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Freital

Diese Pfarrerin lässt die Kirche im Dorf

Elisabeth Bellmann nimmt am Sonntag Abschied von Bannewitz. Für viele geht damit eine Vertraute.

Noch weiß die Pfarrerin nicht, was genau sie hier am Sonntag erwartet. Elisabeth Bellmann geht in den Ruhestand und wird in der Bannewitzer Kirche verabschiedet.
Noch weiß die Pfarrerin nicht, was genau sie hier am Sonntag erwartet. Elisabeth Bellmann geht in den Ruhestand und wird in der Bannewitzer Kirche verabschiedet. © Egbert Kamprath

Wehmütig sei sie schon. „Aber man muss loslassen können“, meint Elisabeth Bellmann. Das sagt die Pfarrerin nicht nur, weil das bekanntermaßen so gesagt wird, sondern weil sie es selbst erfahren hat. Diesmal aber ist das Loslassen ein Besonderes. Elisabeth Bellmann geht in den Ruhestand – nach 20 Jahren in Bannewitz. An diesem Sonntag, dem 16. Juni, wird sie im Gottesdienst verabschiedet.

Für viele im Ort ist Elisabeth Bellmann für diese zwei Jahrzehnte nicht einfach nur der Kontakt zur Kirche gewesen, sondern eine Vertrauensperson. Die Menschen um sich herum zu haben, für andere da zu sein, das sei für Elisabeth Bellmann immer das Wichtigste gewesen. Wichtiger als Sanierungsarbeiten an der Kirche, resümiert die 63-Jährige.

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Dabei kann sich das Bannewitzer Gotteshaus durchaus sehen lassen. Abgesehen vom Inneren ist das Denkmal, das einst eine Schule war, in den vergangenen Jahren rundum erneuert worden. Erst vor Kurzem wurden neue Fenster eingebaut. In diesen Tagen geht es mit der Trockenlegung des Gemäuers voran. Es wird gearbeitet – bis zum Schluss. So ist es auch bei Elisabeth Bellmann. Feierabend ist erst, wenn in den kommenden Tagen ihr Schreibtisch im Pfarramt geräumt und das Licht aus der Pfarrwohnung erloschen ist, in dem sie all die Jahre mit ihrer Familie wohnte. Hier in Bannewitz, so erzählt Bellmann, habe sie sich immer wohlgefühlt. Die Pfarrstelle in der Gemeinde ist für die gebürtige Leipzigerin nicht nur die letzte Station ihres Berufsweges, sondern auch der Ort, an dem sie bisher die längste Zeit ihres Lebens ausharrte. In Bannewitz ist Elisabeth Bellmann sesshaft geworden. Dass sie einmal ihre Berufung an der Spitze einer Kirchgemeinde findet, war nicht einmal für sie selbstverständlich. „Ich komme aus einer Zeit und Gegend, da war es nicht normal, dass auch Frauen Pfarrer sind“, erzählt Bellmann. Da habe sie schon mal solche Worte vernommen, wie „auf meine Kanzel kommst Du nicht“.

Das strebte die junge Elisabeth am Anfang auch gar nicht an. Irgendetwas mit Sprachen habe sie ursprünglich machen wollen. Die Nähe zur Kirche aber war immer irgendwie präsent. Schon in Kindheitstagen sei Bellmann in einer lebendigen Gemeinde aufgewachsen. Später besuchte sie eine kirchliche Oberschule in Moritzburg, wohnte da mit etwa 20 anderen auf engstem Raum. „Dort haben wir gelernt zu lernen“, sagt Bellmann rückblickend.

Der Gedanke, Pfarrerin zu werden, habe sich aber erst im Laufe ihres Theologiestudiums in Naumburg gefestigt. „Wirklich sicher in meiner Berufswahl war ich mir lange nicht“, erzählt Bellmann. Durch einen Job als Hilfsschwester in einer Erfurter Einrichtung liebäugelte sie auch kurzzeitig mit der Option sich der Medizin zu widmen. In Einsiedel machte Bellmann schließlich ihr Vikariat. Ihre erste Station als Pfarrerin war Olbernhau – wohl als erste Frau im Pfarramt. Viele dort seien über die Besetzung erstaunt gewesen, im positiven Sinn. „Die Leute kamen, um das Wunder zu bestaunen“, lacht Bellmann. In Olbernhau lernte sie schließlich ihren Mann Klaus kennen. Das Paar zog nach Freital, bekam vier Kinder. Am 1. September 1999 trat Elisabeth Bellmann die halbe Pfarrstelle in Bannewitz an.

Hier, so sagt sie, habe sie schon damals eine lebendige Gemeinde vorgefunden. Die Arbeit ihrer Vorgänger weiterzuführen, lag ihr genauso am Herzen, wie dafür zu sorgen, dass jeder im Gotteshaus sein Angebot findet, von der Krabbelgruppe über Kirchenmusik bis hin zum etwas spezielleren Motorrad-Gottesdienst, der einige Male in Bannewitz stattfand. Auch an viele Konzerte und das Sommerkino in der Kleinnaundorfer Kapelle erinnert sie sich gern.

Gern mehr Hausbesuche gemacht

All das Wirken um die Kirche herum sei aber keinesfalls ausschließlich ihr zu verdanken. „Ohne das ehrenamtliche Engagement hier würde es viele Angebote nicht geben“, sagt sie. Den allsonntäglichen Gottesdienst sah Bellmann bei allen Aktivitäten aber immer als Mittelpunkt der Arbeit und Möglichkeit, alle Generationen unterm Kirchendach zu vereinen. Gelungen ist das nicht immer, gibt Bellmann zu. Vor allem die Gruppe der 20- bis 30-Jährigen für die Kirche begeistern zu können, bleibe eine Herausforderung. Gern hätte sie noch mehr Hausbesuche gemacht, die Arbeit mit den Menschen intensiviert. Aber die Zeit hat nicht alles zugelassen. Nahe lag es ihr auch, vor allem jungen Frauen zur Seite zu stehen, die sich vor der Herausforderung sahen, Familie und Job ohne ein schlechtes Gewissen für das jeweils andere zu vereinen. Auch Elisabeth Bellmann sei das nie leicht gefallen. Sie erinnert sich noch genau an den Tag, als ihre Kinder fiebernd im Bett lagen, das Telefon klingelte und eine Bekannte, deren Mann soeben verstarb, bei ihr Trost suchte. „Meine Kinder mussten auch zurückstecken“, gesteht Bellmann. Gemeindearbeit, so sagt sie, sei eben Beziehungsarbeit, im Dörflichen umso mehr.

Am Sonntag verabschiedet sich aber nicht nur Elisabeth Bellmann von Bannewitz. Auch ihr Mann Klaus, der sich in seiner Freizeit darum bemühte, dass die Heizung in der Kirche läuft, die Glocken planmäßig läuten und das Grundstück rund um die Kirche einladend bleibt, zieht mit ihr in die neue Wohnung in den Dresdner Süden.

Wer auf die Pfarrstelle nachrückt, ist fraglich. Wie Matthias Oelke, Sprecher des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes Sachsen sagt, sei noch zu klären, wie sich der Kirchenbezirk in Absprache mit den Gemeinden der Region eine Zuordnung und Aufteilung der Pfarrstellen vorstellt. Möglich sei, dass die Schwesternkirchgemeinde Leubnitz-Neuostra künftig verstärkt Bannewitz unterstützen muss.

Verabschiedung von Pfarrerin Elisabeth Bellmann: Sonntag, 16. Juni, um 14 Uhr, in der Kirche Bannewitz.

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