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„Die Überlebenschancen sind heute viel höher“

Fachärztin Anke Freidt behandelt in Bautzener Praxis viele Krebspatienten. Bei der Therapie gibt es große Fortschritte.

© Uwe Soeder

Frau Freidt, 2 000 Männer und Frauen erkranken im Kreis Bautzen jährlich neu an Krebs. Es heißt aber, mit der Krankheit könne man heute leben?

Das stimmt. Wenn Patienten alle Therapie-Möglichkeiten ausschöpfen, die es heute gibt, können sie sich über viele Jahre eine gute Lebensqualität erhalten. Sicher müssen sie auch Einschränkungen in Kauf nehmen und sind nicht mehr so leistungsfähig, aber ihre Überlebenschancen sind viel höher als noch vor zehn oder 20 Jahren.

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Gibt es heute bessere Therapien?

Ja, natürlich. Die Therapien sind heute viel zielgerichteter und besser abgestimmt. Durch neue Begleitmedikation haben sich die Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, deutlich verringert. Und es gibt heute vielfältigere Behandlungsmöglichkeiten. Neben Bestrahlung und Chemotherapie arbeiten wir auch mit Hormonen und Antikörper-Therapien, die uns heute für viele Tumorerkrankungen zur Verfügung stehen. 85 Prozent der Therapien können heute ambulant erfolgen.

Wer entscheidet, was das Richtige ist?

Es sind grundsätzlich Einzelfallentscheidungen. Die trifft nicht mehr nur ein Arzt, sondern die Tumorkonferenz, in der alle Ärzte zusammenarbeiten, die an der Behandlung des Patienten beteiligt sind, Chirurgen, Internisten, Strahlentherapeuten, Onkologen – je nachdem – beraten die verschiedenen Therapiemöglichkeiten gemeinsam und schlagen den Patienten Wege vor, für die sie sich dann entscheiden.

Um wie viel höher sind denn damit heute die Überlebenschancen?

Das kommt im Einzelfall natürlich auf die Krebsart an und darauf, in welchem Stadium der Tumor erkannt wird. Je früher, desto besser. Deswegen sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig. Vor allem bei Darm- und Prostatakrebs sehe ich da noch viel Nachholebedarf. Statistisch gesehen hat sich die Überlebensrate in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. Wir können auch sagen, dass sich die Wirksamkeit der Therapien stark verbessert hat. Vor 20 Jahren bildeten sich zum Beispiel noch bei fast jeder dritten Brustkrebs-Patientin neue Metastasen, heute ist das nur noch bei zehn bis zwölf Prozent der Fall.Gespräch: Jana Ulbrich