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Die Westtangente von oben

Schon bald rollen die ersten Autos über die Umfahrung. Nun gibt es spektakuläre Luftaufnahmen der Trasse.

© Uwe Soeder

Von Christoph Scharf

Das ist sie also. Diese Drohne. Sieht eigentlich ganz harmlos aus: Ein weißes Gehäuse in der Größe eines kleinen Pizzakartons. Unten dran hängen vier schmale Beinchen, oben vier kreuzförmige Arme mit kleinen Propellern. Behutsam holt Rüdiger Trenkler das knapp ein Kilogramm schwere Gerät aus dem Kofferraum seines Mercedes und stellt es auf den Asphalt der Bautzener Westtangente. Noch ist auf der Umfahrung kein Verkehr zu befürchten. Nur ein einsamer Bagger rollt vorbei. Der Bauarbeiter wirft einen neugierigen Blick auf den Besucher und seine Technik.

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Solche Blicke ist Rüdiger Trenkler gewöhnt. Der Bautzener ist seit dem Frühjahr mit einem unbemannten Flugobjekt unterwegs. Seitdem macht er Luftaufnahmen für Privatleute, Firmen, Behörden. Der 54-Jährige hat für die Strabag eine Autobahnbaustelle auf der A 4 dokumentiert, für die Polizei komplizierte Verkehrsunfälle, für Hausbesitzer schadhafte Dächer. Nun will er für die SZ die ersten Luftaufnahmen der kompletten Bautzener Westtangente in den Kasten kriegen. Doch dafür braucht sein weißer Flieger Energie. „Das Wichtigste ist es, die Spannung zu prüfen“, sagt der studierte Film- und Fernsehbetriebswirt, der früher beim Defa-Trickfilmstudio arbeitete. 98 Prozent zeigt sein Tester beim Akku an, den Rüdiger Trenkler jetzt in der Drohne einlegt. Es kann losgehen.

Zunächst gibt der Quadrocopter, der wegen seiner vier Propeller so heißt, nur ein elektronisches „düdeldü“ von sich. Eine Leuchtdiode fängt an, unregelmäßig orangefarben zu blitzen. „Wir brauchen zwei Minuten Geduld“, sagt der Inhaber und einzige Mitarbeiter der Firma „House TV“, der im Hauptberuf die Mietfahrzeugflotte ostsächsischer Mercedes-Autohäuser betreut. Das Fluggerät sucht derweil Kontakt zu einem Satelliten nach dem anderen. Das Blitzen der Diode wird gleichmäßiger. In der Zwischenzeit hat sich der Pilot die Steuerung um den Hals gehängt. Ein Bildschirm im Din-A 5-Format zeigt die Perspektive der Digitalkamera, die unter dem Bauch des Fluggeräts hängt. Bislang ist wenig mehr zu erkennen als ein schwarzes Asphaltband in Großaufnahme.

Doch dann geht es plötzlich ganz schnell. Die vier Propeller geraten gleichzeitig in Bewegung. Ein Summen wie von einem zornigen Bienenschwarm erfüllt die Luft. Ansatzlos steigt die Drohne senkrecht in den Himmel. Ein paar Bauarbeiter am Straßenrand drehen die Köpfe in den Nacken. Doch von der Drohne ist nur noch ein Punkt am Himmel zu erkennen. Ihr Summen ist kaum noch zu hören.

Dafür liefert der Bildschirm vor dem Bauch von Rüdiger Trenkler gestochen scharfe Bilder aus 30 Meter Höhe. Konzentriert steuert der Bautzener mit zwei kleinen Hebelchen den Flug. Die Kamera zeichnet die dunkle Tunnelöffnung der Westtangente auf, winzige Handwerker, Wiesen und Hausdächer. Über die Dresdener Straße rollt der Verkehr. Und selbst auf der gesperrten Westtangente ist plötzlich ein zügiges Auto zu entdecken: ein Transporter einer Baufirma. Für Fragen ist der Pilot am Boden jetzt nicht mehr ansprechbar. Seine Konzentration gehört dem Fluggerät am Himmel. Schließlich schweben dort oben Werte jenseits der 2 000 Euro.

Würde er den Flieger jetzt einfach sich selbst überlassen, käme der kurz vor Ende der gut zehnminütigen Akkulaufzeit wieder an seine Startposition zurück. „Die hat er sich per GPS eingespeichert.“ Dann würde die Drohne automatisch senkrecht zu Boden sinken und etwas ruppig aufsetzen. Abstürze sind trotzdem nicht ausgeschlossen – etwa bei der Kollision mit Bäumen oder anderen Hindernissen. Es wäre nicht der Erste für den Quadrocopter, der zum Glück recht robust gebaut ist. „Es gibt wohl keinen Flugmodellsportler, der noch nicht abgestürzt ist“, sagt Rüdiger Trenkler, der vor Jahren beim Basteln mit seinem Sohn zum Modellfliegen kam.

Die Drohne steht derzeit wie eine Eins in der Luft. Trotz leichten Windes zeigen die Aufnahmen nicht die Spur eines Wackelns – der komplizierten Stabilisierungstechnik sei dank. Trotzdem beordert der Bautzener seinen fliegenden Helfer jetzt zurück. Und plötzlich erfüllt auch das Summen des zornigen Bienenschwarms wieder die Luft. Behutsam setzt der Pilot sein Gerät auf den Boden auf, schaltet es aus und packt es wieder in den Kofferraum.

Auf zum nächsten Standort an der Westtangente! Denn der fertige Film muss später aus einzelnen Teilaufnahmen zusammengeschnitten werden – für einen Komplettflug über die ganze Trasse genügen die 300 Meter Reichweite nicht. Und außerdem setzt gerade ein leichter Nieselregen ein. Und die Drohne kennt zwar keine Höhenangst, ist aber wasserscheu.

Rüdiger Trenkler fertigt auch für Privatleute Luftaufnahmen an. Eine behördliche „Aufstiegserlaubnis“ und eine gewerbliche Versicherung sind vorhanden. Standard-Aufträge kosten 75 Euro. Kontakt: 0171 8557241