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Diese Politiker wollen in den Landtag

Im Wahlkreis 48 stellen sich acht Personen direkt zur Wahl. Sächsische.de gibt einen Überblick über Themen, Schwerpunkte und Erfahrungen.

Wer darf im September im Sächsischen Landtag Platz  nehmen?
Wer darf im September im Sächsischen Landtag Platz nehmen? ©  dpa/Sebastian Kahnert

Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen, viele geben bereits jetzt ihre Stimme ab – per Briefwahl. Noch nie war der Ausgang einer Landtagswahl in Sachsen so offen wie dieses Jahr. Vorhergesagt wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und AfD. Wer wird aber das Land regieren? Welche Partei würde mit welcher Bündnisse schmieden, was sind die politischen Lösungsvorschläge? SZ-Reporter Gunnar Klehm stellt die Direktkandidaten des Wahlkreises 48 vor. Für mehr Fakten und Hintergründe.

Roland Wöller, der Scharfsinnige

© CDU

Es gibt wohl kaum ein größeres Fest im Wahlkreis 48 (Freital/Wilsdruff), das Roland Wöller in den vergangenen Wochen ausgelassen hat. Trotzdem wirkt er auf viele Wählerinnen und Wähler eher als unterkühlt und unnahbar. Vielleicht gab sich der sächsische Innenminister gerade deshalb ausgesprochen volksnah.

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1999 zog Wöller erstmals in den Landtag ein, seit 2004 gewann er dreimal das Direktmandat. Er war unter Ministerpräsident Milbradt zwei Jahre lang Umwelt- und Landwirtschaftsminister und im Tillich-Kabinett vier Jahre Kultusminister, bis er wegen politischer Auseinandersetzungen zurücktrat. Ministerpräsident Kretschmer berief ihn 2017 zum Innenminister. Politische Sachfragen versucht er, mit seinem ausgeprägten Intellekt zu lösen. Dabei bleibt es ein Spagat, als Minister die Interessen des gesamten Freistaates zu vertreten, sich aber auch für Belange des Wahlkreises einzusetzen. Wöller ist Bankkaufmann, Diplom-Volkswirt und Hochschullehrer. Bereits als 18-Jähriger trat er 1988 in die CDU ein.

In der nächsten Wahlperiode würde sich der 49-Jährige für den Wahlkreis besonders für diese Themen einsetzen: „Mit ganzer Kraft setze ich mich dafür ein, dass die Menschen in Freital, Wilsdruff, Tharandt und Dorfhain sicher wohnen, leben und arbeiten können. Für unsere Region haben wir gemeinsam viel bewegt. Ich stehe für die Entstehung eines modernen Stadtzentrums in Freital, das neue Gymnasium in Wilsdruff, den Erhalt und Ausbau des Jagdschlosses Grillenburg zum Tagungs- und Konferenzstandort sowie die Sanierung des Erlebnisbades in Dorfhain.“

Uta-Verena Meiwald, die Sportbegeisterte

© Linke

Uta-Verena Meiwald wäre beinahe ins Präsidium der SG Dynamo Dresden gewählt worden. Lediglich 41 Stimmen fehlten ihr dafür in der Mitgliederversammlung des Vereins, der mehr als 20 000 Mitglieder hat. Die 53-Jährige ist Landtagsabgeordnete für die Linkspartei. Vor zehn Jahren zog die Kesselsdorferin über die Landesliste in das Gremium ein. Das könnte dieses Mal mit ihrem Platz 13 erneut gelingen. Unabhängig davon kämpft sie um das Direktmandat im Wahlkreis 48 (Freital/Wilsdruff).

Sportpolitik ist nur eines ihrer Themen. In der Landtagsfraktion ist sie auch Sprecherin für Haushalts- und Finanzpolitik. In der Kommunalpolitik mischt sie als Vorsitzende der Kreistagsfraktion mit. Seit 2009 ist sie Kreisrätin, seit 2004 vertritt sie Die Linke auch im Stadtrat Wilsdruff und im Ortschaftsrat ihres Heimatortes. Meiwald trat 1985 in die Sozialistische Einheitspartei (SED) ein und machte seitdem alle Entwicklungen der Partei über die PDS bis zur heutigen Die Linke mit.

