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Die Geheimnisse der Reichenbacher Ortsteile

Jedes ehemalige Dorf kann eine interessante Geschichte erzählen. Meist spielen Schlösser, Mühlen und Herrenhäuser darin eine bedeutende Rolle.

Das Schloss (l.) ist markanter Blickfang von Mengelsdorf. Von der Caritas wird es als Wohnstätte genutzt.
Das Schloss (l.) ist markanter Blickfang von Mengelsdorf. Von der Caritas wird es als Wohnstätte genutzt. © Ralph Schermann

Rund um Reichenbach kennt die Landkarte unserer Region sehr viele Dörfer. Zahlreiche sind in den vergangenen Jahren als Ortsteile in die Kleinstadt eingemeindet worden. Und gleich fünf davon haben runde Geburtstage. Wir stellen sie vor:

Mengelsdorf fand würdige neue Schlossherren

Eigentlich gab es gerade mit dem Ort Mengelsdorf in der jüngsten Vergangenheit schon so manche Querelen um die Geburtstagsfeiern, immerhin beging man 2012 schon mal die 625-Jahr-Feier. Doch manchmal finden sich in den Archiven eben auch bisher nicht bekannte Daten. Danach ist es Fakt, dass der Ort im Jahr 1320 in einem Görlitzer Stadtbuch als „Mengeresdorph“ auftaucht. Die Folge: Der Ort Mengelsdorf kann in diesen Tagen auf stolze runde 700 Jahre seit seiner einstigen Ersterwähnung verweisen.

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Seit 1994 gehört es zu Reichenbach, mit dem es kirchlich schon immer verbunden war. Mengelsdorf selbst hat im Lauf der Zeit auch Eingemeindungen erfahren, etwa Löbensmüh und Feldhäuser, und bringt es mit diesen heute auf knapp 500 Einwohner. Eine Schule gab es von 1720 bis 1970. Bekannt ist vor allem das um 1860 in Anlehnung an den englischen Tudorstil neogotisch erbaute Schloss als Sitz der Gutsherren, nach der Enteignung 1945 dem Caritas-Verband zugesprochen. Damals waren Waisenkinder und Vertriebene aus dem einstigen Osten Deutschlands die ersten Bewohner. Heute wird es nach grundlegendem Umbau (1996) als Caritasheim St. Hedwig als sozialtherapeutische Wohnstätte für psychisch kranke Menschen genutzt.

Oehlisch war einst ein Mühlenort. Heute erinnert zumindest die alte Ruine der früheren Hänschmühle noch daran.
Oehlisch war einst ein Mühlenort. Heute erinnert zumindest die alte Ruine der früheren Hänschmühle noch daran. © Ralph Schermann

Oehlisch war einst fest in der Hand der Müller

Der Ort, mit heute rund 50 Einwohnern, tauchte 1420 erstmals als „Alisch“ oder „Aelisch“ auf, ist also 600 Jahre alt. Bis 1952 gehörte Oehlisch zum Kreis Löbau, wurde später zusammen mit Goßwitz Görlitz zugeordnet und gehört seit 1974 zu Reichenbach. Frühe Wurzeln finden sich an der Belgermühle, einer von einst vier Mühlen des Ortes. Dort gab es eine slawische Wallanlage aus dem 10. Jahrhundert. Sie wurde 1881 vernichtet, 1925 aber Stätte neuer archäologischer Grabungen. Als ab 1839 Oehlisch einen gewählten Gemeinderat bekam, waren dessen Vorsteher meist die Mühlenbesitzer. 1960 hatte der kleine Ort landwirtschaftlich viel zu bieten: Er verfügte von da an nämlich gleich über zwei LPGs mit 116 Hektar Land, die später an die Kooperation Reichenbach fielen.

