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Diebe räumen Autovermietung komplett aus

Acht Wagen haben Unbekannte mit einem Mal mitgehen lassen. Künftig sollen es Einbrecher nicht mehr so leicht haben.

Von Jan Lange

Zittau. Dass Autos geklaut werden, ist inzwischen Alltag in der Oberlausitz geworden. Doch einen so dreisten Autodiebstahl gab es bisher in der Region noch nicht: Acht Fahrzeuge auf einmal wurden am Wochenende bei der Zittauer Autovermietung Avis mitgenommen. Die unbekannten Diebe klauten zwei Opel, einen Seat, einen Ford, einen Mercedes, einen Renault, einen Peugeot sowie einen Volkswagen – allesamt Modelle aus den Jahren 2013 und 2014. Mit einem Schlag war der gesamte Fuhrpark des Autovermieters weg. Der Schaden, den die Diebe angerichtet haben, beläuft sich auf rund 211 000 Euro.

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Selbst die Polizei ist von der Größenordnung des Autodiebstahls überrascht. Sie geht nach Aussagen eines Polizeisprechers von Bandenkriminalität aus. Die Sonderkommission Kfz des Landeskriminalamtes Sachsen hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Zum aktuellen Stand der Ermittlungen, zu neuen Spuren und zu möglichen Tätern wollte sich die Polizeidirektion in Görlitz gestern nicht äußern. Bekannt ist allerdings, dass nach den Autodieben auch international gefahndet wird. Nach Medieninformationen wurden die Polizei in Tschechien und Polen kurz nach der Feststellung des Diebstahls informiert.

Peter Russmann, zu dessen Unternehmen die Avis-Filiale in Zittau gehört, rechnet nicht damit, dass die Autos wieder auftauchen. „Was weg ist, ist weg“, glaubt der Aschaffenburger Unternehmer. Mit spezieller Ortungstechnik waren die gestohlenen Fahrzeuge nicht ausgerüstet. Das würde sich finanziell nicht rentieren, meint Russmann. Denn die Mietwagen stehen in der Regel nur ein paar Monate bei der Autovermietung und werden dann weiterverkauft. Für Russmann, der als Avis-Lizenzpartner für das riesige Gebiet von Ostsachsen bis nach Franken verantwortlich ist, war der Zittauer Raub nicht der erste. Auch in den Avis-Filialen in Görlitz und Bautzen haben unbekannte Diebe schon Autos mitgehen lassen. In beiden Fällen blieben die Täter unbekannt. Für Zittau sind die Aussichten kaum besser. Denn bisher ist noch keine organisierte Bande bekannt, die im großen Stil Autohäuser oder Autovermietungen beklaut. Der bisher größte Einbruch, bei dem in Oderwitz sechs Fahrzeuge verschwanden, liegt immerhin schon gut fünf Jahre zurück.

Die Kunden müssen sich keine Sorgen machen, beruhigt Peter Russmann. Die Vermietung der Autos läuft in Zittau ohne Einschränkung weiter. Auf dem Parkplatz neben der Avis-Geschäftsstelle standen gestern schon wieder mehrere Mietfahrzeuge bereit. „In der Disposition gab es eine halbe Stunde etwas Aufregung“, sagt der Firmenchef. Aber für alle Kunden, die einen Mietwagen reserviert haben, stehe auch ein Fahrzeug zur Verfügung. Auch die Zittauer Avis-Filiale werde weiterbestehen, stellt Russmann klar. Vielmehr will er sogar in den Standort investieren. „Wir haben einen Bauantrag für einen Neubau eingereicht“, erklärt Russmann. Die jetzigen Geschäftsräume seien nicht mehr repräsentativ. Das Gebäude werden deshalb auch nicht mehr mit zusätzlicher Sicherungstechnik ausgestattet. „Wir warten auf den Neubau, der natürlich über den modernsten Stand der Technik verfügen wird“, kündigt Russmann an. Ein so leichtes Spiel wie am vergangenen Wochenende werden Diebe in Zukunft bei Avis nicht mehr haben. In den Geschäftsräumen werden sich künftig über Nacht keine Autoschlüssel und kein Bargeld mehr befinden, so Russmann.

Bei ihrem dreisten Coup am Wochenende hatten die Autodiebe nur die Hintertür des Gebäudes gewaltsam aufgehebelt und dann die Fahrzeugpapiere der acht Mietwagen samt passende Schlüssel eingesackt. Dass die Täter so problemlos in die Autovermietung einsteigen und die Fahrzeuge mitnehmen konnten, verwundert auch deshalb, weil einen Steinwurf entfernt die Aral-Tankstelle liegt, die auch nachts besetzt ist.