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Die Unschuldsmiene der Islamisten

Die radikal-islamische Hamas hat eine neue Stimme: Zum ersten Mal gehört sie einer Frau.

© AFP

Von Gil Yaron, Jerusalem

Für eine islamische Organisation mutet die Entscheidung, Israa al Mudallal zur offiziellen Sprecherin der Hamas-Regierung in Gaza zu ernennen, fast revolutionär an: Sie ist mit 23 Jahren blutjung, war nie Mitglied der radikal-islamischen Bewegung und ist noch dazu eine geschiedene, alleinerziehende Mutter einer Tochter. Alles andere als die stereotype Rolle, die Frauen von Islamisten bislang zugeteilt wurde.

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Modernisieren sich die Islamisten, werden sie pragmatischer? Oder setzen sie nur eine Maske auf, um gegen ihre zunehmende Isolation anzugehen? Denn die Lage in Gaza wird immer brenzliger. Seitdem Ägyptens Armee die Muslimbrüder in Kairo stürzte, ist der Landstrich völlig isoliert.

So könnte die Ernennung Al Mudallals ein Versuch sein, neue Sympathien im Westen zu wecken, wo die Hamas als Terrororganisation betrachtet wird. Sie entspricht so gar nicht dem Bild der braven Muslima, das die Hamas bisher hochhielt.

Die Charta der Bewegung verweist Frauen in Kinderstuben und Kochnischen. Zwar gibt Artikel 12 ihr das Recht, „den Feind zu bekämpfen, ohne zuvor Erlaubnis von ihrem Gatten einzuholen“, relativiert dieses Privileg jedoch sofort: „Genau wie ein Sklave“, heißt es im Satz danach. Artikel 17 erklärt: „Die Aufgabe der Muslima ist nicht weniger wichtig als die des Mannes: Sie gebärt Männer.“ Klar, dass man bislang vergeblich nach Frauen in der Führungsriege der Hamas suchte. Nur eine Ministerin diente im Hamas-Kabinett.

Al Mudallal soll die Hamas vor Medien weltweit repräsentieren. Die Journalistin studierte mehrere Jahre in Großbritannien, spricht fließend Englisch und behauptet von sich, „den Westen sehr gut zu verstehen“. Sie meint, „die israelischen Medien lügen alle“, und wolle daher das wahre Bild der palästinensischen Sache zeigen. Im ersten Interview mit einer arabischen Zeitung zeigte sie sich noch pragmatisch: Sie wolle auch mit israelischen Journalisten sprechen, so Mudallal. Das aber hat die Hamas den Bewohnern Gazas vor einem Jahr verboten. Doch al Mudallal wurde schon bald zurückgepfiffen: „Nein, ich darf keinen Kontakt mit Israelis haben“, sagt sie gegenüber der SZ. „Viele Reporter haben mich angerufen. Aber ich habe ihnen respektvoll erklärt, dass ich nicht mit ihnen sprechen darf, und den Hörer aufgelegt.“