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Görlitz

Die weiten Wege der Pflege

Einbrüche und fehlende Fachkräfte beschäftigen die Reichenbacher Unternehmer. Und nun auch Michael Kretschmer.

Vor drei Jahren startete Susann Kothe links mit ihrem Pflegedienst in Reichenbach in die Selbstständigkeit. Jetzt will sie Gesundheitsminister Jens Spahn die aufgetretenen Probleme benennen. Die Idee dazu hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer.
Vor drei Jahren startete Susann Kothe links mit ihrem Pflegedienst in Reichenbach in die Selbstständigkeit. Jetzt will sie Gesundheitsminister Jens Spahn die aufgetretenen Probleme benennen. Die Idee dazu hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer. © Constanze Junghanß

Kretschmer ist im Wahlkampf der Bitte von Reichenbachs Bürgermeisterin Carina Dittrich gefolgt, sich einmal vor Ort die Probleme der ansässigen Unternehmer anzuhören. Kretschmer war dabei das Zugpferd, auf das die clevere Kommunalpolitikerin gesetzt hatte, denn die Runde sollte den Auftakt für einen künftigen intensiven Unternehmerdialog bilden. Eingeladen hatte Dittrich von den rund 300 Reichenbacher Gewerbetreibenden jene, deren Probleme ihr als die dringendsten erschienen. Letztlich fanden sich etwa 30 Personen – Unternehmer und deren Mitarbeiter – im Via-Regia-Haus in Reichenbach ein.

Vergaberecht: Ortsansässige Firmen fühlen sich benachteiligt

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„Derzeit gibt es gehäuft Fragen zum Vergaberecht, was Unmut erzeugt“, so Dittrich. Ortsansässige Firmen fühlten sich benachteiligt und würden sich oft bei Ausschreibungen gar nicht mehr bewerben.

Kriminalität: Der zweite Bürgerpolizist ist eingespart worden

Bewusst hatte Bürgermeisterin Dittrich Unternehmer aus ihrer Stadt eingeladen, bei denen in jüngerer Zeit eingebrochen worden war. Zwei von diesen sprachen gegenüber Michael Kretschmer die großen Nachwirkungen von Kriminalität für kleine Betriebe an. „Die Kriminalität geht ins Uferlose“, schimpfte ein Unternehmer, dessen Firma im Gewerbegebiet an der Sohländer Straße ansässig ist. Auch in Unternehmen im angrenzenden Gewerbegebiet an der Paulsdorfer Straße gab es Einbrüche und Sachbeschädigungen. Die Kritik: „Wir haben im Ort keine Polizisten mehr.“ Hier widersprach die Bürgermeisterin: Es gebe einen Bürgerpolizisten in der Tagesschicht. Vor einiger Zeit waren es allerdings noch zwei.

Unternehmensansiedlung: Es fehlt an freien Flächen im Gewerbegebiet

Reichenbach fehlt es an Einnahmen aus der Gewerbesteuer, sagte Katrin Klawonn, die am Marktplatz eine Drogerie betreibt: „Von uns kleinen Unternehmern sind keine Steuern zu erwarten, weil der Umsatz zu gering ist.“ Es gebe schriftliche Anfragen von Betrieben, die gern nach Reichenbach kämen, sagte die Bürgermeisterin. Doch sind mittlerweile die meisten Industrieflächen belegt. Ein Trend, der vor etwa fünf Jahren einsetzte. „Vielleicht müssen wir private Flächen zukaufen“, sagte Dittrich.

Fachkräftemangel: Berufskraftfahrer sind schwer zu finden

Der Fachkräftemangel sei für sein Unternehmen spürbar, sagte ein Vertreter von Becker-Umweltdienste. Vor allem Berufskraftfahrer seien schwer zu finden. „Das Geschäft fortzuführen, wird mittlerweile für uns zum Problem.“ Wie attraktiv denn die Löhne vor Ort seien, wollte Michael Kretschmer wissen und erhielt zur Antwort: „Wir haben in unserem Betriebsteil Reichenbach inzwischen ein höheres Lohnniveau als in Dresden.“

Ambulante Pflege: Die Wohlfahrspflege auf dem Land wird benachteiligt

Susann Kothe, die Chefin des Reichenbacher Pflegeteams, sprach die Probleme der langen Wege ambulanter Pflegedienste im ländlichen Raum an. Bis zu 25 Minuten dauerten die Fahrten zum Patienten: „Gegenüber Pflegediensten in der Stadt, aber auch gegenüber denen der Wohlfahrtspflege sind wir benachteiligt.“ Michael Kretschmer bot Susann Kothe ein Gespräch mit Gesundheitsminister Jens Spahn an. Der kommt Ende August in die Region und kann sich Frau Kothes Problem anhören.

Die nächste Dialogrunde für Reichenbacher Unternehmer gibt es am 24. September mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer (IHK).

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