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Weltranglisten im Boxen sind skandalös

Nach der krachenden Niederlage von Tom Schwarz stellt sich die Frage, wie so ein Duell zustande kommt. Ein Kommentar von Alexander Hiller.

© dpa/John Locher

Jene Menschen, die sich als Experten verstehen, werden nach dem unmissverständlichen Ergebnis in Las Vegas genüsslich aufatmen: „Haben wir doch gleich gesagt.“ In der Tat ist lediglich das eingetreten, was die große Mehrheit der Boxanhänger geahnt oder befürchtet hatte – je nach Blickwinkel. Favorit Tyson Fury hat dem überforderten Deutschen Tom Schwarz eindeutig dessen überschaubare Grenzen aufgezeigt. Daran ist nichts auszusetzen.

Skandalös oder mindestens schwer vermittelbar ist, wie das Duell zustande kam – nämlich anhand der Weltranglistenposition der WBO, einer der vier großen anerkannten Weltorganisationen im Preisboxen. Auf jener Einordnung wurde Schwarz als Inhaber des sogenannten Intercontinental-Gürtels, was auch immer das ist, auf Position zwei geführt, sein Rivale Fury direkt dahinter. Dabei hat der junge deutsche Faustkämpfer vor seiner Ring-Demütigung noch nicht einmal gegen einen Athleten aus den Top 50 einer weitestgehend unabhängigen Weltrangliste gestanden.

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Dass all diese Listen hochnebulös und realitätsfremd sind, hat der kurzrundige Kampf in Las Vegas vorgeführt. Denn die Ranglisten der Konkurrenzverbände WBA, IBF und WBC sind nicht weniger skurril. Die WBA führt beispielsweise den in Deutschland lebenden Syrer Mahmoud Charr tatsächlich als regulären Schwergewichts-Weltmeister, obwohl der seit fast zwei Jahren nicht mehr geboxt hat. Darüber thront als Super-Champion der Sensations-Weltmeister von vergangener Woche – der Mexikaner Andy Ruiz Jr.

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Eine Debatte über Sinn und Unsinn solcher Ranglisten würde dem Ansehen des globalen Faustkampf-Geschäfts nicht schlecht zu Gesicht stehen, wobei sich solche Vergleiche David gegen Goliath dann am Ende doch besser verkaufen. Letztlich spielt das im Profiboxen noch immer eine größere Rolle als Gefechte auf Augenhöhe – die Revanche von Deontay Wilder gegen Fury, Fury gegen den gestrauchelten Anthony Joshua, Schwarz gegen einen deutschen Spitzenmann.

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