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Dresden

Diese Fünf wollen in den Stadtrat

Schiefe Blicke, Ausgrenzung, merkwürdige Fragen - das haben die Kandidaten oft selbst erlebt. Was sie sich von den Dresdnern, aber auch von Flüchtlingen wünschen. 

Einmal im Monat tagt der Stadtrat im Dresdner Rathaus.
Einmal im Monat tagt der Stadtrat im Dresdner Rathaus. ©  Robert Michael

Wenn am 26. Mai der neue Stadtrat gewählt wird, treten hunderte Kandidaten in den Wahlkreisen an. Darunter auch fünf Menschen mit Migrationshintergrund. Neben ihnen leben derzeit 63.050 Migranten in der Stadt. Dies entspricht einem Anteil von rund 11,3 Prozent der Dresdner.

Eter Hachmann, Kandidatin in Blasewitz für die SPD

© SPD, Julian Hoffmann

"Nicht alle dunkelhaarige Menschen und sogar nicht alle Muslimas tragen einen Kopftuch.Deutsch kann man tatsächlich auch als Zweitsprache haben und trotzdem alles verstehen oder kommunizieren können “, sagt Eter Hachmann, Stadtratskandidatin in Blasewitz für die SPD. Die 29-Jährige Politikwissenschaftlerin mit georgischen Wurzeln wünscht sich neben Toleranz und Teilhabe für alle. Eine Schule in Prohlis sollte genauso gut sein wie eine in Striesen, Kultur und Kunst sollten für alle zugänglich und bezahlbar sein, die Kitas und Schulen beitragsfrei. Von den Flüchtlingen wünscht sie sich: "Ich würde allen empfehlen, die deutsche Sprache zu lernen."

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Kristina Juneviciute, Kandidatin für die CDU in Gorbitz

© CDU

"Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Bildung und Arbeit eine Schlüsselrolle für gelungene Integration spielen. Daher möchte ich mich für die Verbesserung der Betreuung und Sprachförderung in den Kitas einsetzen sowie für den Ausbau der Schulsozialarbeit", sagt Kristina Juneviciute, Stadtratskandidatin für die CDU in Gorbitz. Die 36-jährige Referentin im öffentlichen Dienst stammt aus Litauen und kam 2007 zum Studium nach Dresden. Sie stellt fest: Vorurteile entstehen oft aus Mangel an Informationen und der Angst vor Fremden, welche durch gezielte Parolen befeuert wird. Sie sieht es als Aufgabe der Politik, mehr in Aufklärung und Bildungsprogramme zu investieren.

Rasha Nasr, Kandidatin für die SPD für Dresden-Mitte

© SPD, Julian Hoffmann

"Ich bin Deutsche - sehe aber arabisch aus. Es ist schon oft passiert, dass mir hinterher gerufen wurde, ich solle „nach Hause“ gehen, dabei war ich ja schon zu Hause. Oft werde ich in der Bahn gemieden, besonders ältere Menschen trauen sich nicht, sich neben mich zu setzen“, sagt Rasha Nasr, Stadtratskandidatin für die SPD für Dresden-Mitte. Die 26-Jährige mit syrischen Eltern wünscht sich eine interkulturelle Öffnung und ein Dresden, das alle Menschen respektiert – egal, ob hier geboren oder zugezogen. Sie fordert, dass es amtliche Dokumente mehrsprachig geben soll. Ihr Ziel: Dresdner Unternehmer dazu zu animieren, ausländischen und geflüchteten Menschen eine Perspektive zu geben.

Emiliano Chaimite, Kandidat für die SPD in der Neustadt

© Foto: SZ-Archiv

"Ich konnte in Dresden meinen Bildungshunger stillen, beruflich verwirklichen und in der Liebe klappte es auch. Vereine und die Kirche halfen bei meiner Integration", sagt Emiliano Chaimite, Stadtratskandidat für die SPD in der Neustadt. Der 52-jährige Krankenpfleger stammt aus Mosambik und  lebt seit 1991 in Dresden. "Leider geschah kurz nach meine Ankunft in Dresden, der Mord an Jorge Gomondai und der damit einhergehende Rassismus, Hass und Gewalt, war kein Zeichen von Willkommen."   Von den Dresdnern wünscht er sich, dass sie Menschen mit Migrationshintergrund nicht als Fremde begreifen, sondern Kontakte suchen und sie in Vereine und Sportgruppen integrieren. Und andersherum von den Flüchtlingen, dass sie sich für die Kultur und Bräuche interessieren, respektieren und annehmen.

Viktor Vincze, Kandidat für die CDU in Löbtau und Cotta

© CDU

"Das Zusammenleben kann nur dann funktionieren, wenn wir nicht über- sonder miteinander reden. Klar und lösungsorientiert. In den letzten Jahren war die Lokalpolitik eher eine unterirdische Schlammschlacht als das gemeinsame Ringen im Interesse unserer Stadt“, sagt Viktor Vincze, Stadtratskandidat für die CDU, der vorher bei den Grünen war. Der 42-Jährige mit ungarischen Wurzeln arbeitet als Kulturdiplomat und fordert: „Wir müssen endlich Tacheles reden. Unerlässlich ist das Interesse am Erlernen der deutschen Sprache und die Akzeptanz unserer Grundwerte sowie Gesetze.“ Wir können nicht erwarten, das jeder sie sofort kennt. Es ist unsere Aufgabe sie ihnen näherzubringen, zu zeigen und vorzuleben.