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Die vergessene Sportlegende aus Lotzdorf feiert heute Jubiläum

Um ein Haar wären Lotzdorfer sogar mal zu Olympia gefahren. Der 7. Juni 1899 war dabei ein ganz wichtiges Datum.

Von Jens Fritzsche

Die Erinnerung verblasst immer mehr. Dabei gehörte der heutige Radeberger Ortsteil Lotzdorf in Sachen Hallenradsport zum Besten, was Sachsen und was später auch die DDR zu bieten hatten. Im Saal der seit Jahren geschlossenen und vor sich hin rottenden Gaststätte „Neues Leben“ waren Welt- und Europameister zu Gast. Und 1914 wären mit Max Scholtke und Max Steglich zwei Lotzdorfer sogar für die Olympischen Spiele in Stockholm nominiert. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vereitelt die Spiele.

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Heute vor genau 115 Jahren war der Verein in Lotzdorf gegründet worden. Am 7. Juni 1899 nämlich. Exakt 19 Lotzdorfer trafen sich in der Gaststätte, um einen Radfahrverein zu gründen. Ende des 19. Jahrhunderts hatten bereits im nahen Radeberg etliche solcher Vereine bestanden –  wie der „Radfahrer-Club 1890 Radeberg“ zum Beispiel oder der Verein „Wanderlust“. Nun wollten auch die Lotzdorfer den damals sehr populären Radsport in ihren Ort holen. Am Ende jener ersten Sitzung im Juni vor 115 Jahren unterschrieben dann alle 19 Gründungsmitglieder die erste aktenkundige Niederschrift. Der Verein war damit faktisch gegründet. Und schon acht Tage später traf man sich erneut und wählte einen Vereinsvorstand; Vorsitzender wurde Richard Kaiser, sein Stellvertreter Max Hennig.

Allerdings war der Verein noch namenlos. Erst am 21. Juni 1899, also mehr als zwei Wochen später, lagen dem Vorstand dann drei Vorschläge für einen Namen vor: Adler, Frischauf und Radfahr-Club 1899 Lotzdorf. Der Vorstand entschied sich letzlich trotz einiger Gegenstimmen für letzteren Vorschlag: Damit war der R.F.C. 1899 Lotzdorf nun endgültig geboren. Der Verein widmete sich dem Reigen- und Kunstradfahren sowie dem Zweier-Radball. Und erarbeitete sich schnell – und dauerhaft – einen guten Ruf. Zum 80. Jubiläum im November 1979 kam beispielsweise der Ex-Weltmeister im Einer-Kunstradfahren Gerhard Blotny nach Lotzdorf.

Mit der politischen Wende in der DDR, im Herbst 1989, kam dann das Aus für den Verein. Die Trainingsstätte gab es nicht mehr, der Nachwuchs blieb aus. Einige Sportler hatten sich anschließend noch anderen Vereinen der Umgebung angeschlossen, aber am 1.Januar 1998 trat dann die Lotzdorfer Sektion endgültig und offiziell aus dem Sächsischen Radfahrerbund aus. Das Ende einer der erfolgreichsten Hallenradsportsektionen in Sachsen.