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Die Uhr für Hertie ist in Görlitz abgelaufen

Nach einem Schlussverkauf schließt das Hertie-Kaufhaus in Görlitz voraussichtlich Ende Juli. Das geht aus Informationen des Hertie-Insolvenzverwalters Biner Bähr hervor, nachdem die Gläubiger der Warenhauskette am Mittwochnachmittag die Schließung aller 54 Filialen von Hertie beschlossen hatten.

Von Sebastian Beutler

Nach einem Schlussverkauf schließt das Hertie-Kaufhaus in Görlitz voraussichtlich Ende Juli. Das geht aus Informationen des Hertie-Insolvenzverwalters Biner Bähr hervor, nachdem die Gläubiger der Warenhauskette am Mittwochnachmittag die Schließung aller 54 Filialen von Hertie beschlossen hatten.

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In Görlitz verlieren über 50 Mitarbeiter ihre Arbeit. Betriebsratsvorsitzender Armin Schneider äußerte noch am Mittwoch seine „Wut“ darüber, dass die Existenz des Kaufhauses an den überhöhten Mieten der britischen Eigentümer Dawnay Day gescheitert ist. „Noch bis Dienstag hatten wir Hoffnung“, sagt Schneider. Dann kam die Nachricht, dass eine Investorengruppe doch nicht zum Zuge kommt. Das war praktisch das Aus für Hertie. „Unsere Kollegen können das nicht verstehen“. Die Görlitzer Kaufhausleiterin Ilona Markert wollte sich nicht äußern.

Einzelhandel fürchtet Folgen

Auch bei den Görlitzer Einzelhändlern ist die Nachricht wie eine Bombe eingeschlagen. „Das ist für Hertie, die Mitarbeiter und für Görlitz furchtbar“, erklärt Barbara Frühauf, die die City-Fleischerei am Demianiplatz unweit von Hertie betreibt und zweite Vorsitzende des Aktionsrings Handel in der Görlitzer Innenstadt ist. Im Verein hat sich Hertie stark engagiert. Seine Gründung geht auf den früheren Karstadt-Chef in Görlitz, Udo Timmers, zurück. Der 70-Jährige bedauert die Schließung gegenüber der SZ sehr. „Das Kaufhaus ist ein Stück Geschichte der Stadt und viel mehr als nur ein Kaufhaus für Görlitz“, sagt Timmers, der das Haus acht Jahre führte. „Aber das interessiert die Engländer natürlich nicht.“ Für den Handelsexperten gibt es eine Summe von Gründen, die jetzt zur Schließung geführt haben. So habe Hertie sehr spät das Sortiment richtig ausgerichtet. „Aber Hauptgrund ist sicher, dass die Mietkosten zu hoch lagen“, sagt Timmers.

Mit Hertie bricht ein Magnet für den Einzelhandel in Görlitz weg. „Hertie hatte sicher Schwierigkeiten“, sagt Frau Frühauf, „aber Hertie war ein starker Partner für uns.“ Sie fürchtet, dass nun der Einzelhandelsstandort Görlitz gefährdet ist. Ihre Hoffnung: Neue Betreiber für ein Shop-in-Shop-Haus. Tatsächlich sucht Dawnay Day nach Käufern für das Gebäude. Udo Timmers ist aber nicht allzu optimistisch. „Ich fürchte, dass es jahrelang zumindest nicht als Warenhaus genutzt wird“, sagt er. Denn das Haus entspricht nicht den heutigen Anforderungen an ein Warenhaus: Die Etagen seien zu klein, die Logistik schwierig, die Aufzüge alt, Rolltreppen lässt der Denkmalschutz nicht zu, eine Klimaanlage ist ebenso kaum einzubauen. Hinzu kommen die erhöhten Anforderungen an den Brandschutz. „Das wird ganz schwierig.“

Mitarbeiter werden arbeitslos

Vorerst ist wohl nichts daran zu ändern, dass ein in Deutschland einmaliges Kaufhaus mit dem historischen und sehenswerten Lichthof schließen wird. Armin Schneider wird wie seine Kollegen demnächst zur Arbeitsagentur gehen. „Noch kann man sich das gar nicht vorstellen“, sagt er.