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Diese Piraten wollen in den Stadtrat

Fünf Kandidaten der Partei möchten in Görlitz mitreden. Bevor sie sich zur Wahl stellen können, müssen sie noch eine Hürde nehmen.

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Von Susanne Sodan

Eine politische Premiere für Görlitz: Fünf Kandidaten der Piraten-Partei stellen sich zur Wahl für den Stadtrat. Manche Parteien wollen mit einigen neuen Gesichtern neben altgedienten Kommunalpolitikern für neue Ideen sorgen. Bei den Piraten weht ausschließlich frischer Wind.

Lars Trasper (38), Mitarbeiter eines Catering-Unternehmens Foto: Nikolai Schmidt
Lars Trasper (38), Mitarbeiter eines Catering-Unternehmens Foto: Nikolai Schmidt
Jens Bekersch (36), selbstständig, Kreisvorsitzender der PiratenFoto: privat
Jens Bekersch (36), selbstständig, Kreisvorsitzender der PiratenFoto: privat
Carolin Mahn-Gauseweg (32), Ingenieurin bei Bombardier Foto: PR
Carolin Mahn-Gauseweg (32), Ingenieurin bei Bombardier Foto: PR
Stephan Dienel (25), Ingenieur in ZittauFoto: privat
Stephan Dienel (25), Ingenieur in ZittauFoto: privat

Zugpferd der Partei in Görlitz ist Carolin Mahn-Gauseweg. Die 32-Jährige steht auf dem ersten Listenplatz der Piraten und ist aktuell auch stellvertretende Vorsitzende der Partei bundesweit. Die Ingenieurin stammt aus Zwickau, lebt seit 2011 in Görlitz und arbeitet hier für Bombardier. In Berlin hat sie es mit komplexeren Themen, größerer Verwaltung, einer völlig anderen politischen Bühne zu tun. „In der Kommunalpolitik sehe ich aber die Chance, mehr ändern zu können – und von diesen Änderungen auch etwas mitzubekommen“, erzählt Mahn-Gauseweg. Vor allem zwei Themen sind es, für die die Piraten in Görlitz ins Rennen gehen: mehr Transparenz und mehr Bürgerbeteiligung. „Dafür braucht es nicht unbedingt große Schritte. Aber warum werden nicht Protokolle, Debatten und Mitschnitte der Stadtratssitzungen ins Internet gesetzt, damit sich jeder informieren kann?“ Die Live-Übertragungen der Stadtratssitzungen seien noch zu wenig. „Wenn sich die Bürger beteiligen wollen, brauchen sie auch den Einblick in die Debatten“, so Mahn-Gauseweg.

Zudem solle die Stadt in viel stärkerem Maß transparent machen, wofür Gelder aus öffentlicher Hand ausgegeben werden. „Das betrifft auch die Verwendung von Fraktionsgeldern.“ Um die Beteiligung der Bürger zu fördern, wollen sich die Piraten für einen Bürgerhaushalt einsetzen, zum Beispiel nach dem Vorbild der Stadt Münster. Jeder Bürger kann Vorschläge zur Verwendung der Haushaltsmittel machen. Darüber wird schriftlich oder per Internet abgestimmt. Kommt der Vorschlag bei den anderen Bürgern an, wird er geprüft und schließlich dem Stadtrat vorgelegt.

Bevor die Piraten überhaupt zur Wahl antreten können, müssen sie noch eine Hürde nehmen – nämlich 160 Unterstützerunterschriften. Die braucht jede Partei, wenn sie erstmals zu einer Wahl antritt. Lars Trasper ist zuversichtlich, dass sich genügend Unterstützer finden. Er steht auf Platz zwei der Piraten-Liste. Nicht nur in der Kommunalpolitik, auch in der Partei ist der 38-Jährige ein neues Gesicht. Er steht für die jungen Themen, genau wie die Pädagogin Cindy Rosenthal. Kinder wie auch junge Erwachsene haben hier zu wenige Angebote, sagen beide. „Das Jugendzentrum wäre doch eine Möglichkeit, Jugendliche aufzufangen“, so Rosentahl. Ohne mehr Angebote, ob das nun ein lebendigeres Nachtleben oder pädagogische Freizeitangebote sind, könne man die Abwanderung aus Görlitz nicht stoppen. Zweites großes Thema für Lars Trasper: die Rechte homo-, bi- und transsexueller Menschen. Auch in Görlitz sei das heute noch ein Tabuthema. „Dass man als homo-, bi- oder transsexueller Mensch schief angeschaut wird, ist noch immer Realität.“ Geht es um Werbung für Toleranz, hat Trasper Erfahrung: Für die Rainbow-Initiative veranstaltet er regelmäßig Stammtische und Partys in Görlitz.

Antreten werden zur Wahl auch Ingenieur Stephan Dienel und Jens Bekersch, Kreisvorsitzender der Piraten in Görlitz. Bekersch ist selbstständig im Bereich Internetmarketing tätig. Neben den Themen Bürgerbeteiligung und Transparenz, wollen sich beide im Bereich Wirtschaft engagieren. Ein aktueller Aufreger sei die Wirtschaftsförderung in Görlitz. Die setze momentan zu sehr auf billige Arbeitskräfte als Werbung um Unternehmer. Langfristig wirke sich solch ein Vorgehen hemmend aus – Geld zum Ausgeben und damit zur Belebung der Wirtschaft fehle dem Bürger am Ende. „Wichtig ist uns auch der Ausbau schneller Internetverbindungen. Das ist ein grundlegender Standort-Faktor“, sagt Jens Bekersch. Ein weiteres Thema ist die Aufklärung über Möglichkeiten und Gefahren des Internets.

„Mit Fraktionsstärke, also vier unserer Leute im Stadtrat, rechne ich nicht“, sagt Carolin Mahn-Gauseweg mit Blick auf die Wahl. „Aber dass zwei von uns einziehen, kann ich mir schon vorstellen.“ Mit welcher Partei man dann zusammenarbeiten möchte, lässt sie offen. „Abgesehen von der NPD und der AfD ist alles möglich. Bei den anderen Parteien schauen wir nicht auf den Namen, sondern auf die konkreten Inhalte für Görlitz.“