das heißt, die älteren Tiere bleiben auch im Winter hier. Die jüngeren hingegen fliegen aus und suchen sich ein eigenes Revier. „Wir beringen einige Tiere. Deshalb wissen wir, dass ein Falke vom Meißner Dom bis nach Frankreich geflogen ist“, sagt Hartung. Der Vogel wurde dort abgeschossen.

Turmfalken sind zwar „Städter“, jagen aber auf dem Land. Mäuse – vor allem Feldmäuse – sind ihre Lieblingsbeute, und die gibt es zwischen den Häusern eher selten. Viele Turmfalken sind deshalb Pendler: Sie „wohnen“ in der Stadt und „arbeiten“ auf dem freien Feld.

Manche in Städten brütende Falken sparen sich den weiten Weg und gehen auf Vogeljagd, eigentlich eine Spezialität des etwa gleich großen Sperbers. Die kleinen Falken sind also sehr anpassungsfähig. Wenn das Angebot an Nistplätzen stimmt, fehlen die kleinen Greifvögel mit ihren schmalen, spitzen Schwingen und dem langen Schwanz in keiner Stadt.

Normalerweise bringen Falken fünf Junge zur Welt, sechs bis sieben sind eher die Ausnahme. „Gut die Hälfte der Brut stirbt allerdings meist im ersten Jahr“, so der Ornithologe. Die anderen können zwölf bis 16 Jahre alt werden. Auch auf der Meißner Frauenkirche brüten regelmäßig Falken. Dass sie wohl gelitten sind, hat auch einen ganz praktischen Grund. Die Falken jagen Tauben, welche bekanntlich eine Plage in der Stadt darstellen. Vor allem der aggressive Kot der Tauben, der die Bauwerke angreift.

Sie bauen kein eigenes Nest

Aufgrund der modernen, geradlinigen Bauten in den Städten mit ihren glatten Fassaden fehlen den Vögeln allerdings Nistmöglichkeiten. Diese finden sie in alten Kirchtürmen. Diese und andere herausragende Gebäude sind ihm am liebsten, aber notfalls brütet der Turmfalke sogar im Blumenkasten der Etagenwohnung – gelegentlich auch in einem alten Krähennest auf einem hohen Baum. Ein eigenes Nest baut er nämlich nicht. (SZ/jm)