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Dippoldiswalde

Die widersprüchliche Baustelle

Das Lohgerbermuseum Dippoldiswalde wird modernisiert. Wie kann dabei aber möglichst viel Altes erhalten bleiben?

Der Blick von hinten auf die Museumsbaustelle zeigt die Dimension des Baus. Das große Dach über dem eigentlichen Museumsdach ist inzwischen abgebaut.
Der Blick von hinten auf die Museumsbaustelle zeigt die Dimension des Baus. Das große Dach über dem eigentlichen Museumsdach ist inzwischen abgebaut. © Karl-Ludwig Oberthür

In den Räumen des Lohgerbermuseums Dippoldiswalde herrscht reger Betrieb, aber ganz anders als ihn die Besucher aus dem normalen Betrieb kennen. Immer wieder spricht ein Handwerker Thomas Vetter an, wenn der über die Baustelle geht. Der Bauingenieur und Geschäftsführer des Planungsbüros Vetter-von-Berg aus Pirna ist für die Bauüberwachung bei dem großen Museumsumbau verantwortlich. Dabei muss er widersprüchliche Anforderungen unter einen Hut bringen.

Die Stadt Dippoldiswalde lässt das Museum seit vergangenem Jahr sanieren und umbauen. Insgesamt sind dafür Bau- und Planungskosten von 2,9 Millionen Euro vorgesehen. Saniert werden muss es beispielsweise, weil der Hausschwamm im Gebälk und im Mauerwerk gefunden wurde. Weil dieser Pilz die Standsicherheit des Hauses gefährden kann, ist die Stadt verpflichtet, das Museum zu sanieren.

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An anderen Punkten wird das Haus umgebaut, damit es den Anforderungen an eine moderne Ausstellung entspricht, die auch ganz ohne Barrieren zu besuchen ist.

Für die Planer und Bauleiter sind das unterschiedliche Anforderungen, die schwer unter einen Hut zu bringen sind. Einerseits soll das Haus modernen Ansprüchen an ein Museum entsprechen, vor allem barrierefrei zu besuchen sein, zum anderen soll das Baudenkmal so original wie möglich erhalten werden. Dafür ist die Bauleitung ständig in Gesprächen mit dem Denkmalschutz. Immer wieder sind dabei auch Kompromisse erforderlich. Das ist beispielsweise an den Stellen zu sehen, wo akkurat gesägte Balken direkt neben alten eingebaut sind, die etwas uneben sind. Diese sind beim Bau des Hauses noch von Hand behauen worden. Einige davon hat der Hausschwamm angegriffen. Daher mussten sie ausgewechselt werden gegen Neue, die natürlich eine saubere Sägekante haben.

Daneben ist auch der Putz teilweise abgeschlagen. Das ist nicht im Sinne des Denkmalschutzes. Aber der Hausschwamm kann sich auch im Mauerwerk ausbreiten. Deswegen müssen die Bauleute hier radikal vorgehen. So geht ein kleines Stück alte Bausubstanz verloren. Das Gesamtgebäude bleibt aber bestehen, wenn der Schwamm gestoppt wird.

Thomas Vetter blickt in den Keller, wo auch eine schwierige Aufgabe sich abzeichnet. Die Bodenplatte für den neuen Aufzugsschacht ist betoniert. Eisen für die Seitenwände stehen bereits in die Höhe. Der Aufzug verbindet künftig die Stockwerke des Museums miteinander. Aber er wird durch zwei Gewölbedecken hindurch geführt, die erhalten bleiben müssen. Auch hier müssen die Bauleute vorsichtigst arbeiten, damit das Gewölbe erhalten bleibt. „Wir führen den Schacht bis an die Decke heran, ehe wir dann die Öffnung herstellen können“, sagt der Bauüberwacher.

Wesentliche Schritte bei dem Bauvorhaben sind bereits abgeschlossen. So hat das Haupthaus eine völlig neue Dachdeckung bekommen mit Biberschwanz-Ziegeln. Die sind zwar neu, damit sie auch das Wasser abhalten und einige Jahrzehnte standhalten, aber nach historischem Vorbild gefertigt. Das Dach über dem Dach, welches den Winter über das Museum überragte, ist vor einigen Tagen wieder abgebaut worden. Die Gerüste an der Fassade bleiben aber stehen. Hier gehen die Arbeiten noch weiter. „Es war nötig, dass es auf das neue Dach geregnet hat, um den Baustaub abzuwaschen“, sagt Vetter.

Der Dachboden wird künftig die Haustechnik aufnehmen, speziell die Heizung. Die wird aus dem Keller herausgenommen, denn der ist feucht und lässt sich auch nicht trockenlegen. Deswegen bleibt er erhalten, wird aber leer bleiben.

Im oberen Geschoss des Hauses wird eine Galerie eingerichtet, wo künftig Bilder ausgestellt werden. Diese ersetzt die ehemalige Osterzgebirgsgalerie, die aus dem Dippoldiswalder Schloss ausgezogen ist und dem Museum für den mittelalterlichen Bergbau Platz gemacht hat.

Derzeit wird auch eine neue Präsentation der Dauerausstellung ausgearbeitet. Diese wird erweitert um jüngere Zeitabschnitte und neu präsentiert nach modernen Erkenntnissen der Museumsgestaltung. Geplant ist, dass die Bauarbeiten im Frühjahr 2020 zu Ende gehen. Dann können die Dippoldiswalde wieder ihr Stadt- und Lohgerbermuseum besuchen.

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