Sollte die Diplomlehrerin erneut in den Landtag gewählt werden, will sie sich insbesondere für diese Themen einsetzen: „Wir müssen die Spaltung der Gesellschaft überwinden, das gilt gerade auch für unseren Wahlkreis. Soziale Unsicherheit, mangelndes Vertrauen in die Politik und Verlustängste führen dazu, dass manche Menschen sich nicht mehr am demokratischen Prozess beteiligen. Um das zu ändern, ist es wichtig, mehr Geld für soziale Projekte in die Hand zu nehmen und gezielt Einrichtungen zu fördern, die diesem Trend etwas entgegensetzen. Das wären zum Beispiel Jugendclubs, Seniorentreffs, Mehrgenerationenprojekte, Sportvereine.“

Daniela Forberg, die Motivierte

© SPD

In schweren Zeiten muss man sich besonders engagieren. Für Daniela Forberg waren die Verluste der SPD bei vergangenen Wahlen kein Grund, an ihrer Partei und ihren politischen Zielen zu zweifeln. Das hat sie stattdessen offenbar besonders motiviert, mehr Verantwortung in der Partei zu übernehmen, der sie seit 1997 angehört.

Unbekümmert bewirbt sich die Rechtsfachwirtin um das Direktmandat in ihrem Heimatwahlkreis 48 (Freital/Wilsdruff). Auch in der Kommunalpolitik mischt sie nun kräftiger mit, seit sie im Mai in den Stadtrat gewählt wurde. Mit ihrer offenen und ehrlichen Art gewinnt die 39-Jährige schnell das Vertrauen der Menschen, mit denen sie sich austauscht. Sehr strukturiert und an der Lösung orientiert geht sie Herausforderungen an, ohne sich von größeren Dimensionen oder gewieften Berufspolitikern abschrecken zu lassen.

Sollte Daniela Forberg in den Landtag gewählt werden, wäre Bildung ihr bestimmendes Thema, das sie auch für den Wahlkreis angehen würde: „Mir ist besonders wichtig, dass alle Schüler und Auszubildenden möglichst mobil sind. Dazu benötigt es unbedingt die Umsetzung des Bildungstickets. Nach wie vor hängt Bildung jedoch von der finanziellen Situation der Familien ab. Daher ist der kostenfreie Besuch einer Kindertagesstätte unbedingt anzustreben. Wohnortnahe Schulen sind wichtig, um gute Bildung zu gewährleisten. Die Möglichkeit der Gemeinschaftsschulen ist aus meiner Sicht eine notwendige Ergänzung im sächsischen Schulwesen.“

Norbert Otto Mayer, der Eigensinnige

© AfD

Dass die AfD ein „gäriger Haufen“ ist, wie es Parteivorsitzender Alexander Gauland einmal sagte, zeigt sich exemplarisch an Norbert Otto Mayer. In der vergangenen Wahlperiode war der 62-Jährige Fraktionsvorsitzender im Freitaler Stadtrat. Für die Kommunalwahl im Mai stellten ihn seine Freitaler Parteikollegen nicht mehr auf. Seinen Kreisverband konnte er aber kurz zuvor noch davon überzeugen, ihn mehrheitlich als Direktkandidaten zu nominieren. Zur Kreistagswahl setzte ihn seine Partei auf den letzten Platz der AfD-Liste im Wahlkreis 10. Er überflügelte jedoch vor ihm Platzierte und zog trotzdem in den Kreistag ein. Auf der AfD-Landesliste für den Landtagswahl landete der selbstständige Kaufmann auf Platz 27. Mayer (Jahrgang 1957) gilt als äußerst streitbar und ist sich für keinen Konflikt zu schade. Hat er sich etwas in den Kopf gesetzt, lässt er sich kaum noch beirren. Das wirkt auf viele eigensinnig.

