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Die Wanderschuhe liegen bereit

Vor einem Monat sorgte er für einige Überraschung, als er seine viel beachtete Tour durch Amerika ohne ein Wort beendete. Nun bricht Extremwanderer Thomas Stenzel sein Schweigen und redet über seine Gründe und Tourkompagnon Jürgen Berger.

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Aus Mexiko zurückgekehrt, wollten Sie Geld dafür, dass Sie mit uns sprechen. Jetzt reden Sie doch noch ohne Honorar. Wieso das?

Ich sehe das heute anders. Aber ich hatte zugegebenerweise Wut auf die Zeitung. Als ich mit Jürgen Berger kurz vor der mexikanischen Grenze stand, erfuhren wir aus der Presse, dass er per Haftbefehl gesucht wird. Wegen einer Unterhaltspflichtverletzung. Das ist doch eine private Sache und geht die Öffentlichkeit nichts an.

Auch dann nicht, wenn dadurch das Vorhaben in Gefahr gerät? Stellen Sie sich vor, der Extremwanderer Jürgen Berger wird in Handschellen abgeführt …

Ich habe bereits früher gesagt: Von der Staatsanwaltschaft erreichte uns kein Brief, obwohl alle Kontaktdaten bekannt waren. Zu den Anschuldigungen selbst wird Jürgen eine Presseerklärung abgeben.

Die Vorwürfe gegen ihn erklären aber noch lange nicht, warum Sie vorzeitig nach Deutschland zurückgekommen sind.

Der Hauptgrund ist, dass eine Fortsetzung des Marsches finanziell nicht mehr zu vertreten war. Seit der Flutkatastrophe haben wir keine Sponsorengelder mehr bekommen. Das hat uns emotional, aber auch physisch in Mitleidenschaft gezogen. Bis heute ist nur die Hälfte der vertraglich zugesicherten Sponsorengelder geflossen.

Jürgen Berger läuft dennoch weiter …

Ja, er läuft auf low budget. Wir haben den monatlichen Bedarf von bis zu 600 Dollar auf 300 bis 400 Dollar pro Kopf heruntergeschraubt. Zurzeit ist Jürgen in Mexiko, südlich von Veracruz unterwegs. Seine Lage wird dadurch verschärft, dass man in Mexiko im Gegensatz zu den USA kaum jobben und auf diese Weise die Tourkasse aufbessern kann. Aus heutiger Sicht könnte er Ende 2005 am Ziel des 33 000-Kilometer-Weges in Feuerland ankommen.

Damit würde er sich aus Sicht des Staatsanwaltes weiterhin der Justiz entziehen.

Es war mein Rat, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Er würde eingehen, wenn man ihn in Handschellen abführen und wegsperren würde.

Und wie soll es mit seinem Sohn weitergehen, der offenbar kein Geld von ihm bekommt?

Diese Sache wird noch geklärt. Es gab gewisse Missverständnisse, weil Jürgens Ex-Freundin Geld roch, obwohl er keines hat. Das Problem wird aber in wenigen Monaten aus der Welt geschafft sein. Ich führe bereits Gespräche mit einem Anwalt. Es ist nicht auszuschließen, dass an die Frau gezahlt wird.

Nehmen wir an, es gelingt Ihnen, die Sache zu klären. Ist die Tour dann für Sie abgehakt?

Ich kann mir gut vorstellen, das letzte dreiviertel Jahr noch mitzumachen. In Süd-Chile könnte ich zu Jürgen stoßen und mit ihm weiter wandern. Ob das geht, hängt aber von den Finanzen ab. Ich muss neue Sponsoren ins Boot bekommen und eine bessere Organisationsstruktur mit Manager und Pressesprecher aufbauen. Wir sind seinerzeit zu euphorisch herangegangen und haben für Notfälle keine Rücklagen geschaffen.

Mit der Nicht-Reaktion auf die Vorwürfe und Ihrer heimlichen Rückkehr haben Sie viel Porzellan zerbrochen.

Da möchte ich nichts beschönigen. Ich weiß, dass ich vielen Leuten auf die Füße getreten bin. Ich möchte mich dafür entschuldigen. Mit unserer ehemaligen Schirmherrin, Andrea Dombois, und anderen habe ich bereits gesprochen. Sie wäre bereit, die Schirmherrschaft wieder zu übernehmen, wenn die Vorwürfe gegen Jürgen geklärt sind.

Gespräch: Domokos Szabó