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Die verschwundenen Dörfer

Die Geschichte der verschwundenen Dörfer in der Region von Teplice (Teplitz), geheimnisvolle Orte im Isergebirge, Aussichtstürme, dietraditionelle Schmuckherstellung oder auch Gespenster aus der Umgebung von Rokytnice nad Jizerou. Damit befassten sich tschechische Studenten in einem Wettbewerb.

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Von Martina Schneibergovaund Gabriele Schrul

Es handelte sich um eine Art „Ferienstipendien“ für junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren, die das Leben im tschechisch-deutschen Grenzgebiet kennenlernen wollten. Von den vorgelegten Projekten wurden die besten zwölf von der Tschechisch-Deutschen Gesellschaft ausgewählt und prämiert.

Am Wettbewerb nahmen Studenten verschiedener Hochschulen und Studieneinrichtungen teil. Neben historischen Studien und Arbeiten wurden Gemälde, Fotos und Kunstgegenstände vorgestellt.

Den ersten Preis gewann Marketa Kvasnova für ihren Bericht „Das Leben und der Tod der Grenzregion um Teplice (Teplitz)“. „Ich bin in dieser Grenzregion aufgewachsen. Ich erinnere mich an Dörfer, die es längst nicht mehr gibt, verlassen sind. Ich hatte da immer ein schlechtes Gefühl“, sagt sie zu den Gründen, weshalb sie daran gearbeitet hat. Als sie dann begann, Geschichte zu studieren, entschied sie sich, die Historie der einzelnen Dörfer zusammenzustellen und die Orte zu fotografieren.

Doch interessieren sich die Bewohner der Region überhaupt dafür? „Einige schon, andere weniger. Die Menschen lesen jedoch gern davon. Ich schreibe Artikel darüber für die lokale Zeitung und sammle auch Sagen aus dieser Region“, sagt die junge Studentin. Sie nahm Kontakt zu den Bewohnern der verschwundenen Dörfer auf, hörte ihre Schilderungen. Von ihnen bekam sie auch Bilder und Dokumente.

Auch in den Stadtarchiven und Museen, egal ob in Decin (Tetschen-Bodenbach), Usti nad Labem (Aussig) oder Teplice gibt es viel Material zu diesem Thema. „Ich habe vor, eine Broschüre darüber herauszugeben und eine ständige Ausstellung über tschechisch-sächsische Begegnungen in der Region um Teplice zu eröffnen“, teilt Marketa Krasnova mit.

Jana Paichlova, die Kunsterziehung an der pädagogischen Fakultät Teplice studiert, gewann den zweiten Preis für ihre Arbeit über Gespenstergeschichten in der Umgebung von Rokytnice nad Jizerou. „Für die Gegend entschied ich mich, weil ich die Gegend sehr mag.“ Und warum gerade Gespenster? „Ich mag Kinder. Und das ist genau das richtige Thema für sie.“ Sie horchte sich unter Bewohnern nach Gespenster-Geschichten um. Informationen sammelte sie auch aus Büchern. Danach hat sie Bilder noch zu ihren Texten gezeichnet.

Jana Paichlova wäre froh, wenn ihre Bilder und Texte in Form eines Buches veröffentlicht werden. Sie hofft, dass sie dabei von den Bürgermeistern der einzelnen Gemeinden um Rokytnice unterstützt wird. „Denn es wäre doch schade, wenn die Projekte irgendwo in der Schublade verschwinden.“

Und genau deshalb suchen die Initiatoren dieses Wettbewerbes jetzt nach Möglichkeiten, die Studentenarbeiten in der Öffentlichkeit zu präsentieren.