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Dies ist kein Fußgängertunnel

Spaziergänger und Radfahrer nutzten trotz Verbots die Röhren unterm Waldschlößchen. Das hat Konsequenzen: Mit Schildern, Lautsprechern und Polizeikontrollen wird gegen die Tunnelläufer vorgegangen.

© Marco Klinger

Peter Hilbert

Einen Monat nach der Eröffnung ist auf der Waldschlößchenbrücke der Alltag eingezogen. Zwischen 23.000 und 25.000 Fahrzeuge rollen über die Elbquerung und durch die Tunnel. Das überwachen Leiter Olaf Zimmermann und seine zwölf Mitarbeiter in ihrer Tunnelzentrale auf der Reicker Lohrmannstraße. Da die EU ihre Sicherheitsvorschriften verschärft hat, müssen die hochmodern ausgestatteten Röhren rund um die Uhr beobachtet werden.

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Die Eindringlinge: Bis zu 15 Fußgänger täglich in den Tunneln

Über fehlende Arbeit können sich die Überwacher nicht beschweren. An den ersten beiden Tagen nach der Eröffnung sind nicht nur sehr viele Fahrzeuge in den Tunneln unterwegs gewesen, sondern auch unerwünschte Eindringlinge, erläutert Straßenbauamtsleiter Reinhard Koettnitz, der sich regelmäßig von Überwachungschef Zimmermann ins Bild setzen lässt. 33 Kameras mit sogenannten Video-Detektoren erfassen das Geschehen in jeder Ecke der Tunnel und schwenken sofort zu den Brennpunkten des Geschehens – so auch, als ein Auto in der östlichen Ausfahrt liegen geblieben war oder Eindringlinge auftauchten. Allein am ersten Tag entdeckten die Überwacher 15 Fußgänger in den Röhren, vor allem im westlichen Zufahrtstunnel. Auch zahlreiche Radfahrer ließen sich durch Verbote nicht abschrecken.

Die Reaktion: Überwacher warnen Tunnelläufer per Lautsprecher

In solchen Fällen reagieren die Überwacher schnell, berichtet Zimmermann. Über hochmoderne Lautsprecher, sogenannte Grenzflächenhörner, fordern sie die Eindringlinge auf, sofort den Tunnel zu verlassen. Allerdings wird bei Schwarzradlern oft darauf verzichtet. Denn die kommen meistens von der Stauffenbergallee und brausen mit hohem Tempo den Berg durch die Röhre in Richtung Waldschlößchenbrücke hinab. „Wenn der Radfahrer so schnell fährt, sprechen wir ihn nicht an, damit er nicht vor Schreck vom Rad fällt“, berichtet Zimmermann. Mittlerweile kommen nicht mehr so viele unerwünschte Eindringlinge wie kurz nach der Eröffnung. Die Überwacher sichten wöchentlich nur ein bis zwei Fußgänger. Allerdings fahren ebenso viele Radler täglich unerlaubt vor allem durch den bergab führenden Haupttunnel.

Die Konsequenzen: Sperrschilderb und Polizeikontrollen

Fußgänger und Radfahrer im Tunnel provozieren Gefahren. In drei Fällen schätzten die Überwacher diese als so groß ein, dass die Röhren kurz gesperrt werden mussten. Große Staus habe es deshalb allerdings nicht gegeben. Zimmermanns Chef, Klaus Pohl, will jetzt auch auf andere Weise vorbeugen. Vorm breiten Betonbord des westlichen Zufahrtstunnels wird ein Absperrgeländer aufgestellt. Denn hier wurden viele Tunnelläufer gesichtet. Zudem hat der Abteilungsleiter Verkehrssteuerung noch zusätzliche Sperrschilder für Fußgänger und Radfahrer vorm großen Tunnelportal anbringen lassen. Auch gegen die Schwarzradler soll vorgegangen werden. „Wir erfassen jetzt die Zeiten und gucken uns an, ob es immer dieselben sind“, nennt Straßenbauamtschef Koettnitz einen weiteren Schritt. Dann soll die Polizei zu Kontrollen eingeschaltet werden.

Die Entlastung: Deutliche Effekte auf Albert- und Carolabrücke spürbar

Mit der hochmodernen Tunneltechnik ist Koettnitz zufrieden. „Die Systeme funktionieren sehr gut.“ Auch die Lüfter waren schon beim ersten Herbstnebel gefragt. Binnen weniger Minuten hatten sie ihn aus den Röhren geblasen.

Währenddessen sind Effekte für benachbarte Elbebrücken sichtbar. Bei ersten Zählungen werden die Fahrzeugzahlen ermittelt, die aber erst im Oktober vorliegen sollen. „Die Albertbrücke wird deutlich entlastet“, schätzt Koettnitz ein. Die Carolabrücke ebenfalls. Beim Blauen Wunder sei der Effekt aber nur gering.