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Diese Bruchbuden fallen

Altenberg greift jetzt Investoren unter die Arme. Die Stadt will Fördertöpfe für den Abriss anzapfen.

Von Mandy Schaks

Die Fotos mit den drei markanten Gebäuden in Altenberg könnten schon bald dokumentarischen Wert besitzen: Die Stadt will diese Schandflecken in Schellerhau, Bärenfels und in der Kernstadt endlich aus dem Ortsbild weghaben und unterstützt beim Abriss die Eigentümer. Eine andere Alternative – das zeigten die vergangenen Jahre – gibt es nicht mehr.

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Gunter Kaden, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Altenberg im Europark, wünscht sich, dass das ehemalige Fördermaschinenhaus von Schacht III bald verschwindet. Das Areal ist kein Aushängeschild für das Gewerbegebiet Fotos: Egbert Kamprath
Gunter Kaden, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Altenberg im Europark, wünscht sich, dass das ehemalige Fördermaschinenhaus von Schacht III bald verschwindet. Das Areal ist kein Aushängeschild für das Gewerbegebiet Fotos: Egbert Kamprath

Deshalb ebnete der Stadtrat noch zum Ende der Legislaturperiode den Weg. Denn die Zeit ist günstig. Die Stadt will dafür ein Förderprogramm nutzen, mit dessen Hilfe Brachflächen revitalisiert werden können. Das hat in der Vergangenheit schon geklappt, zum Beispiel beim Abriss der Brandruine vom Gasthof in Falkenhain. Auf dieser Fläche ist inzwischen ein Platz für Generationen mit Spiel- und Grillecke entstanden.

Was vielleicht einmal anstelle der drei maroden Gebäude gebaut werden kann, die jetzt abgerissen werden sollen, steht noch auf einem anderen Blatt. Erst einmal müssen die Ruinen weg. Geplant ist, dass die Stadt die Fördermittel beantragt und diese an die Eigentümer weiterreicht, damit sie sich von dieser schweren Last befreien können. Die Eigenmittel – je nach Projekt voraussichtlich zwischen zehn und fünfundzwanzig Prozent – muss die Stadt übernehmen.

Die drei Immobilien, um die es geht, sind allesamt geschichtsträchtig. Aber ihre Zeit ist vorbei. So haben Investoren lange versucht, dem ehemaligen Ferienhotel Sachsenhof in Bärenfels Leben einzuhauchen. Nach der Wende hat es noch kurz für einen neuen Namen gereicht. 1992 war Schluss. Damit endete eine lange Tradition, auch wenn sich das noch viele Jahre später kaum einer vorstellen konnte. Um 1900 wurde das Gebäude als Kurhotel Kaiserhof gebaut. Es gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg der Versicherungsanstalt Sachsen. Später übernahm die Einrichtung der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund, kurz FDGB genannt. Jahrzehnte war es das größte Ferienhaus am Platze, zu DDR-Zeiten unter dem Namen Max Niklas bekannt. Doch die Urlauber hatten nach der Wende andere Reiseziele, den FDGB gab es auch nicht mehr. Für die Immobilie fanden sich zwar Interessenten. Doch die Pläne gingen nicht auf. Mal sollte daraus ein Hotel mit Tagungsräumen werden. Mal eine Begegnungsstätte und Pflegeeinrichtung. Was blieb, ist ein leeres Haus, das zusehends verfällt. Inzwischen wird eingeschätzt, dass das Gebäude aufgrund seines ruinösen Zustandes eine öffentliche Gefahr darstellt. Da sich die Ruine zudem am Ortseingang von Bärenfels befindet, macht das keinen guten Eindruck auf die Touristen. Im Gegenteil, äußerst negative Auswirkungen auf die Entwicklung werden registriert. Deshalb soll das Gebäude nun weg.

Ebenso eine weitere touristische Brache – das Casino in Schellerhau. Das Objekt gehört zur Hotelanlage Stephanshöhe, ist ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten. Das Hotel war damals auch ein FDGB-Ferienheim und nannte sich Otto Buchwitz. Es gab aber damals schon Unterkünfte bei privaten Vermietern im Ort. Die wurden beköstigt und unterhalten im benachbarten Casino, das nach der Verpflegung der FDGB-Urlauber auch für andere Gäste geöffnet hatte. Auch Wohnungen für Mitarbeiter befanden sich in dem Gebäudekomplex. Den braucht aber längst keiner mehr. Und allmählich wird die Situation kritisch. Aufgrund des baulichen Zustandes und der Größe der Objekte gehe von diesen eine Gefahr aus, schätzt die Stadtverwaltung ein. Und der Anblick erfreut auch nicht gerade Touristen. Deshalb plädieren Stadt und Eigentümer für einen Abriss.

Der soll nun endlich auch am ehemaligen Fördermaschinenhaus vom einstigen Schacht III erfolgen. Dort hat der Zinnerz-Betrieb früher Material unter Tage bzw. wieder nach oben befördert. Zum Teil sind hier auch Bergleute ein- und ausgefahren. Seit die Erzförderung eingestellt wurde, ist auch das Haus übrig. Das hat einen neuen Eigentümer gefunden, doch der kann nur noch den Bagger kommen lassen. Zu schlecht ist auch hier die Bausubstanz. Ist die Fläche frei, kann sich hier etwas Neues entwickeln. Denn das Gelände liegt im Gewerbegebiet Europark.