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Diese Freizeit-Attraktion ist der Knaller

In nur wenigen Tagen wurde an der Rathausallee in Bernsdorf ein Parcours aus dem Boden gestampft – für (fast) alles, was Räder hat.

Von Ralf Grunert
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Zu Beginn der vergangenen Woche starteten die Arbeiten am Pumptrack der neuen Freizeitanlage „Bike & Chill“ an der Rathausallee in Bernsdorf. Heute soll er fertig werden.
Zu Beginn der vergangenen Woche starteten die Arbeiten am Pumptrack der neuen Freizeitanlage „Bike & Chill“ an der Rathausallee in Bernsdorf. Heute soll er fertig werden. © Foto: Ralf Grunert

Bernsdorf. Einem großen Ameisenhaufen gleicht das Areal der just um diese Zeit vor drei Jahren abgerissenen Portalkrananlage an der Rathausallee in Bernsdorf in diesen Tagen. Anfangs wuselte da nicht mal eine Handvoll junger Leute. Beim Modellieren des Geländes mit zahlreichen Hügeln kamen weitere und schweres Gerät hinzu. Zuletzt war die Augsburger Firma Konrad Willar mit einem 15-köpfigen Aufgebot vor Ort, um der neuen Bernsdorfer Attraktion den Feinschliff zu geben. Steilkurven und Wellen wurden in Handarbeit asphaltiert.

Montagabend, eine Woche nach Baubeginn, war bereits mehr als die Hälfte des Parcours, der in Biker-Kreisen als Pumptrack bezeichnet wird, fertiggestellt. Heute sollen die Restarbeiten erledigt werden. Gestern wurde die Anlage schon mal von den Erbauern getestet. Die jungen Leute sind selbst alles Biker und Mountainbiker, darunter auch Deutsche Meister, ließ der Leipziger Max Hörter bei einer Stippvisite auf der Baustelle wissen. Es ist die 35. Anlage dieser Art, die von der Augsbuger Firma errichtet wurde, und die erste in Sachsen.

Den Auftrag dazu hat die Stadt Bernsdorf erteilt. Knapp 93.000 Euro kostet dieser erste Teil der neuen Freizeitanlage „Bike & Chill“. Neben dem Pumptrack (siehe Erläuterung am Ende des Artikels) gehören dazu auch eine asphaltierte Zufahrt und ein Zaun als Abgrenzung zur Rathausallee. Ein zweiter Bauabschnitt soll im kommenden Jahr folgen. Dazu gehören die Schaffung von zwei Pavillons, eines Grillplatzes, einer Graffiti-Wand sowie diverser Sitzgelegenheiten. Sogar eine Beleuchtung ist vorgesehen. Weitere 66.500 Euro soll das alles kosten. Die Stadt beantragt auch dafür Fördermittel beim Dresdner Heidebogen.

Die Eltern und Jugendlichen, die den Anstoß für das Projekt „Bike & Chill“ gegeben und auch die Stadträte dafür begeistert haben, verfolgen von Beginn an das Baugeschehen. Zur Modellierung des Geländes wurden 1.300 Tonnen Schotter verwendet und beim Anlegen der Rollerbahn etwa 80 Tonnen Asphalt verarbeitet. Das reicht für 400 Quadratmeter, verteilt auf eine Länge von etwa 130 Metern. Damit gehört der Pumptrack in Bernsdorf zwar zu den kleineren von der Augsburger Firma errichteten. Die größte steht seit diesem Jahr in Mettingen und bringt es auf 1.300 Quadratmeter. Dennoch ist die Bernsdorfer Anlage ein Knaller und vor allem auch ein Unikat. „Man sieht, dass hier Profis am Werk sind“, meinte Bürgermeister Harry Habel am Montagabend bei einem Baustellenbesuch. Und Kämmerer Dirk Wuschansky merkte an, dass sich die Stadt erhoffe, dass die Anlage von einem großen Personenkreis genutzt wird, nicht nur von den Bernsdorfern selbst. Max Hörter jedenfalls geht davon aus, dass der Pumptrack eine große Anziehungskraft haben wird. „Er ist für (fast) alles geeignet, was Räder oder Rollen hat.“

Freizeitvergnügen und anspruchsvoller Sport

Ein Pumptrack ist ein geschlossener Rundkurs mit Wellen, Steilkurven und Rampen für Sprünge. Beim Fahren auf dem Pumptrack wird Geschwindigkeit ausschließlich durch Gewichtsverlagerung und gezielte Zieh- und Drückbewegungen aufgebaut. Mit ein wenig Übung kann der Track ganz ohne Pedalumdrehung durchfahren werden. Das Be- und Entlasten – das sogenannte „Pumping“ – funktioniert auch mit anderen Sportgeräten. So kann ein Pumptrack auch mit Skateboard, Longboard, Inlineskates oder Scooter befahren werden. Das Nutzerspektrum ist breit, vom Dreijährigen mit dem Laufrad bis zu versierten Fahrern, die ihr Können immer wieder von Neuem unter Beweis stellen und immer ausgefeiltere Tricks präsentieren. Gut zu wissen, dass jeder, der Fahrrad fahren kann, auch auf einem Pumptrack fahren kann. (Quelle: pumptrack.de)

So sah das Gelände der ehemaligen Portalkrananlage vor dem Rest-Abriss aus. Es ist in etwa die Blickrichtung wie auf dem großen Foto oben.
So sah das Gelände der ehemaligen Portalkrananlage vor dem Rest-Abriss aus. Es ist in etwa die Blickrichtung wie auf dem großen Foto oben. © Archivfoto: Ralf Grunert
Ende Oktober vor drei Jahren wurden die Überreste der Industrie-Brache beseitigt. Dazu gehörten Betonflächen, Stahlträger und der Flachbau (rechts im Hintergrund).
Ende Oktober vor drei Jahren wurden die Überreste der Industrie-Brache beseitigt. Dazu gehörten Betonflächen, Stahlträger und der Flachbau (rechts im Hintergrund). © Foto: Ralf Grunert