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Diese Gräber suchen Retter

Der Schatz der Denkmäler auf dem Taucherfriedhof ist in Gefahr. Doch nicht alle wollen das hinnehmen.

Von Christoph Scharf

Wer spendet für das Grab von Otto Weigang? Unter der Überschrift berichtete die SZ vor vier Wochen über den Zustand der letzten Ruhestätte des einstigen Bautzener Ehrenbürgers, Druckereibesitzers und Wohltäters. Da hatten gerade zwei ältere Damen Hacke und Harke in die Hand genommen, um das zugewucherte Grabmal in Ordnung zu bringen.

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An der Ruhestätte des Bautzener Malers August Heino wachen zwei Jünglinge.
An der Ruhestätte des Bautzener Malers August Heino wachen zwei Jünglinge.
Ein Engel erinnert an einen Anwalt – geschaffen hat ihn ein berühmter Künstler.
Ein Engel erinnert an einen Anwalt – geschaffen hat ihn ein berühmter Künstler.
Familie Janus ist mit einem Januskopf auf dem Friedhof vertreten. Fotos: Robert Michalk
Familie Janus ist mit einem Januskopf auf dem Friedhof vertreten. Fotos: Robert Michalk

Der freiwillige Arbeitseinsatz war allerdings keine Lösung für die Ewigkeit. Dazu fehlte Geld für eine dauerhafte Bepflanzung. Ein jährlicher Efeu-Schnitt lässt sich für die Mitarbeiter des Taucherfriedhofs leichter bewältigen, als die Pflege einer Blumenrabatte. Und der Aufruf in der SZ zeigte Wirkung: „Binnen weniger Tage haben sich fünf Leute bei mir gemeldet“, sagt Friedhofsverwalter Robert Eckhardt.

So bot der Bautzener Jurist Rainer Schneider an, die Efeupflanzen für das Grab von Otto Weigang kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Ich denke, wer Bautzen so viel gegeben hat, dessen Andenken sollte würdig gewahrt bleiben“, sagt der Eigentümer der Husarenkaserne. Außerdem will seine Firma Saxbau-Schneider den beiden fleißigen Damen einen Scheck über 200 Euro überreichen – das Geld stammt vom Erlös des Tages des offenen Denkmals, als in der Husarenkaserne Speisen und Getränke verkauft wurden. „Vielleicht erklären die Damen sich bereit, das Grab eine Weile weiter zu pflegen.“ Weiterhin meldete sich ein Bautzener Unternehmer, der sich um den Erhalt eines zweiten Grabs der Weigang-Familie kümmern will – und drei Privatleute, die Geld spenden wollten.

Friedhofsverwalter Robert Eckhardt kann jeden Cent gebrauchen. Denn auf dem Taucherfriedhof gibt es Dutzende wertvolle Grabmäler, für deren Unterhalt niemand mehr etwas zahlt. Die SZ stellt vier besondere Exemplare vor.

Der Anwalt mit dem Engel

Gleich neben dem Durchgang zum Michaelisfriedhof wurde 1905 der Rechtsanwalt Paulus Naumann beigesetzt. Seine Kanzlei auf der Seminarstraße scheint gut gelaufen zu sein: Denn für sein Grabmal hat der Jurist den Bildhauer Johannes Schilling gewinnen können. Der schuf nicht nur das Standbild König Johanns vor der Dresdner Semperoper, sondern auch die Bildnisse Ernst Rietschels und Gottfried Sempers nebenan auf der Brühlschen Terrasse. Selbst das fast 40 Meter hohe Niederwalddenkmal am Rhein stammt von ihm. Der Bautzener Engel gilt als Schillings letztes Werk. Heute ist das Grab total zugewachsen – und sucht jemanden, der es pflegt.

Der Fabrikbesitzer mit dem Portal

Wenige Schritte von seinem Bruder Otto entfernt liegt seit 1912 der Fabrikbesitzer Eduard Weigang. Mit einer Stiftung hatte er bedürftigen Schülern den Besuch der Handelsschule ermöglicht. Außerdem gab der Kommerzienrat 50 000 Mark für eine weitere Stiftung, die armen Schulkindern zwischen November und März warmes Essen finanzierte. Für die Arbeiter und Angestellten der Druckerei richtete der Fabrikant eine Pensionskasse ein. Von den Angehörigen kümmert sich niemand mehr ums Grab. Jetzt kommt Bewegung in die Sache, weil mehrere Bautzener Unterstützung angeboten haben. Als Erstes will der Friedhofsverwalter die dicke Humusschicht auf den Grabplatten abtragen lassen.

Der Maler mit den Jünglingen

Bautzen ist die einzige Stadt in Deutschland, die eine Heinostraße besitzt. Sie erinnert allerdings nicht an den Sänger mit der Sonnenbrille, sondern an den Landschaftsmaler, Zeichner und Altertumsforscher August Heino. Der lebte von 1847 bis 1917 und hinterließ seiner Heimatstadt rund 80 Arbeiten, von denen der größte Teil im Museum aufbewahrt wird. Das bekannteste Werk dürfte „Das Eierschieben auf dem Protschenberg“ sein. Das Künstler-Grabmal ist heute arg verwittert. Die Umweltverschmutzung hat der Sandsteintafel zugesetzt. Die Aufschrift lässt sich kaum noch lesen. Wer will, kann eine Pflege-Partnerschaft für die Grabstelle nahe der Taucherkirche übernehmen – und später selbst dort beigesetzt werden. „Ein künftiger Nutzer müsste allerdings die Sanierung der Wand finanzieren“, sagt der Friedhofsverwalter. An die 2 000 Euro dürfte das kosten.

Die Familie mit dem Doppelkopf

Schon kurz nach der Französischen Revolution starb das Bautzener Ehepaar Janus. Ihre Tochter setzte den Eltern ein außergewöhnliches Grabmal: einen großen Januskopf, der zwei Gesichter trägt. Die Meinungen darüber gehen auseinander: Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt nannte die Plastik 1906 ein „wertvolles Sandsteindenkmal“, der Bautzener Pfarrer Gottfried Große wenig später „eine Geschmacklosigkeit“.

Egal, wie man es sieht: Wird das Denkmal nicht bald restauriert, lässt der Sandsteinfraß nicht mehr viel übrig.

Auf ein Wort

Kontakt zur Friedhofsverwaltung: 03591 43085