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Die Zukunft von Medizin und Pflege

Seenland-Klinikum und Arbeiterwohlfahrt Hoyerswerda planen jedenfalls ein gemeinsames Projekt dazu

Sicher erst einmal nur stilisiert, aber so stellen sich das Klinikum und die Arbeiterwohlfahrt die Erweiterung des bisher aus
Bettenhaus, U-und-B-Trakt sowie der Hoy-Reha bestehenden
Gesundheitscampus‘ vor.
Sicher erst einmal nur stilisiert, aber so stellen sich das Klinikum und die Arbeiterwohlfahrt die Erweiterung des bisher aus Bettenhaus, U-und-B-Trakt sowie der Hoy-Reha bestehenden Gesundheitscampus‘ vor. © Grafik: LSK

Bei einem Schlaganfall, sagen Ärzte, entscheidet vor allem Geschwindigkeit über den Erfolg einer Behandlung. Das Motto: „Zeit ist Hirn“. Je rascher Mediziner zur Behandlung schreiten können, umso eher besteht die Chance auf eine vollständige Beseitigung des Gefäßverschlusses, die Chance, die Zahl der betroffenen Hirnzellen klein zu halten und damit die Chance, Langzeitschäden auszuschließen.

Wie wäre es also, wenn man die Körperfunktionen von Bewohnern in Seniorenheimen, deren Lebensalter auch ein höheres Risiko bedeutet, per Sensor-Technik so überwacht, dass Spezialisten das Abweichen von Werten einen Schlaganfall signalisiert und sie so schnell eine Therapie in die Wege leiten können? „Sensor-Technik, Daten, Analysten – genau in diese Richtung wollen wir“, erklärt Jörg Scharfenberg, der Geschäftsführer des Lausitzer Seenland-Klinikums in Hoyerswerda.

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Absichtserklärung unterschrieben

Wohl nicht viel weniger, als die Medizin im Allgemeinen und die Pflege im Speziellen auf ein neues technisches Niveau zu katapultieren, haben sich das Krankenhaus und die örtliche Arbeiterwohlfahrt gemeinsam vorgenommen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben Jörg Scharfenberg und sein Awo-Geschäftsführer-Kollege Torsten Ruban-Zeh jetzt unterschrieben.

Weitere Partner sind eingeladen, sich dem Vorhaben „Gesundheit. Digital. Lausitz.“ anzuschließen. Und weil die Hoffnung besteht, es über die staatlichen Beihilfen zur Strukturstärkung in den Noch-Kohle-Regionen zu finanzieren, war Jörg Mühlberg Gast der ersten Vorstellung des Projektes. Er leitet die neue Sächsische Agentur für Strukturentwicklung GmbH und nennt das vorliegende Konzept ein Ankerprojekt als Initial für eine ganze Kette von weiteren Maßnahmen: „Wir reden hier von neuen Berufsfeldern, von neuer Technik und von neuen Ideen.“

Zu sehr ins Detail gehen wollten Scharfenberg und Ruban-Zeh bei der Präsentation ihres Projektes noch nicht. „Wir haben ja keinen Patentschutz darauf“, umschreibt der Klinikums-Chef die Beweggründe. Niemand soll, was über die letzten Monate erdacht wurde, so einfach abkupfern können. Die schiere Größe dessen, was da ins Werk gesetzt werden soll, verdeutlichte jedoch ein Schaubild unter der Überschrift „Entwicklung des Gesundheitscampus am Standort Maria-Grollmuß-Straße 10“. Es zeigt im Eck Grollmuß/Weinert-Straße (siehe oben) nicht weniger als vier mögliche Neubauten, nämlich ein Diagnostik- und Therapiezentrum, ein Ärztehaus, eine Altenpflegeeinrichtung und ein Digitales Krankenhaus – alles nicht nur medizinisch ausgerichtet, sondern auch rund um EDV-Technik konzipiert. Einbezogen sein soll zudem das Medizinische Versorgungszentrum in der früheren Poliklinik. Damit verbunden sind Begriffe , die fast nach dem Medizinisch-Holographischen Notfallprogramm aus dem TV-Raumschiff „Voyager“ klingen: Virtual Hospital, Medical KI-Campus oder Digitaler Pflegefachmann.

