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Diebe stehlen Kupferschmuck im Urnenhain

Während die Grabräuber nur kleine Beträge für das Metall bekommen, sind Kulturdenkmale unwiederbringlich zerstört.

Von Kay Haufe

Jens Börner ballt die Fäuste in den Jackentaschen. Wenn der Friedhofsleiter von den Diebstählen am vergangenen Wochenende auf dem Urnenhain spricht, werden die Züge seines Gesichtes hart. Unbekannte haben sich zwischen Freitag, 12 Uhr, und Montag, 8.30 Uhr, an sieben historisch bedeutsamen Grabstellen zu schaffen gemacht. An mehreren Schmuckurnen wurden die Henkel aus Kupfer- und Messing abgeschraubt oder brutal abgebrochen. An anderen Gräbern wurde der Metall-Deckel der Schmuckurne oder das mit Motiven verzierte Schmuckband gestohlen, meist stümperhaft herausgerissen. „An einem Grab haben die Diebe die Aschekapseln achtlos in die Büsche geworfen. Sie waren noch in die Schmuckschleifen eingepackt“, sagt Jens Börner und schüttelt den Kopf angesichts der Pietätlosigkeit. „Für die Buntmetall-Details bekommen die Leute nur wenige Euro vom Schrotthändler. Doch sie zerstören damit kunsthistorisch wertvolle Denkmale“, sagt Börner. Um die fehlenden Teile wieder herzustellen, wären mehrere Tausend Euro nötig, schätzt er. Kunstschmiede müssten sie in mühevoller Kleinarbeit fertigen. Doch dieses Geld hat der städtische Friedhof nicht. „Alle wollen preisgünstige Bestattungen. Da bleibt nichts übrig, um die gestohlenen Schmuckelemente ersetzen zu können“, sagt der Friedhofsleiter.

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Viel schlimmer wiegt für ihn aber der kulturelle Verlust für den einzigartigen Friedhof der Reformbewegung. Von einer Grabstelle wurde die Urne und das Schmuckgitter gestohlen. „Die Wirkung dieses Grabes ist nun völlig zerstört“, sagt Börner und fühlt sich ohnmächtig angesichts des Raubes. Denn er ist bei weitem nicht der erste. Viermal musste Jens Börner allein im vergangenen Jahr die Polizei rufen. Besonders tragisch war der Raub an der Grabstelle des Schuhcreme-Fabrikanten Egbert Günter und seiner Familie. Das Grab war gerade vom Friedhof aufwendig saniert worden, als kurz darauf zwei Schmuckurnen gestohlen wurden. Erst vor zwei Wochen wurde auch der benachbarte Johannisfriedhof das Ziel von Dieben. Sie haben dort eine wertvolle Kupfertür gestohlen. Das Abdeckblech aus Kupfer war ebenfalls abmontiert. Die Täter hatten es gefaltet und unter Büschen versteckt. Möglicherweise waren sie gestört worden und wollten es später abholen.

Die Polizei bekommt 20 bis 30 Diebstähle jährlich von Friedhöfen gemeldet, quer über das gesamte Stadtgebiet verteilt. „Darunter fällt alles vom Statuen- und Handtaschen- bis zum Blumenklau“, sagt Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Es sei jedoch klar, dass die wirkliche Zahl der Delikte weit höher liegt. Aufgeklärt wird dagegen kaum ein Diebstahl. Jens Börner hat 2014 vier polizeiliche Schreiben bekommen, dass die Verfahren eingestellt sind. „Ich weiß leider, dass der Trend zu Buntmetalldiebstählen bundesweit weiter ansteigt. Vor allem in Großstädten gibt es wertvoll ausgestattete Grabstellen von früheren Persönlichkeiten. Das wissen heute leider auch die Täter“, sagt Börner. Bei Führungen wagt er sich deshalb kaum noch, auf die vielen wertvollen Details hinzuweisen, mit denen die Gräber geschmückt sind.

Börner hofft nun auf die Unterstützung von aufmerksamen Wertstoffhändlern. Bei ihnen versuchen die Diebe, das gestohlene Metall in Geld zu verwandeln. „Wir schauen durchaus sehr genau darauf, was wir angeboten bekommen“, sagt Felix Müller, der Chef des Dresdner Schrott- und Metallhandels Hans Müller junior. Im vergangenen Jahr habe er einen Fall gehabt, bei dem ihm ein kleinerer Händler offenbar gestohlenes Metall verkaufen wollte. „Ich habe ihm mitgeteilt, dass wir das nicht annehmen. Zudem schickt uns der Verband der deutschen Metallhändler fast täglich Meldungen über gestohlene Dinge, die wir sehr ernst nehmen“, sagt Müller, der auch seine Mitarbeiter diebsbezüglich schult.