Dafür würde er sich im Landtag einsetzen: „Mein Ziel ist, Bürger vor wichtigen Entscheidungen einzubeziehen. Ob Straßenbau oder Gefährdung der Häuser durch Sprengungen im Steinbruch: Missachtung der Bürger muss aufhören. Sie haben Rechte: auf ihre Heimat, ihre Kultur, Sicherheit, Schutz vor Kriminalität, würdiges Leben im Alter, Meinungsfreiheit und Bildung. Familien sind zu fördern, etwa mit Begrüßungsgeld für sächsische Babys und Landeserziehungsgeld, so können Eltern frei entscheiden, ob sie ihre Kinder in der Kita oder zu Hause betreuen.“

Ines Kummer, die Offenherzige

© Karl-Ludwig Oberthür

Das war ihr Thema. Zu Zeiten der größten Flüchtlingsströme nach Deutschland 2015/16 blühte Ines Kummer geradezu auf. Selten zuvor war die langjährige Stadträtin aus Freital und Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen so viel in Zeitung und Fernsehen mit politischen Statements so präsent. Die gelernte BMSR-Technikerin trug dabei ihr Herz auf der Zunge. Ihre konsequente Haltung für Flüchtlingshilfe und Migration brachte der 56-Jährigen aber auch viel Gegenwind bei Andersdenkenden ein. Vor mehr als 20 Jahren trat sie in die Partei ein, seit 15 Jahren ist sie als Mitarbeiterin von Abgeordneten im Politikbetrieb eingebunden. Den derzeitigen Aufschwung ihrer Partei nimmt sie dankend zur Kenntnis und hofft, dass das nicht nur ein kurzfristiger Effekt ist, sondern auf einem Umdenken der Menschen beruht. Sie tritt nicht nur als Direktkandidatin im Wahlkreis 48 (Freital/Wilsdruff) an, sondern ist auch gut auf der Landesliste (13) platziert.

Sollte sie es in den Landtag schaffen, würde sie sich für den Wahlkreis vorrangig um diese Themen kümmern: „Freital und der Region geht es am besten, wenn alle die Chance auf ein gutes Leben haben – unabhängig vom Geschlecht, der Hautfarbe oder dem elterlichen Geldbeutel, wo niemand ausgegrenzt wird. Ich setze mich ein, dass alle Menschen ab dem 14. Lebensjahr bei Kommunal- und Landtagswahlen wählen dürfen, dass auch in unserer Region echte Ganztagsschulen und Gemeinschaftsschulen auf den Weg gebracht werden, dass Radfahren attraktiver wird mit sicheren Radwegen, -Abstellanlagen und Leihstationen.“

Lothar Brandau, der Altersweise

© Dirk Zschiedrich

Der FDP-Politiker Lothar Brandau gehört zu jenen Landtagskandidaten, die nichts zu verlieren haben. Der 69-Jährige bewirbt sich um das Direktmandat im Wahlkreis 48 (Freital/Wilsdruff). Der Bauingenieur leitete einst als Selbstständiger ein Planungsbüro und könnte nun seinen Ruhestand genießen. Für das Leben, das er führen kann, ist er dankbar. Das genügt ihm aber nicht. Er möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben und für nachfolgenden Generationen sorgen.

Seine Lebenserfahrung bringt er seit 2008 als Stadtrat in seiner Heimatstadt Freital ein. Von 2009 bis 2014 war er schon eine Legislaturperiode lang Kreisrat und wurde kürzlich erneut in das Gremium gewählt. In der FDP ist er seit 2008. Ihn ärgert an anderen Politikern, dass sie nur von Wahl zu Wahl denken würden und wenig darüber hinaus. Exemplarisch zeige sich das am Beispiel Lausitz. Dort würden jetzt Steuergeschenke in Milliardenhöhe ausgeschüttet, um unter anderem Behörden anzusiedeln. Für Arbeitsplätze nach der Kohleverstromung könne aber nur die Wirtschaft selbst sorgen. Um Wirtschaftsinitiativen zu unterstützen, brauche es aus seiner Sicht eine Sonderwirtschaftszone, die Industrieansiedlungen befördert.

