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Diese Geschäfte dürfen wieder öffnen

Läden bis 800 Quadratmeter Fläche müssen nicht länger geschlossen bleiben. Doch noch herrscht bei Görlitzer und Nieskyer Händlern Unsicherheit.

Georg Schwind kann sein Modehaus Schwinds Erben in Görlitz am Montag wieder öffnen.
Georg Schwind kann sein Modehaus Schwinds Erben in Görlitz am Montag wieder öffnen. © Archiv: Nikolai Schmidt

Es war für viele die erleichternste, aber auch umstrittenste Zusage der Bundeskanzlerin bei der Pressekonferenz am Mittwoch zu den neuen Corona-Regeln des Bundes. Bundesländer sollen künftig inhabergeführte Geschäfte, die über weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügen, wieder öffnen dürfen. Zum Vergleich: Das ist so groß wie ein durchschnittlicher Netto-Supermarkt.

Für viele Inhaber ist diese Nachricht eine Erlösung. Seit Wochen sind ihre Geschäfte zu, viele Angestellte in Kurzarbeit, die finanziellen Rücklagen angegriffen. Vor allem Görlitz profitiert, wo es in der Innenstadt noch immer viele Einzelhändler gibt. Ab Montag soll das Geschäft wieder anlaufen, allerdings unter strengen Hygienevorschriften. Zwei Meter Abstand müssen eingehalten werden - das limitiert auch die Zahl der Kunden pro Geschäft.

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Große Geschäfte bleiben zu

Das Görlitzer City-Center: nur wenige Läden haben hier im Moment offen. Wer ab Montag dazu kommt, das steht noch immer nicht fest. Expert will es versuchen.
Das Görlitzer City-Center: nur wenige Läden haben hier im Moment offen. Wer ab Montag dazu kommt, das steht noch immer nicht fest. Expert will es versuchen. © Archiv/Suhrbier

Georg Schwind ist trotzdem erleichtert. Ihm gehört das Modegeschäft Schwind's Erben auf der Elisabethstraße, er hatte sich gerade mit der neuen Frühjahrsmode eingedeckt, dann kam der Shutdown. "Unsere Verkaufsfläche beträgt etwa 500 Quadratmeter, wir werden ab Montag wieder öffnen!", sagt er. 

Für ihn ist die Regelung relativ klar. So geht es nicht allen, vor allem an der 800-Quadratmeter-Grenze erhitzen sich die Gemüter. Die Kanzlerin argumentiert die Grenzziehung damit, dass größere Geschäfte schlechter überschaubar und damit grundsätzlich eine größere Infektionsgefahr darstellen.

Das können manche nicht nachvollziehen. Sascha Krause ist Marktleiter des Expert Esc in Görlitz. "Unsere Gänge sind schon aus Brandschutzgründen 1,5 Meter breit", sagt er. Damit sei deutlich mehr Platz für Distanz als in anderen Geschäften, die aber öffnen dürfen. 

Kurzfristige Öffnung wäre ein Kraftakt

Sein Markt im Görlitzer City-Center ist mit rund 1.000 Quadratmetern zu groß. Doch Krause hätte eine Lösung im Angebot. "Zur Not würde ich einen Bereich einfach absperren, um auf die erforderliche Größe zu kommen." Ob das möglich ist, weiß er nicht. Zumal er im City-Center liegt, was ein Einkaufszentrum ist. Und diese sollen von der Öffnung ausgenommen bleiben, hieß es am Mittwoch von der Bundesregierung.

Im Neiße-Park war es in den vergangenen Wochen ruhig, ob ab Montag wieder mehr Leben einzieht - so wie auf dem Foto von 2018 - wird sich erst am Montag entscheiden, die Betreiber wollen klare Regularien abwarten.
Im Neiße-Park war es in den vergangenen Wochen ruhig, ob ab Montag wieder mehr Leben einzieht - so wie auf dem Foto von 2018 - wird sich erst am Montag entscheiden, die Betreiber wollen klare Regularien abwarten. © Archiv: Nikolai Schmidt

Trotzdem bereitet er sich auf den Montag vor, auch wenn es kurzfristig sei und es ein Kraftakt wäre, am Montag genügend Angestellte zu mobilisieren. Für alles andere sei gesorgt: "Wir haben zum Glück mehrere Kanister mit Desinfektionsmittel und unsere Kassen bereits mit Schutzvorrichtungen ausgestattet."

Öffnung der Einkaufszentren unklar

Die Lage der Einkaufszentren wird sich wohl erst mit der Allgemeinverfügung der Landesregierung endgültig klären, die für Freitag erwartet wird. Für die Betreiber heißt es: abwarten. "Es kann durchaus sein, dass wir am Montag öffnen dürfen", sagt die Managerin des City-Centers Sandra Waschow, "wir bereiten uns zumindest darauf vor." 

