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Die Unsichtbare

Schon fast zwei Wochen probt Helene Fischer täglich in Riesa. Doch kaum jemandem fällt das auf.

© Alexander Schröter

Von Stefan Lehmann und Kathrin Schade

Alle Türen zur Sachsen-Arena sind fest verschlossen. Nur durch die Wände eines Seiteneinganges dringen leise Bässe im Vier-Viertel-Takt. Das ist auch schon alles. Helene Fischer macht sich rar in Riesa; böse Zungen könnten behaupten, sie sei gar nicht da, so unauffällig muss sich Deutschlands bekannteste Schlagersängerin durch die Stadt bewegen.

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Seit beinahe zwei Wochen laufen die Proben für Fischers neue Tour „Farbenspiel“. Die Karten für das Auftaktkonzert morgen Abend waren auf Anhieb ausverkauft. Dass die 30-Jährige ausgerechnet in Riesa derart viel Zeit verbringt, begründet Veranstalter Dieter Semmelmann mit den guten Erfahrungen, die seine Konzertagentur mit den Verantwortlichen der Arena vor zwei Jahren gemacht habe. Schon damals probten Fischer und ihre Entourage in der Sachsen-Arena.

Die Schlagersängerin wird praktisch permanent von ihrem Management abgeschirmt. Auch der Bademeister im Schwimmbad gleich neben der Arena schüttelt bei der Frage nach Fischer nur den Kopf. Keine auffällige Limousine, die den Schlagerstar morgens zur Halle gebracht hat, keine Augenzeugenberichte von Badegästen. Er winkt noch seinen Kollegen heran – aber auch dort: nichts als Schulterzucken. Danach wenden sich die beiden Herren wieder dem Geschehen im Wasser zu.

Es ist, als sei sie unsichtbar, die Frau, die in Deutschland mehr als sechs Millionen Tonträger verkauft hat und 2014 auf Stadientour gehen wird – weil sich die Fans um Karten reißen. Dass niemand sie zu Gesicht bekommt, erklärt Norbert Gebauer mit ihrem gewaltigen Arbeitspensum. Er wirkt als Projektkoordinator an den Vorbereitungen für das Konzert mit. „Frühmorgens geht‘s in die Halle, danach heißt es Proben, Proben, Proben. Das ist relativ eintönig“, sagt Gebauer und lacht.

Selbst für einen mittäglichen Besuch in der Riesaer Gastronomie reicht die Zeit nicht. „Wir reden hier ja von einer Crew, die aus mehr als 100 Leuten besteht“, erklärt Gebauer. Um das Catering kümmerten sich Köche vor Ort. Und weil die Proben meist bis nach Mitternacht andauern, geht es für Helene Fischer nach dem Arbeitstag auf direktem Weg zurück ins Mercure-Hotel. Dort bewohnt die Musikerin nach SZ-Informationen die Riesen-Suite mit einem 6,55 Meter langen Schrank in Form des Riesaer Rathauses, in dem Zimmer-Bar, Kleiderschrank, Safe und Faxgerät eingebaut sind. Wahrscheinlich geht es nach dem anstrengenden Tag aber einfach nur in das zweimal zwei Meter große Wasserbett der Suite. Nächtliche Streifzüge durch die Innenstadt jedenfalls wird das Schlagersternchen wohl nicht wagen. „Schließlich kann man um diese Uhrzeit auch nicht mehr viel unternehmen, in einer Stadt wie Riesa“, glaubt Norbert Gebauer.

Nein, um einen Blick auf den Schlagerstar zu erhaschen, bedarf es wohl härterer Bandagen. Vielleicht einer Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Sachsen-Arena? Eine Idee, auf die offenbar noch niemand in Riesa gekommen ist. „Groupies sind uns bisher keine aufgefallen“, sagt Tobias Czäczine, Marketing-Chef der Sachsen-Arena. Ihm seien auch keine Fälle aus der Vergangenheit bekannt, in denen Fans vor dem Gebäude kampiert hätten, nur um einen Blick oder gar ein Autogramm ihres Idols zu erhaschen.

Stattdessen fiebern Tausende Fischer-Fans bisher zu Hause dem Wiedersehen mit ihrem Idol auf der Konzertbühne entgegen. So wie beispielsweise Elena Gogolina aus Gröditz. Seit knapp einem Jahr liegen die Konzertkarten gut verwahrt bei ihr zu Hause im Schrank. „Als ich genau vor einem Jahr davon hörte, dass Helene Fischer 2014 eine große Arena-Tournee startet und sogar in Riesa gastiert, da stand für mich fest: sofort Karten ordern“, erzählt sie. Die 35-jährige Unternehmerin wird morgen sogar ihre kleine Beauty Oase bereits 16.30 Uhr schließen, um pünktlich in Riesa sein zu können. Keine einzige Minute will sie von dem Konzert verpassen. „Und schick machen muss ich mich schließlich auch noch für meine Helene“, sagt sie lachend. Extra neue Klamotten habe sie sich für diesen Abend zugelegt.

Voller Stolz spricht Elena über Fischer, sieht die im sibirischen Krasnojarsk geborene Blondine als Landsmännin, denn auch Elena ist gebürtige Russin: „Es ist einfach klasse, was das Mädel geschafft hat und dass sie trotz ihres großen Erfolges so natürlich und bodenständig bleibt. Sie hat das russische Temperament und die russische Wärme. “ Keine Frage – auch textsicher ist die Gröditzerin. Denn sie liebt Helenes Lieder, spiegeln sie doch das meist wider, was auch sie fühlt. „Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf ihre neue Show“, sagt Elena Gogolina.

Der Weg in den Backstage-Bereich wird wohl auch den engagiertesten Fans verwehrt bleiben. So kurz vor dem ersten Auftritt der Tour sind die Sicherheitsmaßnahmen an der Sachsen-Arena enorm. Zu groß ist die Angst, dass jemand vorab Handy-Videos der Show drehen und ins Internet stellen könnte. Bleibt den Fans also nur eines: auf den morgigen Abend warten. Und zu hoffen, dass Helene Fischer dann für ein paar Stunden nicht mehr unsichtbar sein wird.