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Die Vergewaltigung nur vorgetäuscht?

Wegen falscher Verdächtigung steht eine Meißnerin vor Gericht. Der Fall ist mysteriös.

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Von Jürgen Müller

So richtig klar ist bei diesem Fall, der gestern am Meißner Amtsgericht verhandelt wurde, wohl nur eines: Es ist viel Alkohol geflossen am Himmelfahrtstag des Jahres 2005. Was danach und wie geschah, blieb nach den Zeugenaussagen, die sich teils widersprechen, auch am zweiten Verhandlungstag offen. Halten wir uns zunächst an die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft: Die legt der 55-jährigen Meißnerin W. zur Last, eine Vergewaltigung vorgetäuscht und damit einen anderen einer Straftat verdächtigt zu haben. Passiert sein soll die Vergewaltigung am 5. Mai 2005 an der Esso-Tankstelle in Meißen.

Die herbeigerufene Kriminalpolizei geht die Ermittlungen von vornherein skeptisch an, wie der als Zeuge geladene Kriminaloberkommissar M. vor Gericht aussagt. Denn die Angeklagte gab im Jahr 2001 schon einmal vor, vergewaltigt worden zu sein. Dies erwies sich damals als unwahr. Zudem war die Angeklagte zum Zeitpunkt der vorgeblichen Tat stark alkoholisiert. Tests ergaben, dass die Frau 2,02 Promille Alkohol im Blut hatte. „Andere können bei einem solchen Alkoholisierungsgrad schon nicht mehr stehen. Deshalb werden Zeugen in diesem Zustand normalerweise gar nicht vernommen“, so der Kriminalist. Am angeblichen Tatort finden er und sein Kollege keinerlei Hinweise, dass dort jemand gelegen haben soll. Als sich Richter, Anwältin, Staatsanwalt und Zeuge Tatortfotos ansehen, interessiert das die Angeklagte nicht. Nervös trommelt sie mit den Fingern auf die Tischplatte, tippt sich auch an die Stirn, als der Kriminalist aussagt. Die Sachen, die W. bei der angeblichen Vergewaltigung getragen haben soll, nahm die Kripo mit. Auch hier machte die Angeklagte andere Angaben. Sie sagte aus, die Sachen habe sie weggeworfen.

Keine Zeichen von Gewalt

Gehört wird auch die Frauenärztin, die die Angeklagte nach der vermeintlichen Tat untersuchte. Sie stellte keinerlei Anzeichen von Gewalteinwirkung, keine äußeren Merkmale, fest. Völlig ausschließen könne sie anhand dieser fehlenden Anzeichen eine Vergewaltigung allerdings auch nicht.

Die Verhandlung wird im Dezember fortgesetzt. Dann ist auch der Zeuge R. geladen, der die Vergewaltigung begangen haben soll. Zum gestrigen Termin hatte er sich entschuldigt, weil er auf Montage sei. Das Gericht ließ das nicht gelten und erließ ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro, ersatzweise drohen drei Tage Ordnungshaft. Zum nächsten Termin wird er von der Polizei vorgeführt.