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Die Zurrtechnik baut an

Das Großröhrsdorfer Unternehmen erweitert für über eine Million Euro. Die größte Investition der Firmengeschichte.

© René Plaul

Der Kran vor dem Großröhrsdorfer Werk der Sächsischen Hebe- und Zurrtechnik (SHZ) ist weithin sichtbar. Mit 350 Tonnen Beton haben die Bauleute dort das Fundament für eine Werkserweiterung gelegt. Jetzt ziehen sie den Keller hoch. Der viele Beton muss in die Erde, um die Statik zu gewährleisten, wenn in den Produktionsräumen tonnenschwere Paletten mit Bändern und Schlingen bewegt werden.

Grafische Darstellung vom Neubau mit Dachterrasse.
Grafische Darstellung vom Neubau mit Dachterrasse. © Reiner Hanke

Die Auftragslage sei so gut, dass an einer Erweiterung nichts vorbei führe, sagt Geschäftsführer Mattias Böhme. Unterschiedliche Varianten, sogar eine Investition im Ausland seien im Gespräch gewesen. Eine weitere Halle auf dem Gelände wäre logistisch ungünstig gewesen.

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Neue Jobs entstehen

Für die Investition vor Ort habe man sich letztlich entschieden, weil hier am flexibelsten auf Aufträge reagiert werden könne. Auch die Fördermöglichkeiten hätten zur Entscheidung für die Heimat beigetragen. Die seien aber auch an Auflagen für neue Jobs geknüpft. So wird die Belegschaft leicht zulegen mit der Investition. Die größte von SHZ überhaupt. Weit über eine Million Euro fließt in den Anbau. Allein bei der Produktionsfläche – ohne Lager – kommen 550 Quadratmeter hinzu, sie verdoppelt sich fast. Matthias Böhme hat eine Zeichnung des künftigen Gebäudes vor sich liegen. Der Bau wird auch für die 55 Beschäftigten Änderungen bringen: Arbeitsplätze werden umziehen und auch Arbeitsbedingungen verbessert. Arbeitsabläufe sollen effektiver werden. So werde die Produktion im Erd- und ersten Obergeschoss der Hauptgebäude konzentriert, erklärt Matthias Böhme. Im Gegenzug der Speiseraum ins zweite Obergeschoss verlegt. Der bekommt auch mehr Platz. Von dort geht es bald auf eine Dachterrasse oben auf dem Neubau. Auf der können die Mitarbeiter ihre Pausen verbringen. In die Sozialräume werde investiert und auch mehr Platz für Büros geschaffen. Eine neue Produktionsanlage wird im Neubau ebenfalls montiert und ist Teil der Investition. Sie ermöglicht eine vollautomatische Herstellung von Hebeschlingen. Die werden z. B. für den Bau von Fertigteilhäusern gebraucht. „Wir holen damit auch einen Teil einer Produktion nach Deutschland, die derzeit noch bei einem Geschäftspartner in China läuft“, sagt Geschäftsführer Günter Böhme, der Seniorchef. Allein davon produziert die SHZ reichlich eine Million Stück im Jahr. Fünf Millionen Meter Band verarbeitete die Firma insgesamt im Vorjahr für ihre Zurrgurte und Hebebänder. In diesem Jahr sollen es bis zu sechs Millionen Meter werden. Deshalb wird die Erweiterung auch dringend gebraucht. „Wir sind und bleiben aber ein Familienunternehmen“, sagt Günter Böhme. Der Sohn und die Tochter sind längst in die Firma mit eingestiegen, die Nachfolge ist gesichert. Der Umsatz soll auf sieben bis acht Millionen Euro in diesem Jahr klettern, vor ein paar Jahren waren es noch fünf. Solche Investitionen wie die Erweiterung seien nur möglich, weil der Großteil des Gewinns wieder in die Firma fließe, sagt Günter Böhme.

So klein ist SHZ nun aber auch nicht mehr. Unter den Herstellern der Branche zählt die Firma jetzt zu den größten drei in Deutschland. Neu ist, dass jetzt Kettenzüge in Großröhrsdorf nach Kundenwunsch montiert werden: „Wir sind auch immer auf der Suche nach neuen hochwertigen Fasern, um unsere Produkte zu verbessern.“ Ein Forschungsprojekt gemeinsam mit der TU in Dresden wird dazu beitragen.

Viele Aufträge aus dem Ausland

Hauptprodukt bleiben Hebebänder- und -schlingen sowie Zurrgurte, insbesondere um Ladungen beim Transport zu sichern. Bis zu 300 Millimeter breit sind die Gurte und Schlingen und können bis zu 60 Tonnen tragen. Sie werden zum Beispiel gebraucht, um Flügel für Windkraftanlagen an ihren Platz zu heben.

Rundschlingen, die bis zu 40 Tonnen heben, habe kürzlich eine Berliner Firma geordert. Damit werden Maschinen für die Wasseraufbereitung in Afrika bewegt. Ein Drittel des Umsatzes generieren die Großröhrsdorfer mittlerweile im Ausland. Dort wachse das Geschäft erheblich schwungvoller als in Deutschland. In den Vereinigten Arabischen Emiraten befestigt eine Fluggesellschaft ihre Servierwagen mit Gurten von SHZ und in Burkina Faso in Afrika werden die Produkte in einer Goldmine verwendet. Aber auch die Großröhrsdorfer Firma Haase-Tank oder die Stahlindustrie im Raum Riesa setzten auf SHZ-Gurte, um ihre Waren sicher verzurrt von A nach B zu bringen.

Erst vor zwei Jahren hatte das Unternehmen eine neue Halle auf dem Gelände gebaut, die zweite schon. Nun wird der Altbau erweitert. Das wird für viele Mitarbeiter auch einen ganz neuen Blick aus den Fenstern der Produktionsräume bringen. Der von Abel Brinas Ricardo fällt jetzt noch auf den Kran. Gegen Ende der 1980er-Jahre kam der Kubaner in die DDR. Jetzt ist er seit über einem Jahr bei SHZ, erzählt der Mitarbeiter, während er auf der Rundschlingenmaschine eine Megaschlaufe in Arbeit hat. Dreieinhalb Kilometer Fäden führt die Maschine zusammen. Die werden in einem Gewebeschlauch verstaut. 50 Tonnen hebt die Schlinge spielend. Die Riesenschlingen zieht er am liebsten durch die Maschine, verrät er und sei schon gespannt auf seinen neuen Ausblick. Der seiner Firma in die Zukunft ist sehr zuversichtlich. Ende des Jahres soll der Anbau fertig sein und im ersten Quartal 2018 die Produktion in den neuen Fertigungsräumen anlaufen.