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„Die Zittauer Wohnbaugesellschaft ist gesund“

Geschäftsführerin Uta-Sylke Standke erklärt im SZ-Gespräch, woher der Fehlbetrag von 700 000 Euro für 2017 stammt und wie er sich auswirkt. Auf die Mieten jedenfalls nicht.

© Matthias Weber

Von Thomas Mielke

Zittau. Die Wohnbaugesellschaft Zittau hat für das Jahr 2017 in der vor Kurzem vorgelegten Jahresbilanz einen Fehlbetrag von über 700 000 Euro ausgewiesen. Fordert der seit vielen Jahren schwierige Zittauer Immobilienmarkt jetzt von dem stadteigenen Großvermieter einen noch größeren Tribut? Nein, sagt Geschäftsführerin Uta-Sylke Standke im SZ-Gespräch.

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Frau Standke, die Wohnbaugesellschaft hat seit Jahren erstmals wieder Minus gemacht. Erhöhen Sie jetzt die Mieten?

Nein.

Muss die Stadt Zittau als Eigentümerin den Verlust ausgleichen?

Nein.

Wer kommt dann dafür auf?

Dafür muss man Liquidität und Ergebnis unterscheiden. Unser Fehlbetrag ist keine Ausgabe im geldlichen Sinne, sondern ein Ergebnis von liquiditätsrelevanten und nicht liquiditätsrelevanten Sachverhalten. Er wird innerhalb der Bilanz verrechnet und ist maßgeblich von einer außerplanmäßigen Abschreibung geprägt.

Was haben Sie denn außerplanmäßig abgeschrieben?

Die Rückbauobjekte An der Friedensgrenze 8–14 und Bogatyniaer Straße 1–7 in Zittau-Ost. Den bisher geplanten Restnutzungsbetrag mussten wir aufgrund kurzfristiger Änderungen der Förderbedingungen beim Stadtumbau nun innerhalb eines Jahres berichtigen.

Sprich: Statt innerhalb von fünf Jahren mussten Sie den Wert der beiden Objekte innerhalb eines Jahres ausbuchen?

Ja.

Heißt das im Umkehrschluss, dass die Wohnbaugesellschaft keinen Fehlbetrag ausgewiesen hätte, wenn die Vorgaben für die Abschreibungen geblieben wären, wie sie waren?

Ja, so war es geplant. Deshalb verweise ich bei der Bewertung der Bilanz immer darauf, auch auf das ordentliche Betriebsergebnis zu achten.

Und das fällt für 2017 wie aus?

Im Vergleich zu 2016 konnten wir den Jahresüberschuss um 12 000 auf 29 000 Euro steigern.

Das Unternehmen ist also wirtschaftlich gesund?

Ja, das bescheinigen uns alle.

Wer ist „alle“?

Die Prüfungsgesellschaft, der Aufsichtsrat und die Geschäftsbanken. Wir haben sogar die Bundesbank-Banknotenfähigkeit zuerkannt bekommen.

Schmälern Sie durch die Abrisse und das Ausbuchen der Immobilien nicht die Substanz der Gesellschaft?

Nein, wir investieren ja auch. Zwischen 2017 und 2020 rund 5,3 Millionen Euro. Zudem stecken wir pro Jahr rund eine Million Euro in die laufende Instandhaltung. Völlig richtig ist jedoch: Trifft ein Unternehmen die Entscheidung zum Abbruch eines Gebäudes innerhalb des Stadtumbauprozesses, vernichtet es auch Vermögen.

Sie betonen immer wieder, dass die Wohnbaugesellschaft schweren Herzens dem Stadtentwicklungskonzept folgt und wunschgemäß am Rand der Stadt Gebäude abreißt. Auf der anderen Seite heißt es immer wieder, dass Sie sich – auch um die Gesellschaft zukunftsfähig zu machen – stärker in der historischen Innenstadt engagieren könnten.

Das tun wir doch! Warum sehen Sie das nicht?

Welche historischen Gebäude hat die Wohnbaugesellschaft denn saniert?

Zum Beispiel unser eigenes Haus, das ehemalige Gymnasium. Das Betreute Wohnen Zum Marsbrunnen in der Brunnenstraße ...

Das war doch keine Sanierung, sondern ein Neubau.

Aber wir haben uns in der Innenstadt mit einem Lückenschluss engagiert, den niemand machen wollte. Dazu kommen die Breite Straße 10, 12, 14 ...

Das ist doch ein „Neubau“-Block.

Und ein Engagement der Wohnbaugesellschaft in der Innenstadt. Die Bautzner Straße 6, 11, die Innere Weberstraße 26, die Reichenberger 50, 52, 56, die Böhmische Straße 8,41 ... und viele weitere dem Denkmalschutz unterliegende Gebäude außerhalb der Innenstadt.

Und wie viele historische Gebäude in der Innenstadt gehören der WBG, die noch nicht saniert sind?

Sieben. Aber daran arbeiten wir.

Wenn also nicht wieder außerplanmäßige Abschreibungen kommen, ...

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... rechne ich auch in den kommenden Jahren jeweils mit einem kleinen Jahresüberschuss.

Wo geht der Jahresüberschuss hin, an die Stadt?

Nein, in unsere Rücklage, mit der auch der Jahresfehlbetrag 2017 verrechnet wird. Sie ist dafür hoch genug.

Die Bilanz: http://www.szlink.de/WBG-Bilanz