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Die Windbergstraße wird zur Großbaustelle

Die Rohre von der Talsperre Klingenberg gehen auch durch Coschützer Boden. Nun müssen sie raus. Eine Geduldsprobe.

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© André Wirsig

Von Annechristin Bonß

Anwohner an der Windbergstraße müssen sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen: Vollsperrung. Bagger, die sich durch die Erde wühlen. Lärm. Blockierte Parkplätze. Läuft alles nach Plan, will die Drewag ab 2016 die Leitung, die Rohwasser von der Talsperre Klingenberg in das Wasserwerk Coschütz führt, unterhalb der Straße auswechseln. Das Vorhaben wurde jetzt öffentlich vorgestellt, mit allen Folgen für die Anwohner.

Ein Projekt, das 2013 auch die Freitaler Straße blockierte.
Ein Projekt, das 2013 auch die Freitaler Straße blockierte. © André Wirsig

Warum muss die Leitung überhaupt ausgewechselt werden?

Das Rohr wurde zwischen 1942 und 1944 von Kriegsgefangenen in Handarbeit in den Boden gebracht. Zwei Jahre später ging das Wasserwerk in Betrieb. Wegen der schlechten Bedingungen beim Bau ist die Leitung heute in einem sehr schlechten Zustand. Die Gruben wurden schlecht verfüllt, teilweise liegt das Rohr zu nah an der Oberfläche, eine ordentliche Abdeckung sowie Korrosionsschutz existieren nicht. Daher werden nun alle Teile der 8,7 Kilometer langen Leitung ausgewechselt. Die Trasse von Klingenthal nach Coschütz misst 19,2 Kilometer, wobei das Wasser nicht nur durch die Leitung fließt, sondern auch durch vier Stollen. Das Bauvorhaben ist in 13 Bauabschnitte geteilt, fünf davon sind schon komplett geschafft, zwei weitere teilweise. Das entspricht 3,4 Kilometern.

Das Wasserwerk Coschütz ist für einen Großteil der Wasserversorgung in Dresden und Freital verantwortlich. Im Sommer werden bis zu 120 000 Kubikmeter Wasser täglich aufgearbeitet. Kommt es in den zwei elbnahen Wasserwerken Dresdens zur Havarie, wie zuletzt beim Hochwasser 2013, wird von Coschütz aus die ganze Stadt mit Trinkwasser versorgt.

Mit welchen Behinderungen müssen Anwohner und Passanten rechnen?

Die Bauarbeiter legen die Rohre komplett frei. Die neue Leitung hat einen Durchmesser von 1,20 Metern und misst 20 Zentimeter mehr als die alte. Damit während der Arbeiten die Wasserversorgung gesichert ist, verlegen die Arbeiter zwei 400-Millimeter-Rohre. Bei dem Vorhaben in Coschütz wird der erste Abschnitt wenig Einschränkungen bringen. Von der Freitaler bis zur Gebauerstraße verlaufen die Rohre weitgehend über Privatgrundstücke und liegen kaum unter öffentlichen Straßen.

Schwierig wird es auf der Windbergstraße. Die wird zwischen Gebauer- und Karlsruher Straße komplett gesperrt. Die Drewag will keinen der Bäume am Straßenrand fällen, daher wird mitten auf der Fahrbahn gebaggert. Der Fußweg kann weiter genutzt werden, allerdings fallen die Parkplätze weg. Zufahrten können tageweise komplett gesperrt sein. Pro Tag wollen die Arbeiter vier Meter Rohr schaffen. Der Baustart an der Windbergstraße ist im Frühjahr 2016 geplant.

Was muss bis zum Baustart noch erledigt werden?

Noch fehlt der Drewag die Genehmigung vom Land für den Bau. Die muss bis Ende Juni vorliegen. Dann erst sollen die neuen Stahlrohre bestellt werden. Die Zeit drängt. Denn die Lieferzeit beträgt bis zu 16 Wochen. Kommt die Genehmigung später, verschiebt sich der Bau. Dann wird die Windbergstraße erst 2017 zur Großbaustelle. Vor dem Baubeginn begutachten Experten zudem alle Häuser an der Straße von außen. Das ist wichtig, sollten durch den Bau Schäden an Fassaden entstehen oder Hausbesitzer Forderungen haben. Die können zudem selbst Beweise sichern.

Die Drewag will im Juli alle Haushalte über den möglichen Baubeginn informieren. Zudem wird geklärt, wie Rettungskräfte und Pflegedienste die Menschen trotz Baustelle erreichen können. Ausweichparkplätze müssen sich die Anwohner in angrenzenden Seitenstraßen selbst suchen. Trotzdem: „Eine Alternative gibt es nicht“, sagt Projektleiterin Dorothea Jäger. Denn Trinkwasser brauchen alle.