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Die lästigen Vögel von Olbersdorf

Scharenweise bevölkern wilde Stadttauben leer gezogene Plattenbau-Etagen in der Grundbachsiedlung. Der Vermieter will sie los werden. Aber wie?

Da guckt sie! Eine verwilderte Haustaube auf dem Dach eines Plattenbaus in der Olbersdorfer Grundbachsiedlung.
Da guckt sie! Eine verwilderte Haustaube auf dem Dach eines Plattenbaus in der Olbersdorfer Grundbachsiedlung. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Hoch oben sitzen sie und beäugen das Geschehen: Sehen Mieter unter ihnen kommen und gehen, sehen Kinder spielen, Autos fahren und Mütter Einkaufstaschen schleppen. Hier oben auf dem Dach des langen Plattenbaublocks an der Olbersdorfer Buchbergstraße fühlen die Tauben sich wohl. Hier haben sie ihre Ruhe - und ideale Brutplätze dazu.

Der Block gehört zu denen im Olbersdorfer Neubaugebiet, die mangels Mietinteressenten von sechs auf vier Geschosse zurückgebaut werden sollen - und deren obere beiden Etagen deswegen schon leer gezogen sind. Besser kann es eine wilde Stadttaube nicht finden.

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Doch was den Tieren offenbar ausnehmend gut behagt, gefällt vielen Menschen ganz und gar nicht. Mieter klagen über den Lärm, den die wachsende Taubenschar allmorgendlich macht, vor allem aber klagen sie über die unschönen Hinterlassenschaften. Und die bereiten in der Tat auch Karsten Hummel Sorgen.   

Denn der Taubendreck versaut nicht nur Balkone, Fassaden und Wege in der mit viel Aufwand und Mühe sauber gehaltenen Siedlung, er ist dazu auch noch gefährlich, weiß  der Geschäftsführer des Kommunalen Wohnungsunternehmens KWV. Das brauche man nur bei Wikipedia nachzulesen: Der stark säurehaltige Kot ist ein idealer Nährboden für Pilze, Keime und Krankheitserreger. Und er kann sogar Bausubstanz zerstören.

Bitte nicht füttern!

Das können die Mieter in der Grundbachsiedlung wahrlich nicht gebrauchen. Vor allem deshalb will Karsten Hummel die wachsende Taubenschar - die Population soll aus Zittau nach Olbersdorf gekommen sein - und ihren Dreck wieder loswerden. "Doch das ist leichter gesagt als getan", weiß der KWV-Chef. Die Tiere dürfen nämlich nicht bejagt, sondern nur vergrämt werden. Wie aber verscheucht man Scharen von Tauben, die sich nicht verscheuchen lassen wollen?

Karsten Hummel hat sich mit Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt beraten und das Vorgehen abgestimmt. "Man muss den Tieren ihre Brutplätze nehmen", weiß der KWV-Chef jetzt. "Das ist die einzige Chance."

Das Beste wäre ja, die Pläne vom Rückbau der leer gezogenen Geschosse endlich in die Tat umzusetzen, sagt Hummel. Dann würden sich die Tauben nach und nach anderswo Unterschlupf suchen oder sich zumindest nicht mehr derart stark vermehren. Doch für den geplanten Rückbau braucht das Unternehmen Fördermittel. "Sonst rechnet sich das nicht", erklärt der Geschäftsführer.

Damit die Tauben nicht mehr überall ungestört brüten können, sind die Balkone der leer gezogenen Obergeschosse inzwischen mit engmaschigen Netzen versperrt. Höchstens noch eine Schwalbe findet hier und da einen Weg durch die Maschen. Eine Maßnahme, die helfen soll, die Population zumindest zu verringen.

Mit engmaschigen Netzen vor den Balkonen der leer stehenden Etagen wird den Tauben jetzt der Zugang zu den Brutplätzen versperrt.
Mit engmaschigen Netzen vor den Balkonen der leer stehenden Etagen wird den Tauben jetzt der Zugang zu den Brutplätzen versperrt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

"Das mit den Netzen hat auch schon geholfen", findet Günther Oertelt, der seit drei Jahren in einem der betroffenen Blöcke wohnt. "Ich denke, es sind schon weniger Tauben geworden." Aber oben vom Dach gurrt und dreckt es immer noch. Die Nachbarin aus der vierten Etage direkt unter den leeren Geschossen müsse immer noch regelmäßig mit dem Besenstiel an ihre Balkondecke donnern, um die Tauben darüber in ihrer Ruhe zu stören. 

"Bitte füttern Sie die Tauben nicht", steht auf dem Aushang im Treppenhaus. Es soll ja auch Mieter im Wohngebiet geben, die ganz und gar nichts gegen die graugefiederten Mitbewohner haben. "Ich freue mich sogar über die Tauben", schmunzelt eine ältere Frau, die ihren Namen lieber nicht nennen will. Sie findet es schön, zu sitzen und die Tiere beim Turteln zu beobachten, sagt sie. 

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Für die Bemühungen, die Taubenschar zu reduzieren, ist das ziemlich kontraproduktiv, sagt Karsten Hummel. "Solange sich die Tiere im Wohngebiet wohlfühlen, werden sie sich auch nicht so einfach vertreiben lassen." Eine Patentlösung hat auch der KWV-Chef nicht. Vielleicht helfen die Netze ja irgendwann. "Wir müssen den Tieren eben Zeit lassen."  

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