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Die Zirkusschule ist vorbei

Der Zirkus Rolandos hat seine Schule geschlossen. Der Nachwuchs der Familie hat den Abschluss in der Tasche.

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Von Frank Klinger

Am gestrigen Sonntag hat sich der Traumzauberzirkus Rolandos mit der 14-Uhr-Vorführung aus Hartha verabschiedet. Für das Unternehmen der Familie Krämer aus Herzberg geht die Tournee in Colditz weiter. Vom Zirkus verabschiedet hat sich dagegen die Lehrerin Sabine Barthold. Die Cottbusserin war jahrelang Lehrerin in einer der wenigen Zirkusschulen in Deutschland. Weil die Kinder der Familie Krämer nun ihre Schulzeit mit guten Abschlüssen beendet haben, wird die in einem zum Klassenzimmer ausgebauten Zirkuswagen untergebrachte Schule nun geschlossen.

Scarlett Krämer, die mit ihrem Vater Roland gemeinsam durch das zweistündige Programm führt, erzählte: „Ich bin in dieses Leben hineingeboren, ich mir gar nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Nach der Schule nach Hause zu gehen und dann vor dem Fernseher abzuhängen, das gab es bei mir nie.“ Die 16-Jährige, die von der Lehrerin in allen Fächern unterrichtet wurde, will nun die Staatliche Artistenschule in Berlin besuchen. Diese hat ihre drei Jahre ältere Schwester Virginia bereits absolviert. „Ich kenne noch alle Varianten des Schulunterrichts für Zirkuskinder“, erklärte sie. „Am Anfang bin ich immer in die Schulen der Orte gegangen, in denen wir gerade gastierten“, erzählte sie, und sprach davon, dass sie je nach Bundesland unterschiedliche Lehrbücher hatte. Auch war man in den verschiedenen Schulen mit dem Lehrplan unterschiedlich weit. Als sie in der 4. Klasse war, hatte der Kampf der Familie Krämer um eine Vollzeit-Lehrkraft endlich Erfolg. Das Land Brandenburg erkannte die Zirkusschule inklusive der Abschlüsse an, wobei Lehrpläne und Klassenarbeiten mit der Stammschule in Herzberg abgestimmt wurden. „Das war natürlich viel besser“, erinnerte sich Virginia Krämer, „der Unterricht bei Frau Barthold hat Spaß gemacht.“ Spaß hatten die jungen „Krämerinnen“ natürlich auch in den Ferien. „Wir sind wie andere Kinder auch baden oder ins Kino gegangen.“

Während ihrer Schulzeit waren Virginia und Scarlett fest in das Programm des Zirkusunternehmens ihrer Eltern eingebunden, daran hat sich auch heute nichts geändert. Virginia darf sich jetzt „Staatlich geprüfte Artistin“ nennen und hat sich auf Trapez-Darbietungen und Kugelbalancen spezialisiert. Ihre jüngere Schwester steht als Seiltänzerin und beim Voltigieren in der Manege, und beide haben noch regelmäßigen Kontakt zur ihrer ehemaligen Lehrerin. „Den wollen wir auch weiter pflegen“, erklärten sie.