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Die Unvergleichbaren

Erst seit kurzer Zeit beschäftigen sich Ulrike Metšk und Andreas Hennig mit bildender Kunst. Nun sind ihre Arbeiten in der Galerie Budissin in Bautzen zu sehen.

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© Robert Michalk

Von Miriam Schönbach

Bautzen. Auf den ersten Blick scheinen sie unvergleichbar. Die zarte, kleine Ulrike Metšk mit Neigung zu leisen Tönen arbeitet an ihren Zeichnungen gern in den Morgenstunden, wenn der Sonnenaufgang Kraft gibt. Andreas Hennig, groß, mit dunkler Stimme, beugt sich am liebsten in der Nacht über seine Collagen. Die Ausstellung „Transit Transform“ in der Galerie Budissin vereint nun die Arbeiten der beiden Künstler. „Wie im richtigen Leben haben wir auch für diese Schau einen Draht zueinander gefunden“, sind sich die Bautzener einig. Zu sehen sind ihre Werke ab 3. März in der Bautzener Schloßstraße.

Ulrike Metšk und Andreas Hennig bekommen mit dieser Ausstellung zum ersten Mal die Gelegenheit, in ihrer Heimat ihre Arbeiten zu zeigen. Die gelernte Puppenspielerin hat erst vor sechs Jahren mit dem Malen begonnen. „Eigentlich habe ich immer gern geschrieben, aber auf einmal verspürte ich den Drang, mich anders künstlerisch auszudrücken“, sagt die 69-Jährige. Die gebürtige Potsdamerin kommt vor knapp 40 Jahren nach Bautzen. Irgendwie hatte sie sich in die marode, schöne Stadt verliebt. – Als Tochter aus einem protestantischen Pfarrhaus beginnt sie zuerst ein Studium der Theologie in Berlin und Greifwald. Schnell merkt sie, dass sie aber nach etwas Anderem sucht. Das Drängen nach ihrem eigenen Weg überbrückt sie mit Aushilfsjobs auf dem Friedhof, bei der Post oder im Krankenhaus, bis sie sich für ein Studium an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin entscheidet. Die Ausbildung als Puppenspielerin führt sie 1979 letztlich vom großen B an der Spree ins kleine B an der Spree. Andreas Hennig ist zu diesem Zeitpunkt noch ein Suchender. Nach dem Abitur in Grimma hat er sich gerade für ein Bauwesen-Studium in Leipzig entschieden. „Ich musste das machen, um zu begreifen, dass es nicht mein Ding ist“, sagt der Mitarbeiter der Bautzener Stadtverwaltung. Denn schon in der Schulzeit macht es dem Oberschüler Spaß, sich mit Worten auseinanderzusetzen. Sein erstes Gedicht entsteht Anfang der 1970er-Jahre. „Wegen der Ungerechtigkeit eines Mathelehrers brachte ich die ersten revolutionären Zeilen über die Jugend aufs Papier“, sagt Andreas Hennig.

Viele Begegnungen miteinander

Statt Verse baut er nach dem Studium zuerst Häuser. Nach fünf Jahren in einem Baubetrieb in Leipzig bekommt er 1986 die Aufgabe als Baubeauftragter der Inneren Mission, ein Haus in der Seminarstraße in Bautzen in ein Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung umzubauen. Noch in seiner Leipziger Zeit studiert er am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“. Kurz vor der Wende ist die Baustelle in der Seminarstraße Geschichte – und auch den Bauberuf will Andreas Hennig endlich ad acta legen. Er putzt Klinken in sämtlichen Bautzener Kultureinrichtungen. Schließlich landet er im Mai 1989 im Rathaus als Kulturarbeiter. Er soll ein Konzept für die Ortenburg als Kulturzentrum erarbeiten und gleichzeitig die Sanierung des baufälligen Schlosses betreuen. Doch diese Aufgabe rückt im November 1989 in den Hintergrund. „Nun hieß es, Jugendclubs zu übernehmen und aufzulösen, das Steinhaus in seine heutige Form zu bringen und die Stadtfeste zu organisieren“, sagt der 61-Jährige. In diesen Zeiten laufen sich Ulrike Metšk und Andreas Hennig immer wieder über den Weg. Die Puppenspielerin verlässt 2002 das Bautzener Theater. Zwei Jahre später gründet sie mit „Kontakt“ eine freie Theatergruppe mit Russlanddeutschen und Arbeitslosen. Inzwischen darf sie den Ruhestand genießen und sich ihrer neuen Leidenschaft, dem Malen hingeben.

Lesung zur Midissage

In der Bautzener Ausstellung zeigt sie unter anderem Bilder zu Franz Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise“. Andreas Hennig stellt Collagen aus. Mit der Technik aus Zeitungsausschnitten, Bändern, farbigen Papierstücken und Fotografien beschäftigt er sich seit gut sechs Jahren. „Die Befriedigung beim Betrachten dieser Arbeiten ist für mich im Moment größer als beim Lesen eines Gedichts“, sagt er. Prosa und Lyrik hält er trotzdem die Treue. So wird zum Midissage am 17. März der Literaturclub der Stadtbibliothek Bautzen eigene und fremde Texte lesen. Die Finissage am 1. April wiederum gestaltet Ulrike Metšk.

Ausstellungseröffnung am 3. März um 19 Uhr in der Galerie Budissin, Schloßstraße 19