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Die Weisheit von der Säule gelesen

Am Herder-Gymnasium gibt es immer mehr Ideen, wie Geld für das Nordportal der Marienkirchegesammelt werden kann.

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Von Christian Eißner

An Säule Nord IV geht es um die Kardinalstugenden. Um das zu erkennen, muss man allerdings ein wenig Latein können und ein bisschen was von christlicher Ikonographie verstehen. Lateinschüler der 10. Klasse des Herder-Gymnasiums haben sich die Mühe gemacht, die Inschriften und Bilder an den Säulenkapitellen in der Marienkirche zu entschlüsseln. Sie wissen jetzt, dass sie mit Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit und Mäßigung besonders tugendhaft durchs Leben kommen.

Das Inschriften-Entziffern im Lateinunterricht ist nur eine Initiative von vielen. Die Herderschüler haben damit begonnen, sich intensiv mit der Marienkirche zu beschäftigen und zeigen damit, dass sie es wirklich ernst meinen: 300 000 Euro möchte das Gymnasium insgesamt sammeln, damit das Nordportal des Gotteshauses saniert werden kann (SZ berichtete).

Gestern war Heide Ibach, Leiterin der Ibach-Denkmalstiftung aus Bamberg, am Herder-Gymnasium zu Gast. Neben den Pirnaer Soroptimistinnen, dem Stadtmuseum und der Sparkasse unterstützt die Stiftung das Vorhaben maßgeblich. Und Frau Ibach brachte frohe Kunde mit nach Pirna: Sie sei gebeten worden, das Projekt Nordportal beim World Monuments Fund einzureichen. Dort werde es einer Kommission vorgelegt. Wenn die Kommission es für gut befindet, dürfen die Herderschüler damit rechnen, dass international Geld fürs Nordportal gespendet wird.

„Die Entscheidung“, sagte Heide Ibach, „wird aber noch einige Monate auf sich warten lassen.“ Es sei allerdings „eine sehr große Ehre, dass wir überhaupt den Antrag stellen durften.“ Denn normalerweise fördere der World Monuments Fund (Weltdenkmalstiftung) nur Projekte von weit größerer Bedeutung. „Ein Schulprojekt war für diese große Stiftung etwas ganz Neues“, erzählt Heide Ibach.

Die Lehrerkonferenz gestern Nachmittag machte sich inzwischen Gedanken, wie die Schule das Werben fürs Nordportal weiter gestalten kann. Bisher sind rund 700 Euro auf dem Spendenkonto. Mindestens 20 000 Euro, schätzt Heide Ibach, müssen die Schüler selbst in Pirna sammeln, damit die Aktion ein Erfolg wird. Das übrige könne von Stiftungen zugeschossen werden.

Das Nordportal soll nun für mehrere Jahre auf dem Projektplan des Herder-Gymnasiums stehen. „Es muss wachsen“, sagt Kunstlehrerin Karin Asche. Damit das Anliegen beim Wachsen nicht in Vergessenheit gerät, stehen die nächsten Sammeltermine bereits fest. Das Schöne daran: Jeder, der spendet, erhält auch eine Gegenleistung. So wird die Theatergruppe des Gymnasiums vom 25. bis 27. Juni Theaterstücke im Hanno aufführen, unter anderem „Klub der toten Dichter“. Bereits eine Woche vorher, zum Stadtfest am 17. Juni, wollen die Herderianer das Musical „Fame“ noch einmal auf die Bühne bringen. Gespielt wird im Zollhof.

Lateinlehrer Markus Hesse hat die Arbeiten seines Kurses inzwischen im Schulhaus ausgestellt. Zu den Inschriften und Darstellungen auf jedem Säulenkapitell haben die Schüler einen Hefter erarbeitet. Sie haben die Inschriften erfasst, übersetzt, die passenden Bibelstellen dazu herausgesucht und gedeutet. Für die eingefleischten Atheisten unter den Schülern sei das zum Teil „Hardcore“ gewesen, sagt einer der Kursteilnehmer. Gelernt haben sie aber auf jeden Fall etwas dabei.