Zoblitzer Schmuckstück: Das frühere Herrenhaus wurde 2014 zum Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehrdepot umgebaut.
Zoblitzer Schmuckstück: Das frühere Herrenhaus wurde 2014 zum Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehrdepot umgebaut. © Ralph Schermann

Zoblitz fand Geld und stand schon früh unter Strom

Nordöstlich vom Rosenhainer Berg gelegen, blickt Zoblitz auf 675 Jahre zurück. Als „Zebelusk“ wurde es 1345 erstmals erwähnt. Nach 1800 fand ein Bauer auf seinem Feld hier ein Gefäß mit mehreren hundert Silbermünzen aus dem 11. Jahrhundert, die auf eine Verbindung zur Handelsstraße Via Regia ebenso hindeuten wie auf eine einst auf dem Rotstein befindliche Burg. Schon 1911 wurde Zoblitz elektrifiziert, nämlich mit Strom aus dem Braunkohlelager Kleinsaubernitz. Am Rosenhainer Berg betrieben die Zoblitzer damals ein Beizwerk, in dem Holzmasten für die Elektroleitungen imprägniert wurden. Zoblitz bekam auch früh schon einen Eisenbahn-Haltepunkt, war bis 1994 selbstständiges Dorf im Kreis Löbau und kam dann mit rund 220 Einwohnern zu Reichenbach.

Dittmannsdorf betreibt auch eine baulich wichtige Denkmalpflege: Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert gehört dazu.
Dittmannsdorf betreibt auch eine baulich wichtige Denkmalpflege: Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert gehört dazu. © Ralph Schermann

Dittmannsdorf versteckt einen seltenen Tulpenbaum

Die rund hundert Bewohner dieses Waldhufendorfes können auf 700 Jahre zurückblicken, weil ein „Ditmaresdorph“ 1320 erstmals urkundlich und damit offiziell Erwähnung fand. Im Jahr 1950 wurde Dittmannsdorf mit Biesig vereinigt, seit 1994 ist man Reichenbacher Ortsteil. Erwähnenswert ist vor allem das unter Denkmalschutz stehende Herrenhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es ist heute von mehreren Mietparteien bewohnt, was sicher viele touristisch Interessierte abschreckt, der Beschilderung an der Bushaltestelle zu folgen. 

Diese verspricht nämlich hinter der Mauer des Grundstückes einen sehenswerten Park mit einem Tulpenbaum und einem Teich. Direkt an der Hauptstraße indes steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Auch Dittmannsdorf gehörte schon lange zu Reichenbach, nämlich für die Kirchgänger. Kinder fanden ab 1828 ihren Weg zum Schulverband Meuselwitz, ab 1950 nach Reichenbach. 1970 bekam Dittmannsdorf Anschluss ans zentrale Trinkwassernetz.

In Goßwitz diente das 1914/1916 errichtete schlossähnliche Gutsgebäude als „Haus Landfrieden“ in der DDR als Heim für Schwerbehinderte, nach der Wende noch viele Jahre der Lebenshilfe e. V., bis die Bewohner nach Rauschwalde umzogen. Heute steht das vor a
In Goßwitz diente das 1914/1916 errichtete schlossähnliche Gutsgebäude als „Haus Landfrieden“ in der DDR als Heim für Schwerbehinderte, nach der Wende noch viele Jahre der Lebenshilfe e. V., bis die Bewohner nach Rauschwalde umzogen. Heute steht das vor a © Ralph Schermann

Gosswitz verdankt schwarzen Schweinen einen guten Ruf

Es war das Jahr 1345, als Goßwitz erstmals schriftlich in einer amtlichen Urkunde erwähnt wurde, nämlich als „Coswicz“ in der Verlehnung für Heinrich von Kittlitz. Das ehemalige Einzelgut liegt am Schwarzen Schöps und ist auch unter einem obersorbischen Namen in Archiven zu finden: „Hoscilecy“. Die heutige Schreibweise gilt seit dem Jahr 1767 und löste damals das 1642 eingeführte „Costwitz“ ab.

Mittlerweile leben noch knapp hundert Menschen hier, die nun den 675. Geburtstag ihres Dörfchens feiern könnten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Goßwitz dem Ort Oehlisch zugeschlagen, heute ist es ebenfalls ein Reichenbacher Ortsteil. Das Gut Goßwitz, im 16. Jahrhundert übrigens von Erasmus dem Jüngeren von Gersdorff verwaltet, machte um 1930 durch eine Besonderheit von sich reden: Hier wurden schwarze Schweine gezüchtet. Es handelte sich wohl um die von der iberischen Halbinsel stammenden Pata Negra Schweine, die als Basis für die teuerste und beste Schinkensorte der Welt gelten.

Dem heutigen Ort Goßwitz Gesicht gab allerdings erst die Bodenreform, auch wenn sie manchem zum Ärger 1945 das Gut zersiedelte. Dadurch aber entstanden Häuser und Wirtschaften, wie man sie nun im Ortsbild kennt. Texte: Ralph Scherman

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