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Die Wintergerste ist reif

Die Ernte startet nächste Woche. Schon jetzt ist klar, dass die Agrargenossenschaft Radeburg deutliche Verluste einfährt.

Pünktlich Anfang Juli soll in Radeburg die Erntesaison starten. In den vergangenen beiden Jahren wurde die Wintergerste zum Teil bereits deutlich früher von den Feldern geholt.
Pünktlich Anfang Juli soll in Radeburg die Erntesaison starten. In den vergangenen beiden Jahren wurde die Wintergerste zum Teil bereits deutlich früher von den Feldern geholt. © Andreas Weihs

Radeburg/Moritzburg. Bilderbuchwetter am Dienstagvormittag in Radeburg. Blauer Himmel, ein paar Wolken, Sonne. Rechts und links der Umgehungsstraße tanzen gelbe Ähren im Wind und bilden wellenartig ständig neue Muster. Die Wintergerste ist so gut wie reif. Spielt das Wetter mit, worauf Heiko Hennersdorf hofft, können nächste Woche die Mähdrescher mit der Ernte beginnen. Also ganz planmäßig Anfang Juli.

Gerade werden sie noch einmal durchgesehen und letzte kleine Reparaturen erledigt, sagt der Feldbau-Vorstand der Agrargenossenschaft Radeburg. Und auf den Wiesen bei Friedewald, wo in der vergangenen Woche der zweite Grünschnitt des Jahres erfolgte, wird die Ruhe vor dem Sturm genutzt, um noch Gärreste der Biogasanlage auszufahren.

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Der milde Winter hat Raps, Wintergetreide und auch das Gras gut wachsen lassen. Auch das zeitige Düngen bereits im Februar hat funktioniert. „Wir haben das sehr vorsichtig gemacht, weil ja nicht klar war, ob noch einmal richtig Frost kommt“, sagt der erfahrene Landwirt. Denn wenn die Pflanzen durch die Düngung mit dem Streckungswachstum beginnen, verliert beispielsweise der Raps dadurch seinen natürlichen Frostschutz.

Frostige Nächte im Mai

Einfach abwarten ging aber auch nicht. Da das Wintergetreide bei warmem Wetter im März schon seine Ährenanlagen bildet, wäre bei fehlenden Nährstoffen so bereits ein geringerer Ertrag bei der Ernte programmiert. „Wir haben den Dünger auf zwei Gaben geteilt, was zwar arbeitsaufwendiger war, dafür aber erfolgreich.“

Heiko Hennersdorf könnte also zufrieden sein. Wenn nicht im Mai dann doch noch frostige Nächte gekommen wären und die Gerstenblüte erwischt hätte. „Viele wurden so nicht befruchtet.“ Auf den am stärksten betroffenen Feldern hat er daher die Halme häckseln lassen. Immerhin rund 100 Hektar, was etwa einem Drittel der mit Wintergeste bestellten Fläche entspricht. „Das grüne Stroh lässt sich wenigstens noch in der Biogasanlage verwenden.“ Doch auch die Ähren der verbliebenen Pflanzen sind oft nicht voll ausgeprägt. „Unterm Strich bedeutet das weitere Verluste.“

Üppig blühende Malven und Bienenfreund. Das freut nicht nur Spaziergänger und Wanderer, sondern auch Imker, Ornithologen und Jäger. Auch in diesem Jahr hat die Agrargenossenschaft Radeburg wie andere Landwirte als sogenannte Greening-Maßnahme Bienenweiden
Üppig blühende Malven und Bienenfreund. Das freut nicht nur Spaziergänger und Wanderer, sondern auch Imker, Ornithologen und Jäger. Auch in diesem Jahr hat die Agrargenossenschaft Radeburg wie andere Landwirte als sogenannte Greening-Maßnahme Bienenweiden © SZ/Sven Görner

Als wäre das nicht schon genug, beschert die eingetretene Situation bei der Wintergerste noch ein weiteres Problem. „An vielen Pflanzen hat sich wegen der wenigen Körner Zwiewuchs gebildet.“ Anders als die Hauptähre sind diese zusätzlich gewachsenen längst noch nicht reif. „Dadurch bekommen wir Ärger bei der Ernte, weil so Feuchtigkeit in das Getreide kommt.“ Das bedeutet: Die Körner müssen nachbehandelt, also getrocknet und zwischengelagert werden. „Das ist neben den Kosten vor allem auch eine Frage der Kapazität.“

Um das übrige Getreide, den Raps und den Mais macht sich der Landwirt derzeit indes keine Sorgen. „Glücklicherweise hatten wir bisher im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahren noch keine richtig heißen Tage und der Regen reichte aus, dass sich die Pflanzen von Woche zu Woche hangeln konnten.“

Für das Gras reichte die Feuchtigkeit dennoch nur bedingt. Zwar waren bisher planmäßig zwei Schnitte möglich und auch Heu wurde eingefahren, „dem fehlte aber etwa ein Drittel des Aufwuchses und damit der Masse“. Heiko Hennersdorf hofft, im Herbst so viel Anwelksilage zu haben, dass die Milchkühe der Genossenschaft damit über den Winter kommen. „Allerdings haben wir bisher noch keinen Grünschnitt für die Biogasanlage einlagern können.“

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