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Wenn Diebe zum Arzt gehen

Jüngst traf es eine Görlitzer Hausarztpraxis, auch die Krankenhäuser haben immer wieder mal mit Kriminellen zu tun.

Der Chef des Sicherheitsdienstes am Klinikum, Mathias Basler, vor einem Überwachungsmonitor.
Der Chef des Sicherheitsdienstes am Klinikum, Mathias Basler, vor einem Überwachungsmonitor. © Nikolai Schmidt

Zuletzt erwischte es eine Görlitzer Hausärztin. Weil Diebe ihre Praxis in der Innenstadt heimgesucht hatten, musste sie Ende Mai sogar eine ganze Woche schließen. In der Hoffnung auf Hinweise veröffentlichte die Ärztin, die inzwischen aber nicht mehr wegen der Sache in der Öffentlichkeit stehen möchte, eine lange Liste mit dem Diebesgut, inklusive Bilder davon, auf Facebook. Eine rote Notarzttasche war zum Beispiel verschwunden, ein Ultraschallgerät, ein Stethoskop, Rechner, Diktiergeräte, Mini-PC, Tablet, sogar den Staubsauger packten die Kriminellen ein. Auch persönliche Gegenstände wie eine Uhr, ein Handy und einen Ohrring vermisste die Ärztin am nächsten Morgen - vieles, an dem ihr Herz hing, wie sie schrieb. 

Nach einigen Tagen war ein Teil der Beute wieder da, zu den genaueren Umständen ist nichts bekannt, es hieß auf Facebook lediglich: "Dank eurer aufmerksamen Augen und dem fleißigen Geteile, ist tatsächlich weiteres Diebesgut wieder aufgefunden worden." Auch die Polizei sagt zu dem Fall nicht viel, außer, dass noch umfangreich durch die Soko Argus ermittelt werde. Würde die Polizei mehr bekanntgeben, könne der Ermittlungserfolg in Gefahr sein, so Sprecher Kai Siebenäuger. 

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Arztpraxen und Krankenhäuser sind keine Hochsicherheitstrakte, Diebe haben oft leichtes Spiel. Doch die Sicherheitskonzepte werden umfassender - vor allem in den Kliniken.
Arztpraxen und Krankenhäuser sind keine Hochsicherheitstrakte, Diebe haben oft leichtes Spiel. Doch die Sicherheitskonzepte werden umfassender - vor allem in den Kliniken. © www.foto-sampedro.de

Medikamenten-Dieb gab sich als Krankenschwester aus

Einbrüche in Arztpraxen oder Krankenhäuser - es gibt sie immer wieder. Mitunter macht das dreiste Vorgehen der Diebe regelrecht fassungslos. So gab sich am Städtischen Klinikum Görlitz eine Frau vor einiger Zeit als Krankenschwester aus, um Medikamente stehlen zu können. Das misslang aber, denn der hauseigene Wachschutz konnte die Frau stellen. 13 Mitarbeiter hat der von Wachdienstchef Mathias Basler geführte Wachschutz - der zur Betriebsgesellschaft des Klinikums (BGK) gehört. Hauptaufgaben sind die Überwachung des Geländes, Hilfe und Unterstützung für Patienten und Besucher, beispielsweise, wenn diese den Weg nicht finden, und Kontrolle von Falschparkern.

Mathias Basler: "Wir kümmern uns darum, die Sicherheit der Patienten, Mitarbeiter und Besucher zu gewährleisten. Dafür sind wir auch nachts etwa sieben Stunden unterwegs und laufen das Gelände sowie die Gebäude ab. Um alles im Blick zu haben, helfen uns zahlreiche Videokameras, die an verschiedenen Stellen im Klinikum angebracht sind." Beim Ausschau halten nach Verdächtigen helfe auch die Erfahrung - wie etwa bei der falschen Krankenschwester.

