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Die Zeitungsmacher von der Wanne

Kinder aus dem Roßweiner Wohngebiet gestalten ein Nachrichtenblatt. Und treffen damit den Nerv der Anwohner.

Annika, Fee, Tessa, Annabell und Timo (von links) gehören mit Lilly und Karl (nicht im Bild) zur Wannezeitungsredaktion. Für das kleine Faltblatt haben sie schon viel Lob erhalten.
Annika, Fee, Tessa, Annabell und Timo (von links) gehören mit Lilly und Karl (nicht im Bild) zur Wannezeitungsredaktion. Für das kleine Faltblatt haben sie schon viel Lob erhalten. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die Redaktion ist im Keller, die Druckmaschine ein kleiner Kopierer. Und als Lohn bekommen die Schreiberlinge ab und zu eine Tüte Gummibärchen von ihren Lesern. Sieben Kinder vom Wohngebiet „Wanne“ gestalten zum Spaß eine kleine Zeitung. Die Auflage stieg zuletzt sprunghaft.

„Wir haben mit einigen wenigen Blättern vor ungefähr einem Jahr angefangen“, sagt Tessa Kiesel. Die Zehnjährige ist eine der beiden Gründerinnen der Wanne-Nachrichten. Ihre Mitstreiterin Annabell Beier (8) ergänzt: „Zuerst haben wir die Zeitungen nur an unsere Nachbarn verteilt. Als die anderen Bewohner das mitbekommen haben, wollten sie gerne auch ein Exemplar.“ Mittlerweile tragen die Kinder 83 gefaltete A4-Blätter im gesamten Wohngebiet aus. Und auch die Redaktion ist gewachsen. Neben Tessa und Annabell arbeiten inzwischen noch Timo (6), Fee (5), Annika (8) und Lilly (9) mit. „Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Wanne-Kinder mitmachen würden“, so Tessa.

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Von der Idee bis zur Zustellung

Unterstützung bekommen die Kinder von ihren Eltern. „Ich helfe beim Gestalten am Computer, wenn zum Text auch Fotos dazu kommen“, sagt Carolin Beier, die Mutter von Annabell und Fee. Auch das Kopieren übernimmt sie. „Alles andere machen die Kinder aber selbst. Sie haben die Ideen und setzen sie um. Und sie übernehmen das Falten und die Zustellung“, sagt sie.

Etwa zehn Ausgaben der Wanne-Zeitung haben die Kinder schon gefüllt. In einer der letzten haben sie sich selber vorgestellt. Das war ein Wunsch der Leser.

Hauptsächlich Themen aus dem Wohngebiet werden von den kleinen Redakteuren aufs Korn genommen. „Einmal haben wir Müll eingesammelt und ganz schön viel davon im Wohngebiet gefunden. Darüber haben wir natürlich berichtet“, sagt Tessa. Auch ihre Tiere haben die Kinder schon vorgestellt. Seit kurzem gehören zu den Kaninchen Max, Susi und Strolch noch die Kamerun-Schafe Bocki, Flöckchen und Moni. Die stehen auf einer Wiese hinter dem Haus. „Wir streicheln sie gerne“, sagt Timo. Ansonsten sind die drei Schafe als lebendige Rasenmäher im Einsatz und nehmen dem Hausherrn Arbeit ab.

Weniger erfolgreich war die Ausgabe mit Rätseln, bei denen die Leser „Hingucker“ im Wohngebiet finden sollten. „Daran hat sich niemand beteiligt“, sagt Fee.

Anregungen erwünscht

Seit wenigen Tagen gibt es sogar einen eigenen Briefkasten für die Macher der Wanne-Nachrichten. Dort können die Bewohner ihre Anregungen und Wünsche einwerfen, über die die Kinder einmal berichten könnten. „Zuletzt fanden die Mädchen und Jungen darin sogar eine Tüte Gummibärchen und einen Brief. „Macht weiter so!“, steht darin.

Die Geldspenden, die auch manchmal im Briefkasten landen, wollen die Kinder sparen. „Vielleicht können wir uns davon mal eine Tasche kaufen, mit der wir die Zeitungen austragen können“, sagt Tessa. Wenn möglich soll die Tasche einen Aufdruck bekommen. „Wanne-Zeitung“ soll darauf stehen. Ein Ordner, in dem alle Ausgaben der Wanne-Nachrichten abgeheftet werden, wurde schon angelegt – Das Zeitungsarchiv sozusagen.

Die Eltern finden es nicht nur klasse, dass ihre Kinder am Schreiben für die „Wanne-Nachrichten“ Gefallen finden. Überhaupt sei es super, dass sich im Wohngebiet gerade ein Generationswechsel vollziehe. „In den zurückliegenden Jahren sind viele junge Leute hierher gezogen. Die Kinder verstehen sich alle und wir freuen uns, dass sie so schön zusammen spielen“, sagt Carolin Beier.

Annika ist ganz aufgeregt. Gleich fährt sie mit ihren Eltern los, um ein Katzenbaby abzuholen. „Hanni“ will sie es nennen. In einer der nächsten Ausgaben werden die Wanne-Bewohner bestimmt eine Geschichte über ein kleines Kätzchen lesen können.

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