Seine wichtigsten Themen: „Wir müssen noch stärker mit unseren Nachbarn in Tschechien zusammenarbeiten. Nur so werden wir tatsächlich als Europäische Union zusammenwachsen und die Herausforderungen im Wettbewerb mit Asien oder den USA bestehen. Für Recht und Sicherheit muss zudem die Polizei personell verstärkt und technisch besser ausgestattet werden. Es müssen mehr Beamte sichtbar sein und junge Menschen für den Beruf begeistert werden.“

Andreas Hofmann, der Lautstarke

© Andreas Weihs

Wenn er könnte, wäre Andreas Hofmann viel lieber mit einem anderen Namen zur Wahl angetreten als mit seinem bürgerlichen. Denn als DJ Happy Vibes ist er vielen bekannter. Bis 2016 war er zwölf Jahre lang CDU-Mitglied. Unehrlichkeit der Führungskräfte der Partei hätten ihn dann zum Austritt gebracht, wie er sagt. 2018 schloss er sich den Freien Wählern an. Der 53-Jährige machte 2016 mit umstrittenen Aktionen und Äußerungen zur Asylpolitik mehrfach auf sich aufmerksam. Seine Radioshow wurde danach bei Radio Dresden abgesetzt. Als Begründung wurden sinkende Hörerzahlen genannt. Sollte der Geschäftsführer und Inhaber der Happy Vibes Medien-Produktion GmbH Abgeordneter werden, wären das seine Themen: „In den letzten Jahren ist leider ein tiefer Riss in der Mitte unserer Gesellschaft sichtbar geworden. Es entsteht der Eindruck, dass ,die da oben‘ dies stillschweigend akzeptieren und nichts dagegen unternehmen. Schluss mit den Endlosdebatten um Rechts und Links! Wir sollten unsere geballte Aufmerksamkeit wieder der großen Mitte der Gesellschaft und den täglichen Problemen widmen. Verstärkte Förderung der Familien, Entbürokratisierung des Handwerks, Mittelstandes und der Freien Berufe. Sicherheit, mehr Selbstbestimmung der Kommunen! Wir müssen jetzt wieder zusammenführen, statt zu spalten, um Probleme lösen zu können. Loofen musses!“

Martina Hanke, die Tierliebe

© privat

Wer Martina Hanke nicht kennt, unterschätzt sie womöglich. Doch die zierliche 61-Jährige ist hartnäckiger und redegewandter als mancher vermutet. Immer freundlich, aber bestimmt, macht sie auf ihr politisches Thema aufmerksam. Das ist der Schutz allen Lebens und insbesondere der Tierschutz.

Das war auch der ausschlaggebende Punkt, warum sie vor drei Jahren in die V-Partei³ (gesprochen: Vau-Partei-hoch-drei), der Partei für Veränderungen Vegetarier und Veganer, eingetreten ist. Im Veganismus – also dem Verzicht auf tierische Lebensmittel – sieht sie die Lösung für viele Probleme auf der Erde, vom Tier-, Natur- und Klimaschutz bis hin zur Beseitigung von Hunger und Fluchtursachen. Die Vertriebsmitarbeiterin leitet seit 2001 die Selbsthilfegruppe für Betroffene und Angehörige von Ataxie-Erkrankungen und der Huntington-Krankheit.

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Die Landeszentrale für politische Bildung lädt heute Abend gemeinsam mit der SZ zu einem Wahlforum nach Freital ein. Fragen aus dem Publikum sind willkommen.

Als Landtagsabgeordnete würde sie sich für diese Ziele einsetzen: „Die Menschen als Verbraucherinnen und Verbraucher besser zu schützen, die Artenvielfalt zu erhalten und dieser Erde und ihren Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Ein zentrales Thema ist der schrittweise Ausstieg aus Agrarindustrie und Massentierhaltung hin zur bio-veganen ökologischen, ressourcenschonenden Landwirtschaft. Gerade in Sachsen können Regularien eingerichtet werden, die etwa den Neubau von Großställen verhindern, regionale Landwirte mit bio-veganem Landbau fördern, Monokulturen verändern. Mir geht es darum, die notwendigen Veränderungen selbst zu leben, Veganismus politisch ins Gespräch zu bringen und zum Nachdenken anzuregen.“

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