Mit dem Spielemaxx und dem C&A überschreiten hier neben dem Expert Esc noch zwei weitere Läden die magischen 800 Quadratmeter. Sie werden voraussichtlich geschlossen bleiben. Ähnlich sieht es im Neißepark aus. "Wir werden am Montag wissen, welche Geschäfte wieder öffnen dürfen", heißt es vom Management.

Niesky hat kein Größenproblem

Das Problem mit der Größe der Verkaufsfläche hat die Stadt Niesky nicht. Selbst die großen Einkaufsmärkte liegen unter den 800 Quadratmetern, die als Obergrenze festgelegt sind. Zumal diese Märkte sowieso offen geblieben sind und ihr gesamtes Sortiment anbieten dürfen, während Einzelhändler ihre Läden schließen mussten. Betroffen davon ist auch Andreas Vetter. Sein Sportfachgeschäft misst rund 300 Quadratmeter. Somit darf er ab Montag wieder öffnen - und das freut ihn sehr. "Wir hatten jetzt vier Wochen keinen Umsatz, müssen die laufenden Betriebskosten aber weiter aufbringen. Ewig wäre das so nicht gegangen", sagt der Geschäftsinhaber.   

Hinzu kommt, dass Andreas Vetter zu Jahresbeginn schon die Ware für das Frühjahr bestellt hat und sie bereits an die Kunden bringen wollte. Mit der Schließung kam die Befürchtung, darauf sitzen zu bleiben. Aber das ändert sich jetzt. Freude herrscht auch bei seinen Verkäuferinnen, die mit dem Neustart die Kurzarbeit hinter sich lassen können. "Wichtig ist mir, dass ich niemanden entlassen musste", fügt Andreas Vetter an.   

Andreas Vetter (rechts) und Sohn Martin Vetter eröffneten am 13. März 2019 ihr Sportfachgeschäft am neuen Standort. Dass sie ein Jahr später wegen einem Virus schließen mussten, war nicht vorherzusehen. Aber ab Montag ist das Geschäft in Niesky wieder geö
Andreas Vetter (rechts) und Sohn Martin Vetter eröffneten am 13. März 2019 ihr Sportfachgeschäft am neuen Standort. Dass sie ein Jahr später wegen einem Virus schließen mussten, war nicht vorherzusehen. Aber ab Montag ist das Geschäft in Niesky wieder geö © André Schulze

Kunden auf Abstand halten

Für Gudrun Lehmann ist es "eine Freude, dass es wieder losgehen kann". Sie führt das Geschäft Mode-Schuh am Zinzendorfplatz. Wie bei Andreas Vetter steht auch bei ihr die Frühjahrskollektion in den Regalen und wartet auf die Füße der Kunden. Ihre Mitarbeiterin musste Gudrun Lehmann in Kurzarbeit schicken, aber ab neue Woche ist sie wieder mit im Laden. Wie alle Händler, die jetzt wieder öffnen, ist Gudrun Lehmann verpflichtet, die weiterhin gültigen Regeln zu Abstand und Desinfektion einzuhalten.  

Abwarten will noch Roland Mitschke. Zusammen mit Michel Holzheuer führt er die Elektronikmärkte Expert in Niesky und Weißwasser. Am Freitag will der sächsische Landtag die Lockerung der Corona-Regeln im Freistaat beschließen. Danach dürfte klar sein, wie die Händler damit umgehen müssen. Für Roland Mitschke steht fest, dass für die Kunden Abstandsstreifen auf den Teppichboden geklebt werden, Desinfektionsmittel bereit steht und auch Schutzmasken für das Personal vorhanden sind.      

Baumarkt wieder offen

Am Montag öffnet auch der Obi-Markt im Gewerbegebiet Süd wieder. Die Vorbereitungen dazu laufen, sagt Marktleiter Toni Mambk. Auch er wartet darauf, was der Landtag am Freitag beschließt und was für ihn als Händler dann bindend sein wird. Bisher durfte Obi, wie die anderen Baumärkte, nur an gewerbliche Kunden Waren verkaufen.

Ob und wie Deichmann seine Filialen in Niesky und Görlitz ab Montag wieder öffnet, ist noch nicht entschieden. Unternehmenssprecherin Sonja Schröder teilt auf Nachfrage der SZ mit, dass Deichmann einen Teil seiner  Geschäfte schrittweise wieder eröffnen kann. "Wir sind momentan dabei zu prüfen, um welche Filialen es sich handelt. Konkretere Aussagen zu machen, ist im Moment noch schwierig, da die Vorgaben in den Bundesländern teilweise voneinander abweichen und es auch auf lokaler Ebene in einigen Fällen spezielle Regelungen gibt." Derzeit arbeitet der Schuhhändler an einem Konzept, wie er die behördlichen Auflagen erfüllen kann. Dabei steht im Vordergrund: Die Gesundheit der Kunden und Mitarbeiter hat oberste Priorität. 

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