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Diese Sächsin will Wagenknechts Nachfolgerin werden

Caren Lay aus Hoyerswerda kandidiert für den Fraktionsvorsitz der Linken im Bundestag. Die Idee findet nicht nur Freunde.

Caren Lay bewirbt sich um den Fraktionsvorsitz der Linken im Bundestag.
Caren Lay bewirbt sich um den Fraktionsvorsitz der Linken im Bundestag. © dpa/Fabian Sommer

Die Frage hat Relevanz: „Wie wäre es“, sinniert die sächsische Bundestagsabgeordnete Caren Lay in ihrem Bewerbungsschreiben, „wenn wir unseren Neujahrsempfang zukünftig nicht in Berlin-Mitte, sondern zum Beispiel in der Gropiusstadt durchführen?“ Lay hat auch die Antwort parat. „Lasst uns hingehen“, empfiehlt sie ihrer Partei den Ortswechsel in die Neuköllner Betonburg, „lasst uns durch praktische Arbeit die Menschen überzeugen“.

Nach dem angekündigten Rückzug von Fraktionschefin Sahra Wagenknecht aus gesundheitlichen Gründen wählen die 69 Bundestagsabgeordneten der Linkspartei am Dienstag eine neue Doppelspitze. Der männliche Part, Dietmar Bartsch vom Reformerflügel, gilt weiterhin als gesetzt. 

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Spannend ist die Frage nach Wagenknechts Nachfolgerin. Fraktionsvize Lay kündigte ihre Kandidatur vor etwas mehr als einer Woche an. Danach machte auch eine Newcomerin im Bundestag ihre Ambitionen öffentlich – die überregional wenig bekannte niedersächsische Abgeordnete Amira Mohamed Ali.

„Ich sehe mich durch meine Erfahrung in der Lage, das Amt gut auszufüllen“, sagt Lay der Sächsischen Zeitung. Die 46-Jährige, die in Rheinland-Pfalz geboren wurde, arbeitete als Vizechefin und Bundesgeschäftsführerin der Linken. Seit 2009 sitzt sie im Bundestag. Die politische Karriere der diplomierten Soziologin begann neun Jahre zuvor in Sachsen als Mitarbeiterin der damaligen PDS-Landtagsfraktion.

Nach einem Zwischenspiel als Redenschreiberin für die Grünenministerin Renate Künast kehrte Lay aus Berlin nach Dresden zurück und wurde dort 2004 erstmals als Abgeordnete gewählt – in den Landtag. Die Politikerin ist Mitglied des sächsischen Linkenverbandes und hat Bürgerbüros in Bautzen und Hoyerswerda.

Vermutlich stehen Lays Chancen nicht schlecht. Spannend erscheint, wie stark im Erfolgsfall der Rückhalt durch das Ergebnis sein wird. Wie in Sachsen ist die Linke im Bundestag in schwer überschaubare Zirkel und Strömungen unterteilt. „Eine zerstrittene Partei ist eine unattraktive Partei“, stellt Lay in dem zunächst an ihre Fraktionskollegen gerichteten Schreiben fest und erteilt Lagerdenken eine Abfuhr: „Ich möchte die Fraktion aus der Mitte heraus führen.“

Damit vollzöge sich die Abkehr vom bisherigen, intern so bezeichneten Hufeisenmodell. Pragmatiker Bartsch stand demnach – vereinfacht gesagt – für den Versuch einer Regierungsbeteiligung zusammen mit SPD und Grünen. Wagenknecht repräsentierte die auf klaren Oppositionskurs fixierte Parteilinke.

Sahra Wagenknecht gibt den Fraktionsvorsitz ab.
Sahra Wagenknecht gibt den Fraktionsvorsitz ab. © dpa/Kay Nietfeld

Diese Zuschreibungen sind allerdings nur noch bedingt aussagekräftig. Wagenknecht ließ phasenweise wie Bartsch Sympathien für eine Regierungsoption erkennen. Zudem verlor sie Rückhalt bei Verbündeten nach kritischen Äußerungen zur Asylpolitik. In Teilen der Öffentlichkeit erfuhr sie dafür allerdings Zustimmung. Ohnehin gilt die rhetorisch geschickte Wagenknecht als prägendes Gesicht der Linken und beliebter Talkshowgast.

Lay weiß: „Sahra hinterlässt als scheidende Fraktionschefin große Fußstapfen.“ Oberstes Gebot sei es nun, „eine gemeinsam getragene Politik zu entwickeln“. Lay, die vor zwei Jahren auch als sächsische Landeschefin im Gespräch war, zählt die Bereiche Arbeit, Rente, Pflege, Umverteilung, Ostdeutschland und Frieden zum „Markenkern“ der Partei. Sie selbst hat sich als Mietenpolitikerin einen Namen gemacht. Beharrlich fragte sie nach der Zahl der Sozialwohnungen in den Bundesländern und favorisierte die Begrenzung von Mieten.

Gretchenfrage für die Partei

„Ob es uns gelingt, Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Erwerbslose wieder stärker anzusprechen, ist eine Gretchenfrage für die ganze Partei“, betont Lay im Schreiben an die Fraktionsgenossen. Erreicht werde das nicht durch „abstrakte Strategiedebatten“. Die Linke müsse „die Bedürfnisse der Menschen, ihre materiellen Interessen und existenziellen Nöte zum Ausgangspunkt“ der parlamentarischen Arbeit machen.

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Das klingt nach linker Realpolitik, die sich stärker auf das frühere Milieu der Partei konzentriert. Unumstritten ist auch das in der Linken mit ihrem polarisierenden Lagerdenken nicht. Lay versucht, alle einzubinden: „Wir brauchen uns alle, um die Regierung wieder vor uns her zu treiben.“

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