Nachwuchs an Technik interessiert

Die Betreuung von Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Patienten führen die Ideengeber nur als Beispiele für den Einsatz neuer technischer Möglichkeiten an. Birgit Wolthusen, die Pflegedirektorin des Klinikums, berichtet, dass mittels Fern-Monitoring auch die Warnung vor Wundliegen denkbar ist, oder ein automatisches Signal ausgesendet werden könnte, wenn der Bewohner eines Seniorenheims stürzt. Und sie prognostiziert, dass der EDV-Einsatz zu einer stärkeren Nachfrage im Bereich der Pflege-Ausbildung führen könnte: „Technik ist etwas, was junge Leute vermehrt fordern, darauf haben sie Lust.“ Jörg Scharfenberg ergänzt, dass die automatisierte Erfassung von medizinischen Vorgängen bei der vorgeschriebenen Dokumentation helfen und Pflegekräften so mehr Zeit mit den Patienten ermöglichen könnte. Und Torsten Ruban-Zeh denkt durchaus auch an kleine kybernetische Helferlein – Roboter, deren künstliche Intelligenz Heimbewohner vor Langeweile bewahrt.

Einladung an weitere Partner

Insgesamt, so wird umschrieben, liege der Fokus darauf „Medizin und Altenpflege von morgen durch innovative, vernetzte und digitale Lösungen umzusetzen und zu unterstützen“. Dass sich das Klinikum und die Awo zusammentun, liegt laut Scharfenberg nahe: „Wir haben ja vielfach dieselben Patienten beziehungsweise Klienten.“ Mit weiteren Partnern ist jedoch seinen Angaben zufolge schon gesprochen worden, dem Uniklinikum Carl Gustav Carus in Dresden etwa oder dem Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus. Einladungen zur Kooperation würden aber beispielsweise auch an die Krankenhäuser in Kamenz, Weißwasser oder Lauchhammer sowie an niedergelassene Ärzte gehen. „Alle sind herzlich eingeladen, uns beim Strukturwandel zu begleiten“, sagt der Krankenhaus-Chef.

Die Ideen sollten in den kommenden Monaten konkretisiert werden. Ziel ist, sie im März nächsten Jahres beim Land abzugeben und somit zur Förderung anzumelden. Der Gesundheitscampus solle aufblühen und viele Arbeitsplätze in die Stadt bringen. Torsten Ruban-Zeh sieht auch eine Verbindung zur diskutierten Außenstelle der TU Dresden, dem Zuse-Campus. Schließlich geht es ja hier wie da um Informatik. Und in beiden Fällen geht es auch darum, den erwarteten wirtschaftlichen Folgen des Ausstiegs aus der Kohleverstromung etwas entgegenzusetzen. Jörg Scharfenberg meint, man könne gar nicht früh genug damit beginnen: „Bis 2038 hört sich zwar nach einem langen Zeitraum an. Aber die Zeit wird schneller vergehen, als man das heute so denkt.“

Im Bereich westlich des Klinikums gibt es mehr oder weniger ausreichend freie Fläche zur Verwirklichung der Digital-Medizin-Pläne. Bleibt allerdings die Frage: Wohin mit den Mitarbeiterparkplätzen? Das Bild täuscht: Tagsüber reicht der Platz eigentlich ni
Im Bereich westlich des Klinikums gibt es mehr oder weniger ausreichend freie Fläche zur Verwirklichung der Digital-Medizin-Pläne. Bleibt allerdings die Frage: Wohin mit den Mitarbeiterparkplätzen? Das Bild täuscht: Tagsüber reicht der Platz eigentlich ni © Foto: Gernot Menzel

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