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Die Verlierer der Volkszählung

Von Gröditz über Strehla bis nach Hirschstein – die Einwohnerzahlen sind durch die Zählung gesunken. Akuten Handlungsbedarf sehen dennoch die Wenigsten.

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Von Eric Weser

Ausnahmen bestätigen die Regel. In diesem Fall heißt die Ausnahme Gemeinde Glaubitz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kommunen im Umland hat Glaubitz laut Zensus mehr Einwohner als vorher. Die Volkszählung von 2011 hat die Einwohnerzahl um 50 nach oben korrigiert – knapp 2 100 Menschen leben laut der aktualisierten Statistik in Glaubitz. Auch wenn er sich über dieses Ergebnis freue – sonderlich überrascht hat es Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos) dann doch nicht. Schließlich sei die Kommune attraktiv: Arbeitsmöglichkeiten in der Nähe, schöne Wohngebiete, gute Verkehrsanbindung.

Mit den guten Nachrichten bei den Einwohnerzahlen steht Glaubitz ziemlich alleine da. Und statt eines Lächelns im Gesicht haben einige Gemeindechefs beim Blick auf die Zensus-Zahlen eher Sorgenfalten auf der Stirn. Zum Beispiel Christine Gallschütz (CDU) in Hirschstein. Die Kommune hat derzeit 2 180 Einwohner. 80 weniger, als die Statistik bisher auswies.

Weniger Köpfe, weniger Zuschüsse

Weniger Einwohner bedeuten auch immer weniger Geld im Säckel der Kommune. Die sogenannten Schlüsselzuweisungen vom Freistaat an die Städte und Gemeinden sind gewissermaßen eine Pro-Kopf-Prämie: Wer mehr Einwohner hat, bekommt mehr Geld. Lediglich für die von Nünchritz aus verwalteten Gemeinden Nünchritz und Glaubitz trifft das nicht auf. Sie müssen eine „Reichensteuer“ abführen, so Bürgermeister Gerd Barthold (CDU). In Strehla zum Beispiel bedeutet die um 78 Personen berichtigte Einwohnerzahl 14 600 Euro weniger auf dem Stadtkonto. Weil infolge der sinkenden Schlüsselzuweisungen aber auch weniger Kreisumlage gezahlt werden muss, beläuft sich der finanzielle Verlust infolge des Zensus’ auf rund 10 000 Euro.

In Hirschstein indes sorgen die Zensus-Ergebnisse für weitaus größeren Verdruss: „Wir können immer weniger freiwillige Aufgaben übernehmen“, klagt Gemeindechefin Christine Gallschütz. Und neben den sinkenden Einnahmen es gibt noch ein Problem: Wenn die Einwohnerzahl unter die 2 000er-Grenze sinkt, dann fällt der Posten des hauptamtlichen Bürgermeisters weg. Zwar nicht sofort, wenn die Einwohnerzahl unter die Marke von 2 000 Personen sinkt, doch spätestens zum Ende der Amtsperiode. „Hat die Gemeinde weniger als 2000 Einwohner, muss vor der Bürgermeisterwahl die Satzung dahingehend geändert werden, dass eben kein hauptamtlicher Bürgermeister vorgesehen ist“, so der Leiter des Kommunalamtes beim Landkreis Meißen, Manfred Engelhard.

In Hirschstein will man nun in Widerspruch gegen den Zensus gehen. Damit sticht die Kommune am Rande der Lommatzscher Pflege als Einzelfall unter den befragten Gemeinden im Altkreis Riesa heraus. Zwar haben neben den Städten Riesa, Gröditz und Strehla auch die Gemeinden Wülknitz und Nünchritz weniger Einwohner, als noch vor dem Zensus angenommen. Doch gegen die Ergebnisse der Zählung Einspruch erheben, das wolle man nicht, heißt es auf Anfrage der Sächsischen Zeitung aus den Rathäusern.

Die Einbußen seien zudem nicht so drastisch, dass kommunale Projekte geakut fährdet seien, wie die Verwaltungen weiter mitteilen.

Wie in Gröditz werden sich die Folgen des Zensus‘ wahrscheinlich erst so richtig ab dem Haushaltsjahr 2014 bemerkbar machen. Doch Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) schaut noch weiter in die Zukunft und diese Ausblicke bereiten ihm weitaus größere Sorgen als die Verluste, die durch den Zensus aufgetreten seien. „Wir werden bis 2020 noch viel mehr, nämlich rund 1 000 Einwohner wegen der Altersstruktur einbüßen“, sagt Reinicke. Ein Trend, der Reineckes Meinung nach schlichtweg nicht zu stoppen sei.

Im gesamten Landkreis sind die Einwohnerzahlen rückläufig. So zählte der Kreis im Mai 2011247 054 Einwohner. Im Jahr 1990 waren es noch 289 927 – ein Minus von 14,8 Prozent.