Dass ein Wachdienst nötig ist, hat die Vergangenheit gezeigt. Im Städtischen Klinikum wurde unter anderem mal ein Laptop gestohlen, der aber laut Sprecherin Katja Pietsch später sichergestellt wurde. "Diebstähle kommen hin und wieder schon vor - aber momentan ist es relativ ruhig", so Katja Pietsch. Dafür tut das Haus - abgesehen vom Wachschutz - auch einiges. Neben der Videoüberwachung kooperiert das Klinikum mit der Polizei und es gibt auch gemeinsame Aktionen gegen Diebe. "Wir lassen uns von den Spezialisten der Polizei beraten, um besonders sensible Bereiche mit hochwertiger Medizintechnik zu sichern. Zudem sind unsere Mitarbeiter angewiesen, Fremde anzusprechen", sagt Katja Pietsch. Außerdem ist das Klinikum dabei, das gesamte Haus mit einer elektronischen Schließanlage auszustatten, in Teilen ist das bereits umgesetzt. Weitere Details sollen nicht preisgegeben werden - aus Sicherheitsgründen.

Carolus-Diebstahl nie aufgeklärt

Das Malteser Krankenhaus St. Carolus in Rauschwalde hält sich beim Thema Sicherheit mit öffentlichen Äußerungen gänzlich zurück. Zu schwerwiegend sind wohl die Erinnerungen an 2016. In jenem Jahr erwischte es das Haus ganz arg. Hier wurden damals Endoskope im Wert von 400.000 Euro gestohlen - wie sie beispielsweise für Magen- und Darmspiegelungen verwendet werden. Das Carolus-Krankenhaus war zu der Zeit nicht allein betroffen. Bundesweit meldeten etliche Kliniken ebenfalls Diebstähle von hochwertiger Medizintechnik. Man ging davon aus, dass es sich um organisierte Kriminalität handelte. Ein Täter des Einbruchs im Carolus, so erklärte die Polizei, konnte nicht festgestellt werden. 

Auch das Nieskyer Emmaus-Krankenhaus hatte während der Corona-Zeit einen Wachdienst. Aktuell wird geprüft, ob es für die Nachtstunden dauerhaft einen Wachdienst geben soll.
Auch das Nieskyer Emmaus-Krankenhaus hatte während der Corona-Zeit einen Wachdienst. Aktuell wird geprüft, ob es für die Nachtstunden dauerhaft einen Wachdienst geben soll. © Foto: André Schulze

Nächtlicher Wachschutz in Niesky

Am Nieskyer Emmaus-Krankenhaus hat man in den vergangenen Jahren keine größeren Einbrüche melden müssen. Allerdings räumt Pressereferent Victor Franke ein, dass kleinere Diebstähle vorkommen, wenn auch selten. Meist betreffen sie die Patientenzimmer. "Aus diesem Grund rufen wir die uns anvertrauten Menschen zu Vorsichtsmaßnahmen auf. So steht jedem Patienten ein eigenes Schließfach für Wertsachen zur Verfügung", sagt Franke. 

Darüber hinaus sind alle Arztzimmer im Krankenhaus mit Knauf ausgestattet - nicht nur zum Schutz vor Diebstählen, sondern auch zum Schutz von Mitarbeitern gegenüber gewalttätiger Übergriffe und der Sicherstellung des Datenschutzes. Die Zugänge zum Krankenhaus werden videoüberwacht. Seit Beginn der Corona-Zeit hat das Emmaus einen Wachschutz engagiert. "Wir prüfen derzeit, ob wir dauerhaft einen Wachdienst für die Nachtstunden einsetzen werden", sagt Victor Franke. 

Tipps von der Kassenärztlichen Vereinigung

Niedergelassene Ärzte wie die jüngst von Dieben heimgesuchte Ärztin in der Görlitzer Innenstadt müssen für die Sicherheit ihrer Praxen selbst sorgen. Rat und Unterstützung bekommen sie von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Diese hat beispielsweise im Internet technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz der Praxen aufgelistet. Schließsysteme, Alarmanlagen, Videoüberwachung gehören da zur äußeren Sicherung. Aber auch besondere Aufmerksamkeit bei der Auswahl von Reinigungspersonal wird empfohlen. Und für die Sicherheit der Patientendaten - denn diese können etwa beim Verlust von PC oder Laptop ganz schnell in falsche Hände geraten - empfiehlt die KVS Passwörter einzurichten, mit Firewalls und Anti-Viren-Software zu arbeiten, Smartphone-Inhalte zu verschlüsseln.

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