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Die Vision vom Alterssitz

Derzeit ist das frühere Hotel Bastei eher ein Problemkind für Eigentümer Sven Weißflog. Doch das Haus hat etwas, was er liebt – und andere vielleicht auch.

Der Döbelner Sven Weißflog ist vieles, seit 2015 auch Hotelbesitzer in Leisnig. Er weiß, dass er dort ein Riesenprojekt vor sich hat. Sofort angehen wird er es aber nicht.
Der Döbelner Sven Weißflog ist vieles, seit 2015 auch Hotelbesitzer in Leisnig. Er weiß, dass er dort ein Riesenprojekt vor sich hat. Sofort angehen wird er es aber nicht. © Dietmar Thomas

Leisnig. Der Döbelner Bauunternehmer Sven Weißflog ist ein „Hans Dampf in allen Gassen.“ Deshalb wunderte es nicht wirklich, als er 2015 Interesse am ehemaligen Hotel Bastei zeigte und die Immobilie schließlich auch kaufte.

Dafür gab und gibt es Visionen. Die umzusetzen, dafür fehlen dem 55-Jährigen gerade drei Dinge: Zeit, Kraft und Geld. Von den beiden Letztgenannten hat er einiges in eine andere Leisniger Immobilie invesitert (Text unten).

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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Ein wenig mehr Zeit hat er vielleicht ab 2020 wieder. „Bis dahin sollen die Hochwasserschadensbeseitigungen abgeschlossen sein“, sagt er. Als Bauunternehmer hat er damit in großem Umfang unter anderem in Döbeln zu tun.

Danach will Weißflog die Sache mit der Stuhlfabrik zu einem Abschluss bringen – auch wenn der Abriss heißt und nicht von vornherein so geplant war. Deshalb möchte er sich auch überhaupt nicht darauf festlegen, wann in der Bastei etwas passiert. Für Vorschläge allerdings sei er jederzeit offen: „Wenn jemand eine geniale Idee hat, dann lasse ich mich gern inspirieren, anstecken und antreiben.“

Das sagte Sven Weißflog in dieser Woche Hansjörg Oehmig. Der CDU-Stadtrat bat ihn, sich der kaputten Hotelreklame an der Immobilie anzunehmen. „Wer über die Bergstraße in die Stadt fährt, der sieht zuerst ein Hotel, in dessen Namen die Buchstaben fehlen. Das macht keinen guten Eindruck“, so Oehmig.

Die Nemo-Bar, in der einige Cocktails über die Theke gegangen sind.
Die Nemo-Bar, in der einige Cocktails über die Theke gegangen sind. © Dietmar Thomas
Ein Zimmer im stark renovierungsbedürftigen Gebäudeteil. 
Ein Zimmer im stark renovierungsbedürftigen Gebäudeteil.  © Dietmar Thomas
Den ehemaligen Wintergarten, aus dem es einen herrlichen Blick ins Muldental gibt.
Den ehemaligen Wintergarten, aus dem es einen herrlichen Blick ins Muldental gibt. © Dietmar Thomas
Und das Hauptgebäude. Die Reklame im Bereich des ehemaligen Eingangs ist defekt. Das stört einige Leisniger. Stadtrat Hans-Jörg Oehmig gehört dazu. 
Und das Hauptgebäude. Die Reklame im Bereich des ehemaligen Eingangs ist defekt. Das stört einige Leisniger. Stadtrat Hans-Jörg Oehmig gehört dazu.  © Dietmar Thomas

Nemo im Kohlenbunker

Weißflog versteht, worauf der Stadtrat hinauswill. Er versucht als Kommunalpolitiker selbst, etwas in seiner Heimatstadt zu bewegen und möchte der Kommune entgegenkommen. Und daher kann er auch nachvollziehen, dass die Stadträte wissen wollen, was aus dem Objekt „Hotel Bastei“ wird.

Es wieder als Hotel herzurichten, das hält der Unternehmer für vergebene Liebesmüh. Das lasse sich in einer Stadt wie Leisnig nicht wirtschaftlich betreiben. Und auch ein reiner Gastronomie- und Veranstaltungsbetrieb komme für ihn nicht infrage – aus ähnlichem Grund und bisherigen Erfahrungen. Das alles hat es an Ort und Stelle schon gegeben. Manche Leisniger erinnern sich noch an die Nemo-Bar in Kellerräumen, die einst als Kohlenbunker konzipiert waren. „Als die Wende kam, brauchte man den Bunker nicht mehr“, erklärt der jetzige Eigentümer.

Vorstellen könnte er sich, Gebäudeteile umzubauen und dort kleinere Appartements für ältere Leisniger oder Zuzügler einzurichten – eventuell abgerundet mit einem kleinen Dienstleistungsangebot. „Die Leute werden immer älter“, erklärt der 55-Jährige, weshalb er an diese Zielgruppe denkt.

Wenn Weißflog auf einem der Balkone steht, die sich an ehemaligen Gästezimmern befinden, kann er sich die Gestaltung in Richtung Muldental schon prima vorstellen. „Wir bauen Wohnungen und Terrassen gern auf verschiedenen Ebenen“, sagt er und nennt als Beispiel das frühere Hotel „Zur Sonne“ an der Döbelner Ritterstraße. „Und hier kommt noch der herrliche Blick ins Muldental dazu. Das könnte auch den Leisnigern gefallen“, hofft er.

Als Vorteil dieses Standortes sieht der Bauunternehmer weiterhin, „dass man sich hier ans Zentrum andocken kann“. Die Nähe zum Markt sei ein großer Vorteil. „Ein anderer ist, dass hier niemand Angst vor Hochwasser haben muss“, so Sven Weißflog. Nachdem mehrere seiner Immobilien in Döbeln sowohl 2002 als auch 2013 „abgesoffen“ sind, ist ihm dieser Punkt durchaus wichtig.

Jetzt Chance auf Fördergeld

Anreiz, zu investieren, könnte die Möglichkeit sein, bei dem nötigen Umbau auf Fördergeld zurückgreifen zu können. Die Chance auf Zuschüsse hat sich durch eine Erweiterung der sogenannten Gebietskulisse ergeben. Geld aus dem Städtebau-Fördertopf steht demnach vom Freizeitkomplex Stadtbad-Turnhalle-Jugendzentrum bis eben zur Muldenstraße zur Verfügung – sofern die Voraussetzungen stimmen. Auch das soll bei einem nächsten Gespräch mit Sven Weißflog angesprochen werden, sagte der Rathauschef zur Sitzung des Stadtrates in dieser Woche. Dort hatte Oehmig von seiner Begegnung mit dem Bastei-Besitzer berichtet.

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Sven Weißflog hofft, dass er dieses Wohn- oder ein anderes Projekt tatsächlich noch angehen kann. Es gab mehrere Einbrüche in das Haus, das er deshalb besser sichern musste. Ein Beweggrund, die Immobilie zu kaufen, sei für ihn die teilweise noch sehr gute Bausubstanz gewesen. Wie lange das so bleibt, muss er sehen. Die Heizung haben Einbrecher schon lahmgelegt, indem sie die Zuleitungen klauten.

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